Börsennotiertes Kunsthandelsunternehmen: Bilanz nach schwierigem Geschäftsjahr
Wiesbaden. Der Kurs im Keller, ein Kunstmarkt in der Flaute – die Hauptversammlung der Monheimer Weng Fine Art AG (WFA) zum Geschäftsjahr 2023 fand schon unter besseren Vorzeichen statt.
Bei 4,80 Euro notiert das Papier des Kunsthandelsunternehmens am Veranstaltungstag, dem 18. Dezember, weit entfernt von 7,40 Euro vor einem Jahr, ganz zu schweigen vom Höchststand bei 37,40 Euro Anfang 2022. Die Dividende der WFA AG beträgt 5 Cent bei einem Bilanzgewinn von gut 3,3 Millionen Euro; das sind in Summe weniger als 10 Prozent.
Dass überhaupt eine Ausschüttung vorgenommen werde, liege laut Vorstandsvorsitzendem, Gründer und Hauptaktionär Rüdiger K. Weng nicht zuletzt daran, dass der Gesetzgeber eine Mindestausschüttungsquote von 4 Prozent des Bilanzgewinns vorschreibe. Der Gewinn der Mutter basiere vollständig auf den Überschüssen der nicht börsennotierten Schweizer Tochter Art XX AG; die WFA hätte ansonsten einen Verlust ausweisen müssen, erklärt Weng.
Weng gibt zu, dass er auch in der auf Editionen spezialisierten Tochter noch relativ hohe Kosten hatte, weil er mit einem besseren Geschäftsumfeld gerechnet hatte. Die Eigenkapitalquote dort liegt jedoch weiterhin bei rund 60 Prozent, wodurch die Gesellschaft auch bei schlechterem Geschäftsverlauf gut aufgestellt sei. Dem Geschäftsjahr 2023 gibt der Unternehmer eine Schulnote von Vier oder Vier minus. 2024 werde sogar das schlechteste Geschäftsjahr seit Gründung der Firma 1995 gewesen sein. Das sei nicht zuletzt zurückzuführen auf seine eigene Fokussierung auf die knapp 30-prozentige Beteiligung an der Berliner Artnet AG, aktuell wohl das interessanteste Asset der WFA.
Artnet sieht Weng vor allem als Marketingplattform für sein Editionsgeschäft. Dreimal habe man zusammen mit potenziellen Investoren mit der Familie Neuendorf verhandelt, dreimal sei man im Prinzip zu einer Verständigung gekommen, und dreimal habe der Patriarch Hans Neuendorf abgelehnt, weil ihm der jeweilige Investor nicht gepasst hätte. Wegen der abgesagten Hauptversammlung der Artnet AG Mitte Dezember habe er sich mit dem zuständigen Richter darauf verständigt, den Berlinern noch bis Mitte Januar die Gelegenheit zu geben, eine HV einzuberufen, die dann Mitte Februar stattfinden könnte. Ansonsten wolle er die Veranstaltung gerichtlich erzwingen und selbst durchführen.
Das eigene Geschäft sei zum Teil „on hold“, erläutert Weng; weil aktuell nicht das Umfeld herrsche, das Asien-Geschäft zu erweitern, Editionen auszubauen oder die Handelsplattform Weng Art Invest auszurollen. Für 2025 „bin ich vorsichtig optimistisch“, erklärt er. Das lasse sich an den Auktionen ablesen, „zwar noch nicht an den Ergebnissen, aber an der Stimmung.“ Die WFA werde wegen ihrer breiten Aufstellung als einer der ersten Marktteilnehmer von einem Aufschwung profitieren.
Von der Senkung der deutschen Mehrwertsteuer auf Kunst von 19 auf 7 Prozent erhofft er sich einen Schub, da Deutschland ein wichtiger Markt sei. Den Bereich der Galerien sieht er jedoch pessimistisch: Ihm seien Schätzungen bekannt, dass in den nächsten Jahren mit der Schließung von einem Drittel der Betriebe zu rechnen sei. Als Kunden sieht er den stationären Handel daher nicht mehr an erster Stelle.
Weng setzt auf Status Buyers und Investment Buyers, an die er direkt verkaufe. Die Beteiligung an Artnet sei für den Vertrieb an die Kunden zentral. Das Secondary Market-Geschäft, mit dem Weng angefangen hatte, möchte er zurückfahren. Denn das hänge sehr stark von individuellem Know-how ab, das nur sehr schwer an andere Personen zu übertragen sei.
Sobald der Markt wieder anzieht, werden wieder Editionen lanciert
Editionen seien hingegen normierte Güter, die leichter zu handhaben sind. Sobald der Markt wieder anziehe, wolle er sich verstärkt mit neuen Editionen engagieren und Weng Art Invest hochfahren.
Die größten Veränderungen ergeben sich beim Aufsichtsrat, der verkleinert und komplett ausgetauscht werden sollte. Nach mehr als 13 Jahren scheidet auch Christian W. Röhl dort aus. Entgegen der ursprünglichen Planung stellte sich der Investmentanalyst und Kommunikationsexperte Patrick Kiss zur Wiederwahl.
Knapp 75 Prozent des stimmberechtigten Kapitals waren anwesend, von denen Weng selbst rund 63 Prozent hält. Mit großem Widerspruch war daher nicht zu rechnen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz übten leise Kritik an der als unzureichend empfundenen Informationspolitik. Das schlechteste Ergebnis bei den Abstimmungsergebnissen der HV erhielt Weng selbst mit gut 95 Prozent bei seiner Entlastung als Vorstand.