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AfDWeidel fordert mutwillige Vernichtung von Werten

Die AfD-Chefin will Windkraft nicht länger fördern und Anlagen abreißen. Diese Forderung widerspricht jeder Vernunft – und auch der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung. Ein Kommentar.Klaus Stratmann 14.01.2025 - 15:00 Uhr
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Alice Weidel hat wenig für Windkraft übrig - „Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder.“ Foto: IMAGO/onw-images

Es gibt viel zu kritisieren an der Energiewende. Seit Jahren zeichnen sich Fehlentwicklungen ab: Der Ausbau der erneuerbaren Energien harmoniert nicht mit dem Ausbau der Stromnetze, der Ausstieg aus der gesicherten Leistung konventioneller Kraftwerke erfolgt zu schnell, das sture Festhalten am Kohleausstieg bis 2030 erscheint zunehmend illusorisch.

Die Liste der Fehlentwicklungen ließe sich fortsetzen. Das Grundproblem ist, dass in vielen Fragen Ideologie statt Effizienz dominiert. In den letzten Jahren hat sich kaum etwas verbessert. Die zerbrochene Ampelkoalition hat nur wenige Probleme gelöst und viele neue geschaffen.

Für jede Oppositionspartei sind diese Versäumnisse eine Steilvorlage. Wenn AfD-Chefin Alice Weidel nun aber den Abriss von Windkraftanlagen fordert und diese als „Windmühlen der Schande“ bezeichnet, entfernt sie sich meilenweit von einer sachlichen Debatte.

Im Nachgang hat Weidel ihre Aussage relativiert und gesagt, sie beziehe sich nur auf ein konkretes Projekt in Hessen. Überzeugend wirkt das Zurückrudern nicht. Ihre Aussage auf dem Parteitag lautete: „Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande.“ Möge sich jeder selbst ein Urteil bilden, ob damit die Windkraft insgesamt oder ein einzelnes Projekt gemeint sein soll.

Windstrom ist günstig, schafft Jobs und hilft dem ländlichen Raum

Wenn Weidel meint, mit ihrer Forderung eine Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung aufzugreifen, irrt sie. Nach verschiedenen Umfragen sehen die Menschen in Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien, auch der Windenergie, grundsätzlich positiv.

Was Weidel geflissentlich verschweigt: Windstrom ist billig. Die Windindustrie steht für Zehntausende gut bezahlte Arbeitsplätze in Deutschland. Windkraft stärkt zudem den ländlichen Raum, den gerade die AfD besonders fördern will.

Ja, auch die Windenergie hat ihre Schwächen. Sie braucht wie die Photovoltaik ein Back-up-System, dessen Kosten systematisch unterschätzt werden. Sie erfordert massive Investitionen in den Ausbau der Stromnetze.

Hier ist die Politik gefordert, pragmatisch zu steuern. Der Abriss der Windkraftanlagen ist dagegen als Wahnsinn, als mutwillige Vernichtung von Werten mit hohem volkswirtschaftlichen Nutzen abzulehnen. So wird die AfD die „Brandmauer“ zu den anderen Parteien nicht einreißen, sondern unüberwindbar machen.

Nun mag man einwenden, dass Weidel am Wochenende im Eifer des Gefechts einfach mal über die Stränge geschlagen hat, das passiert bei Parteitagsreden. Aber der gezielte Tabubruch gehört zur DNA der Partei.

Dass die AfD-Chefin hier auch noch das Eigentumsrecht des Grundgesetzes infrage stellt, macht die Sache nicht besser. Das Wortspiel mit der „Schande“, offensichtlich eine Anleihe bei ihrem rechtsextremen Parteifreund Björn Höcke, der das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit dem Begriff der „Schande“ in Verbindung gebracht hatte, entwertet Weidels Aussage zusätzlich.

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Erstpublikation: 13.01.2025, 14:49 Uhr.

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