Wochenend-NewsletterEndlich eine neue Steuer, die jeder gerne zahlt – das Handelsblatt-Wochenende

Das bringt eine Verpackungsabgabe, so dreht Mark Zuckerberg ab, das ist an Donald Trump nicht schlecht, und so verdienen Sie mit Ikea-Möbeln Geld: unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 24.01.2025 - 13:10 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich mit dem ICE in meinen Wohnort Tübingen fahre, erkenne ich die anderen Tübinger im Zug an zwei Dingen: Es sind die Menschen, die kurz hinter Mannheim schon Richtung Tür strömen, um den immer etwas zu knapp kalkulierten Anschlusszug in Stuttgart zu bekommen. Und es sind die, die immer irgendwann eine Mehrweg-Proviantbox und einen Pfandbecher auspacken. Mein zweieinhalbjähriger Sohn hat daraus ein kleines Spiel gemacht. Sieht er im Zug einen Menschen mit Brotbox, zeigt er drauf und fragt: „Papa, Tübinger?“ Meist liegt er richtig, was die Menschen immer leicht verwirrt.

Ich glaube, diese enge Verbindung des Tübingers zu seiner Mehrwegbox liegt in der Verpackungsteuer begründet. Denn anders als überall sonst in Deutschland zahlen die Tübinger seit einigen Jahren auf Einwegverpackungen 50 Cent Aufschlag.

Nun stehen Steuern seit einiger Zeit unter Generalverdacht, den Menschen zu gängeln und zu schröpfen. Ich habe aber das Gefühl: In Tübingen haben sie einen Lifestyle daraus gemacht. Beschwerden gibt es kaum. Seitdem die Steuer gilt, lässt sich die ganze Vielfalt des Mehrweggeschirrs im öffentlichen Raum beobachten: Bürobeschäftigte, die ihren Lunch auf Porzellantellern durch die Innenstadt tragen. Bäckereien, in denen sich Pfandbecher stapeln. Menschen, die ohne Plastikbrotbox nicht mehr aus dem Haus gehen. Nur der örtliche McDonald's wehrte sich, scheiterte aber in dieser Woche vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Steuer darf jetzt also jede Stadt in Deutschland einführen.

Ich frage mich, ob der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer da wirklich etwas Sinnvolles bewegt hat oder nur einen besonders perfiden Kniff gefunden hat, den Leuten neue Steuern schmackhaft zu machen. Würden wir andere Steuern auch mehr mögen, wenn sie einen ganzen Lifestyle begründen würden?

Vielleicht sollten Menschen, die eine Vermögensteuer zahlen, sich gegenseitig an besonders goldenen Protz-Uhren erkennen können. Man könnte eine Weinsteuer einführen, die sich an der Höhe des Alkoholgehalts orientiert – welcher feierwütige Selbstdarsteller würde dann nicht gern den höchsten Steuersatz zahlen? Auch eine Betrugssteuer scheint mir denkbar, deren Höhe sich am Ausmaß einer Lüge bemisst. Dann würde sicher auch noch Donald Trump stolz die Gebühr entrichten.

Und plötzlich könnten wir ein Land derer sein, die gerne Steuern zahlen. Ich habe nur eine Sorge, wenn sich die Idee ausbreitet: Dass mein Sohn sich ein neues Spiel für lange Zugfahrten überlegen muss.

Ich hoffe, Sie können Ihr Wochenende mit einer Mahlzeit aus dem Gefäß Ihrer Wahl genießen – vielleicht bei der Lektüre einiger unserer Leseempfehlungen.

Es grüßt Sie herzlich
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

Mark Zuckerberg: In den vergangenen Tagen kündigte der Facebook-CEO gleich mehrere tiefgreifende Veränderungen in seinem Konzern an. Foto: REUTERS

Der größte Bro aller Zeiten?

Ich war mir lange unsicher, wer der peinlichste Unternehmer der Welt ist. Seit zwei Wochen ist mir klar: Es ist Mark Zuckerberg. Nicht nur, dass der Meta-Gründer nie den Verdacht restlos zerstreuen konnte, seine ursprüngliche Geschäftsidee einfach geklaut zu haben. Er neigt auch zu einer verblüffenden Rückgratlosigkeit. Derzeit versucht er, sich als Buddy von US-Präsident Donald Trump in Stellung zu bringen, den er bislang immer bekämpft hatte – unter anderem, indem er eine neue Bro-Culture ausruft. Felix Holtermann zeichnet nach, was Zuckerberg wirklich treibt.

Kenneth Rogoff: Der Harvard-Ökonom warnt vor den Folgen der Schuldenpolitik. Foto: Imago (2), Dpa pa (2), Reuters

„In den USA herrschen oligarchische Zustände“

Zuckerberg ist damit auch Teil einer neuen Garde: Oligarchen, die nicht in Russland leben, sondern in den USA. Eindrucksvoll war das während der Amtseinführung Trumps am Montag zu beobachten: In der ersten Reihe saßen Elon Musk (Tesla), Jeff Bezos (Amazon), Sundar Pichai (Google) und Mark Zuckerberg (Meta). In der Reihe dahinter die künftigen Minister. Was diese Form der Machtballung mit einem Land macht, welche Gefahren Donald Trump bedeutet, aber auch, welche Chancen – das erklärt der US-Ökonom Ken Rogoff im Gespräch mit Jens Münchrath.

Julia Ebner: Rechtspopulisten arbeiten sehr strategisch mit Elementen der Popkultur, sagt die Anthropologin und Politikberaterin. Foto: Suhrkamp Verlag

„Rechtspopulisten sind Influencer“

Warum aber können diese Oligarchen so einflussreich werden? Und welche Sogwirkung geht von Donald Trump in Europa aus? Kaum jemand kennt sich so mit den Strategien rechtspopulistischer Gruppen aus wie die Österreicherin Julia Ebner. Lange forschte sie innerhalb dieser Gruppen. Meiner Kollegin Annika Keilen hat sie erzählt, warum die Bewegungen derzeit erfolgreich sind – und wieso auch krasseste Widersprüche und Fehler ihnen nicht schaden.

Alter Ikea-Katalog und Bett: Der Wert einer ganzen Reihe älterer Modelle der Billigmöbelkette ist stark gestiegen. Foto: Ikea, Studio Vinkat/Type Type Hype [M]

So verdienen Sie mit Ikea-Möbeln richtig Geld

Mein ältestes Ikea-Möbel-Stück fristet ein Dasein als Kellerregal. Womöglich habe ich es da dramatisch in seinen Möglichkeiten unterschätzt. Denn gerade einige ältere Modelle der Möbelmarktkette sind mittlerweile richtige Wertgegenstände. Meine Kollegin Anna Lauterjung ist in die Welt der Möbelsammler abgetaucht – und berichtet von Ikea-Modellen, deren Wert um mehr als 6000 Prozent gestiegen ist.

Jeremy Rifkin: Der Energieexperte geht davon aus, dass die Hydrosphäre die Erde gerade grundsätzlich verändert. Foto: Corbis Entertainment/Getty Images

„Folgt den Insekten“

Der Welt geht das Wasser aus. Man kann das derzeit in Los Angeles schaurig-eindrucksvoll beobachten. An anderen Orten ist der Wandel schleichend, aber nicht weniger dramatisch. Meine New Yorker Kollegin Katarina Kort hat sich deswegen mit dem Wissenschaftler Jeremy Rifkin zusammengesetzt – und diskutiert, wie die Menschheit einen Umgang mit dieser Folge des Klimawandels finden kann.

Ultraläuferin Jasmin Paris
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„Man arbeitet so lange zusammen, bis jemand nicht mehr mithalten kann“

Wenn Thorsten Firlus in unseren Teamrunden von seinen sportlichen Abenteuern erzählt, zweifele ich manchmal an ihm. Triathlon, Iron Man – ich denke, man muss verrückter sein, als Thorsten wirkt, um sich solche Dinge anzutun. Und dann stellt er mir Menschen vor, gegen die sein Treiben nahezu harmlos wirkt. Jasmin Paris ist so eine. Sie hat als erste Frau einen berüchtigten 60-Stunden-Lauf geschafft. Wie das geht, was man in einer solchen Lage über Menschen in Extremsituationen lernt und wieso Kooperation bis zu einem gewissen Punkt erfolgversprechender ist als Konkurrenz – das erzählt Thorsten hier.

Je personalisierter der Feed wird, desto schwerer können wir uns vom Smartphone lösen. Foto: Stone/Getty Images

Warum eigentlich scrollen wir bei Instagram und Tiktok immer weiter?

Wenn ich abends keine Lust zum Lesen habe, lande ich manchmal auf Social Media. Mir geht es danach nie besser, ich weiß das auch schon vorher – und dennoch verliere ich mich manchmal in den unzähligen Posts. Dass das nicht an mir liegt, sondern System hat – und was sich dagegen tun lässt? Christian Wermke erklärt es hier.

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Klar, Fehler gehören dazu. Haben wir in den vergangenen Jahren oft genug gehört. Dennoch gibt es in zu vielen Unternehmen noch immer zu viele Anreize, Fehler einfach zu vertuschen. Wie Sie offen zu Ihrem Scheitern stehen und dies ohne Konsequenzen einräumen können, beschreibt unsere Kolumnistin Nese Oktay-Gür hier.

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Achten Sie mal auf Ihren Darm

Da müssen wir nicht lange drumherum reden: Das Thema ist unangenehm. Aber deswegen nicht weniger verbreitet. Der Darm ist eines unserer wichtigsten Organe, bei den meisten von uns aber leidet er an Alltagsgewohnheiten. Das kann Folgen weit über den Darm hinaus haben. Wie Sie dieses faszinierende Organ richtig behandeln, erklärt Ihnen Dietrich Grönemeyer.

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