Deutschland: Kaltstart für den Kanzler – Für Merz geht es direkt um alles
- Friedrich Merz hat nur ein schwaches politisches Mandat. Dafür sind die Herausforderungen umso größer. Um sie zu bewältigen, muss er mit alten Überzeugungen brechen.
- Die USA sind dabei, sich aus ihrer Rolle als Schutzmacht Europas zu verabschieden. Kann sich Europa gegen Russland allein verteidigen? Die Antwort dazu, lesen Sie hier.
- Johann Wadepuhl gilt als wichtigster außenpolitischer Ratgeber des künftigen Kanzlers Merz. Wie er auf die Zukunft blickt und was er fordert, lesen Sie hier.
Berlin, Brüssel, Washington, Kiew, Düsseldorf. Sieht so ein Sieger aus? Im Augenblick seines Triumphs wirkt Friedrich Merz geradezu gehemmt: „Heute Abend feiern wir, und ab morgen früh wird gearbeitet“, ruft er seinen Parteifreunden im Adenauer-Haus zu.
Es ist Sonntagabend, gerade sind die ersten Wahlergebnisse eingetroffen, CDU und CSU sind mit Abstand stärkste Kraft. Ein Machtwechsel steht bevor. Merz wünscht sich „Rambo-Zambo“ in der Parteizentrale. Doch in den Jubel mischen sich schon erste Sorgen.
Friedrich Merz, der wahrscheinlich nächste Bundeskanzler, ein Mann von 69 Jahren, der nie Regierungsverantwortung getragen hat, übernimmt Deutschland in einer tiefen Krise, in einem Epochenbruch. Die Welt befindet sich in Aufruhr, das transatlantische Bündnis erodiert, in Europa herrscht ein Führungsvakuum, und in Deutschland schwindet die politische Mitte: In diesem Umfeld muss Merz schnellstmöglich eine Regierung bilden.
Steuersätze und Bürokratieentlastung, ursprünglich mal von der Union als Wahlkampfthemen geplant, rücken in den Hintergrund. Es geht jetzt um das große Ganze. „Die Wirklichkeit ist über das Land hereingebrochen“, so formuliert es Thomas Kleine-Brockhoff, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).