Volkswagen: Rheinmetall-Chef besucht VW-Werk in Osnabrück
Düsseldorf. Ein hochrangiger Besuch am Volkswagen-Standort Osnabrück sorgt für Aufsehen. Am Freitag war Rheinmetall-Chef Armin Papperger mit Vertretern von Volkswagen und der Trucktochter MAN zu Gesprächen in dem niedersächsischen Werk, wie eine VW-Sprecherin bestätigte. Dieser dürfte die Spekulationen um eine mögliche Umrüstung von ziviler auf militärische Produktion der Fabrik weiter befeuern.
Neben Vertretern von Rheinmetall sollen laut Unternehmenskreisen auch der MAN-Chef Alexander Vlaskamp sowie VW-Vorstand Gunnar Kilian dabei gewesen sein. Kilian ist auch für das Lkw-Geschäft im Konzern verantwortlich.
Die VW-Sprecherin bestätigte den Termin und erklärte, das Treffen stehe im Zusammenhang mit einem Joint-Venture zwischen MAN und Rheinmetall. Dabei seien „mögliche Potenziale“ einer weiteren Zusammenarbeit „ergebnisoffen diskutiert“ worden. „Konkrete Ableitungen für den Standort ergeben sich daraus nicht“, hieß es. Rheinmetall wollte sich nicht äußern. Zuerst hatte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ über den Besuch berichtet.
Joint-Venture fertigt militärische Logistikfahrzeuge
Bis 2027 wird in Osnabrück noch das Cabriomodell des Kompaktwagens T-Roc gefertigt. Danach ist die Zukunft des Standorts ungewiss.
Dass sich Rheinmetall und der VW-Konzern bereits in naher Zukunft einigen, gilt als unwahrscheinlich. Eher dürfte der jüngste Besuch ein weiterer Schritt für eine konkreten Prüfung sein, ob und wie der Standort umgewidmet werden könnte.
Rheinmetall-Chef Papperger hatte bereits in der Vergangenheit Interesse an einer Produktionsstätte für gepanzerte Fahrzeuge signalisiert – allerdings unter der Voraussetzung langfristiger Aufträge.
Das Joint-Venture Rheinmetall MAN Military Vehicles fertigt militärische Logistikfahrzeuge, die teilweise auch gepanzert sind. Ende Januar hatte die Bundeswehr 568 Fahrzeuge im Wert von 330 Millionen Euro bestellt.
Papperger und Volkswagen-Chef Oliver Blume sollen bezüglich des Werks in Osnabrück bereits seit Wochen im Austausch stehen, wie aus Unternehmenskreisen verlautet. Auch Rheinmetall-Mitarbeiter sollen bereits mehrfach vor Ort gewesen sein.
VW-Mitarbeitende in Osnabrück gelten als gut ausgebildet
Papperger hatte den Standort zuletzt explizit als „gut geeignet“ bezeichnet. Auch Blume hatte zuletzt gesagt, man sei offen für eine Zusammenarbeit und einen Austausch mit der Rüstungsindustrie.
Die Bundesregierung hat erst kürzlich eine Lockerung der Schuldenbremse beschlossen, wodurch höhere Investitionen in die Bundeswehr ermöglicht werden. Die Rüstungsindustrie dürfte daher Interesse haben, ihre Kapazitäten zu erweitern.
Auf der Bilanzpressekonferenz des Rüstungskonzerns Mitte März wies Rheinmetall-Chef Papperger auf wichtige Grundvoraussetzungen für eine mögliche Übernahme eines Autowerks hin. Demnach ist unter anderem die Traglast eines Daches entscheidend, um schweres Gerät innerhalb des Werkes transportieren zu können.
Die Mitarbeiter von VW in Osnabrück gelten als gut ausgebildet und haben eine Spezialisierung im Karosseriebau. Der Standort gehörte ehemals dem Unternehmen Karmann. Dieses betrieb Auftragsfertigung, insbesondere für Cabrios und Coupés.
Die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sieht den Besuch als Anerkennung der hohen Fachkompetenz der Belegschaft, mahnt jedoch eine nachhaltige Standortstrategie an. Man sollte „alternative wirtschaftliche Perspektiven“ entwickeln, „statt sich einseitig auf die Rüstungsindustrie zu konzentrieren“, sagte Stephan Soldanski, IG-Metall-Bevollmächtigter vor Ort.
Der Betriebsratsvorsitzende des Standorts, Jürgen Placke, fordert vor allem Planungssicherheit für die rund 2300 Beschäftigten: „Die Kolleginnen und Kollegen haben bewiesen, dass sie Wandel aktiv mitgestalten können. Wir erwarten von Volkswagen ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Standorts – über 2027 hinaus.“