Wochenend-NewsletterDer eine Weg, Donald Trump ins Leere laufen zu lassen – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Warum es Deutschlands Milliardären an Liquidität mangelt, eine ungewöhnliche Form des Immobilienschnäppchens und wie Sie Google und Co. ein Schnippchen schlagen. Unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 04.04.2025 - 13:26 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt aus den letzten Wochen zwei Dinge, die ich dramatisch unterschätzt habe: die Zerstörungskraft von Donald Trump. Und die Brisanz von Kinderfahrradmarken. Lassen Sie uns mit dem dramatischeren Thema einsteigen.

Bei Kinderfahrrädern ist es nämlich so: Wer ein Laufrad oder erstes Fahrrad suchte, griff über Jahre zu Modellen der deutschen Firma Puky. Stabiler Rahmen aus Stahl, fröhliche Farben und ein akzeptabler Preis. Also schafften auch wir ein Zweirad der Marke an.

Nun teilt sich unser Zweijähriger einen Hof zum Spielen mit einem anderen Zweijährigen. Und der kam nach einigen Wochen ebenfalls mit einem Laufrad um die Ecke. Es war etwas kleiner, deutlich leichter und sah nicht nur schnittiger aus, sondern hatte auch eine Handbremse. Es handelte sich um ein Woom.

Wenn ich mich umschaue, stelle ich fest: Alle Kinder außer unserem Sohn fahren Woom. Was angesichts von Preisen jenseits der 500 Euro einigermaßen erstaunlich ist. Warum Menschen so viel Geld für die Mini-Räder aus Wien bezahlen, lernte ich schnell: Seitdem unser Sohn den Bonzen-Flitzer seines Freundes sah, interessierte ihn sein Puky kaum noch. Mit fuchtelnden Fäustchen und gellendem Geschrei klärten die beiden Stöpsel, wer Woom fahren darf und wer Puky fahren muss.

Also ermöglichten wir, dass auch unser Sohn ein Woom fahren kann. Mit dem Ergebnis, dass sich die beiden Zwerge seitdem darum streiten, wer das alte Puky fahren darf.

Ich denke, man kann daraus auch etwas über den Umgang mit Donald Trump lernen. Der glaubt ja auch, mit lauter Pukys (schlechter Handelsbilanz, kein Grönland) abgespeist zu werden, während der Rest der Welt Woom fahre (Reichtümer auf Kosten der USA anhäuft, schicke Inseln in der Arktis oder Wasserstraßen in den Tropen besitzt).

Vielleicht müsste man ihm einfach mal einige Tag analog zum Woom unseres Sohnes die Verwirklichung seiner Sehnsüchte probeweise ermöglichen - „schöne Zölle“, die dann leider das Leben der Amerikaner verteuern, ein bisschen Zeit auf Grönland im ewigen Eis – und die Begeisterung würde schnell nachlassen.

Den Eindruck jedenfalls, dass er nach einer anderen Logik als Zweijährige reagiert, hatte ich bisher nicht.

Ich hoffe, Sie erfreuen sich an unseren Leseempfehlungen, und wünsche Ihnen ein gutes Wochenende.

Herzlich
Ihr
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

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