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Handelskrieg104 Prozent US-Zölle gegen China treten in Kraft

China hat das von den USA gesetzte Ultimatum im Zollstreit verstreichen lassen. Die Volksrepublik sieht sich gewappnet und stützt die Märkte. Auch für Europa gelten nun neue Abgaben.Martin Benninghoff 09.04.2025 - 11:44 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Container von China Shipping stapeln sich im Long Beach Container-Terminal: Seit Mittwoch erheben die USA Sonderzölle von 104 Prozent auf chinesische Importe. Foto: Damian Dovarganes/AP/dpa

Shanghai. Am heutigen Mittwochmorgen um sechs Uhr deutscher Zeit (Mitternacht in New York, Mittag in Shanghai) sind die neuen US-Sonderzölle gegen China in Kraft getreten. Die Vereinigten Staaten erhöhen diese ab diesem Zeitpunkt um weitere 50 Prozent. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump verhängt damit zusätzliche Zölle gegen China von insgesamt 104 Prozent.

Dies ist eine neue Eskalationsstufe, nachdem die USA zunächst zusätzliche Zölle in Höhe von 34 Prozent angekündigt hatten. Die Sonderzölle gegen weitere Handelspartner sind am Mittwochmorgen ebenfalls in Kraft getreten. Je nach Land betragen sie zehn bis 50 Prozent. Für die Europäische Union gilt nun ein zusätzlicher Satz von 20 Prozent.

China hatte zuvor eine von den USA gesetzte Frist zur Rücknahme der Gegenzölle verstreichen lassen. Die chinesische Regierung bezeichnete das Ultimatum am Dienstag als „Erpressung“ und kündigte an, den Zollstreit mit den USA „bis zum bitteren Ende“ ausfechten zu wollen. In einem aktuellen Weißbuch, das dem Handelsblatt vorliegt, erklärt die chinesische Regierung, sie wolle keinen Handelskrieg, werde sich aber zur Wehr setzen. „Handelskriege bringen keine Gewinner hervor und Protektionismus führt in eine Sackgasse“, heißt es dort weiter.

Die Zurückhaltung ist vorbei

Nachdem China Gegenzölle ebenfalls in Höhe von 34 Prozent angekündigt hatte, reagierte Trump mit Vergeltungsmaßnahmen, die China nun zum Hauptangriffsziel in diesem Streit machen. Die Kritik an den Maßnahmen der US-Regierung wird in den USA indes immer lauter.

Trump behauptete am Dienstag bei einer Veranstaltung im Weißen Haus, dass die USA durch die Zölle insgesamt täglich zwei Milliarden Dollar einnähmen. Näher ging er auf diese Zahl allerdings nicht ein, zumal völlig unklar ist, welche Verluste die Zölle bringen. Etwa für amerikanische Verbraucher, die künftig Preisaufschläge auf chinesische Importe zu verkraften haben, sofern die Produkte noch ins Land kommen.

Kommentar

Eine Abkopplung von den USA ist für die Chinesen keine Option

Martin Benninghoff

China sucht derweil den Kontakt zur EU und ihrem großen Binnenmarkt, der für chinesische Exporte attraktiv ist. Am Dienstag hatte Chinas Premierminister Li Qiang, als Nummer zwei in der Staatshierarchie für Wirtschaftsfragen zuständig, mit Ursula von der Leyen telefoniert. Die EU-Kommissionspräsidentin forderte China auf, eine Verhandlungslösung mit den USA anzustreben. Die EU befürchtet, dass China Billigexporte aus den USA nach Europa umleitet – und bereitet ihrerseits Schutzmaßnahmen vor.

Nach US-Angaben haben sich fast 70 Staaten um Verhandlungen mit dem US-Präsidialamt bemüht. Die Volksrepublik gehört – soweit bekannt – bislang nicht dazu. Die Asien-Volkswirtin der französischen Bank Natixis, Alicia Garcia Herrero, sagte dem Handelsblatt am Dienstag, es liege ein „Gefühl von Abkopplung“ in der Luft.

Rhetorische Verschärfung im Zollstreit

Auch rhetorisch hat sich der Zollstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften inzwischen verschärft. Die chinesische Staatspropagandazeitung „Global Times“ schrieb am Mittwoch, es gehe nicht um eine „Deglobalisierung“, sondern um eine „Entamerikanisierung“ der Welt, die Trump vorantreibe. China präsentiere sich hingegen als verlässlicher Partner.

US-Präsident Trump warf China dagegen bei einer Veranstaltung vor, seine Währung zu manipulieren und damit anderen Staaten zu schaden: „Das muss man ihnen lassen. Sie manipulieren heute ihre Währung, um die Zölle auszugleichen.“

Handelskonflikt

„Peking stellt sich auf Wirtschaftskrieg der Zermürbung ein“: Zollstreit zwischen China und den USA eskaliert

Die chinesische Zentralbank hält den Yuan niedrig, um die Exporte anzukurbeln. Die People’s Bank of China setzte den täglichen Referenzkurs des Yuans am Mittwoch auf 7,2066 pro US-Dollar fest und schwächte ihn damit zum fünften Mal in Folge. Premierminister Li sagte, Peking sei zuversichtlich, das „gesunde und nachhaltige Wachstum“ des Landes aufrechterhalten zu können.

Für das laufende Jahr hat sich die chinesische Regierung ein Wachstumsziel von „rund fünf Prozent“ gesetzt. Dabei setzt die Volksrepublik auf alte und neue Partner sowie auf die eigene Widerstandskraft durch den großen Binnenmarkt und den Binnenkonsum der Chinesen. Doch der war zuletzt schwach, China kämpft mit deflationären Tendenzen und einer ungelösten Immobilienkrise.

Peking stützt vor allem die Festlandbörsen

Nach dem Absturz der Börsen in China und Hongkong am Montag kündigte die Staatsführung mehrere Maßnahmen zur Stützung der Märkte an. So stocken staatliche chinesische Kapitalgesellschaften wie die Central Huijin Investment Company, eine Art Stabilisierungsfonds, ihre Portfolios mit Aktien auf, die an den chinesischen Festlandbörsen gehandelt werden. Der staatliche Ölkonzern China National Petroleum kündigte am Dienstag an, in den kommenden zwölf Monaten A- und H-Aktien im Wert von 5,6 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 777 Millionen US-Dollar, zu kaufen.

A-Aktien sind Aktien chinesischer Unternehmen, die an den Festlandbörsen gehandelt werden, die wichtigsten sind Shanghai und Shenzhen. H-Shares sind Aktien chinesischer Unternehmen, die in der formal autonom regierten Sonderverwaltungszone Hongkong notiert sind. Die Stadt ist faktisch von der Regierungspolitik Pekings abhängig.

Pekinger Börse: Nach dem Kursabsturz am Montag kündigte die chinesische Staatsführung mehrere Maßnahmen zur Stützung der Märkte an. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa
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Experten gehen jedoch davon aus, dass Chinas Führung vor allem die Festlandbörsen stützen könnte. So bezeichnete die Bank BNP Paribas in einer Analyse vom Dienstag den Index CSI 300, der die wichtigsten Aktien in Shanghai und Shenzhen abbildet, als „widerstandsfähiger“ als die Hongkonger Titel.

Die chinesischen Börsen blieben bis zum Mittag Ortszeit ruhig und gaben nur wenig nach – der Hongkonger Index allerdings stärker als die Festlandwerte. Dies könnte die Ruhe vor dem Sturm sein, wenn Trumps neue Zollpolitik ab heute Mittag die Realwirtschaft erreicht.

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