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RüstungsindustrieAmerikas Traum vom modernsten Militär der Welt

US-Präsident Donald Trump will den Militärhaushalt erstmals auf mehr als eine Billion Dollar aufstocken. Besonders eine Branche erhofft sich davon gute Geschäfte.Philipp Alvares de Souza Soares, Annett Meiritz 09.05.2025 - 12:00 Uhr Artikel anhören
US-Präsident Donald Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth: Militärische Schlagkraft erhöhen. Foto: AFP

San Francisco, Los Angeles, Washington. In einem Industriegebiet im Süden von Los Angeles führt Andy Lowery stolz durch die Büros und Labore seines Start-ups Epirus. Der Firmenchef, ein Ingenieur für Nukleartechnik, war einst beim Militär, diente im Rang des Lieutenant Commanders bei der Navy. Heute lässt er modernste Hochfrequenzwaffen entwickeln, die mit gezielten Strahlen elektronische Systeme lahmlegen können. Es fühle sich manchmal so an, als wenn „das Universum diese Firma für mich gebaut hat“, sagt er.

Die Systeme mit dem Namen Leonidas können Drohnen vom Himmel holen und Boote manövrierunfähig machen. Sie geben lautlose Schüsse ab, die für Elektrotechnik wie eine Pause-Taste funktionieren, sie aber nicht zerstören. Bisher werden Drohnen in der Regel mit konventionellen Waffen bekämpft – ein aufwendiges und kostspieliges Verfahren, insbesondere bei Angriffen durch ganze Schwärme. Vier Leonidas-Kanonen nutzt die US Army bereits im Rahmen eines Tests.

Dabei soll es nicht bleiben: Lowery lässt in Oklahoma eine neue Fabrik bauen, um die Produktion deutlich auszuweiten. „Wir leben in spannenden Zeiten“, sagt der CEO. Das nötige Kapital hat er im Frühjahr bei Investoren eingesammelt. Auch am sogenannten „Golden Dome“-Projekt, das den Bau eines modernen, großflächigen Raketenabwehrschirms über den USA vorsieht, könnte Epirus beteiligt werden.

Unternehmen wie Epirus profitieren von einem Rüstungsboom in den USA, der unter der Präsidentschaft von Donald Trump das US-Militär von Grund auf modernisieren soll. „Das ist seit mindestens zehn Jahren überfällig“, sagt ein führender Verteidigungslobbyist in Washington, der sich seit Trumps Amtsantritt verstärkt um die Schnittstelle Hightech und Rüstungsindustrie kümmert.

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Eigentlich erfüllen die USA alle Voraussetzungen, um die fortschrittlichste Abwehr der Welt zu stellen – zumindest in der Theorie. Dennoch fürchtet man in Washington, dass China den USA in puncto militärischer Schlagkraft und technologischer Zukunftsfähigkeit den Rang ablaufen könnte.

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Zwar haben die USA mit 37 Prozent der weltweiten Militärausgaben das mit Abstand größte Verteidigungsbudget der Welt. Erst am Freitag hatte Trump einen Haushaltsentwurf vorgelegt, der eine Steigerung um 13 Prozent vorsieht. Damit könnte der Verteidigungsetat erstmals die Schwelle von einer Billion US-Dollar überschreiten. Der Entwurf ist nicht bindend, der Kongress muss noch darüber verhandeln, aber die Zahlen zeigen, wo Trumps Prioritäten liegen. Zuvor hatte Trump bekannt gegeben, dass Boeing den Auftrag für ein US-Kampfflugzeug der nächsten Generation, den F-47 Fighter, erhalten habe.

Das Problem ist nach Ansicht des Verteidigungsexperten jedoch, dass hohe Militärausgaben allein nicht ausreichen. Die US-Rüstungsindustrie, die Marktführer wie Lockheed Martin, RTX (früher Raytheon Technologies), Boeing oder Northrop Grumman hervorgebracht hat, gleiche mittlerweile einem trägen Koloss. „Im Moment ist es sehr schwierig für jemanden, der ein Tech-Start-up hat, mit der Verteidigungsbürokratie zusammenzuarbeiten“, erklärt der Lobbyist und Insider.

Das liege an langen Genehmigungsverfahren, am Festhalten an Fünfjahresplänen und an einer Mentalität, die im Unterschied zur Privatwirtschaft nur ungern Risiken eingehe. „Ein Einkäufer im Pentagon setzt auf Altbewährtes. Wenn er bestellt, was schon immer funktioniert hat, kann er pünktlich um 17 Uhr nach Hause gehen, wird irgendwann befördert, geht sicher in die Rente“, so der Insider. Neues auszuprobieren – in dem Wissen, dass solche Projekte auch scheitern könnten –, sei kaum erwünscht.

US-Soldat an einem Flughafen: Hohe Investitionen ins US-Militär geplant. Foto: dpa

Das System erinnere an das US-Weltraumprogramm, in dem sich Konzerne wie Boeing mit lukrativen Verträgen eingerichtet hätten – weitgehend ohne eigenes Risiko. Erst als Elon Musks SpaceX mit unkonventionellen Methoden und Kampfpreisen auf den Plan trat, geriet das eingefahrene System ins Wanken.

Zumindest nach außen hin signalisiert die Trump-Regierung nun einen Kulturwandel, was man an diesen drei aktuellen Entwicklungen sieht:

1. Umverteilung: Ein 50-Milliarden-Dollar-Umverteilungsplan soll Mittel aus nicht verteidigungsrelevanten Bereichen in die Modernisierung von Nuklearwaffen, Raketenabwehr, Drohnentechnologie, autonome Waffen und Cybersicherheit umleiten. „Wir wollen fit sein, nicht fett“, sagte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in einem Kabinettsmeeting.

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2. Neue Art der Beschaffung: Das Pentagon kann über die Other Transactions Authority (OTA) flexible Verträge außerhalb des klassischen Vergaberechts abschließen. Unter Trump soll diese Befugnis stärker genutzt werden, am 9. April erließ er ein entsprechendes Dekret. Ziel ist es, „State of the Art“-Fähigkeiten „schnell und umfassend“ bereitzustellen. Dan Caine, der neue Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs und selbst lange Zeit in der Privatwirtschaft tätig, betonte in einer Anhörung vor dem Senat die Fülle innovativer Lösungen im kommerziellen Sektor und die Notwendigkeit, diese besser zu nutzen. Caine forderte „mehr amerikanischen Unternehmergeist“ im Pentagon.

3. Anwerben von Tech-Talenten: Trump erwägt Berichten zufolge, den Chief Technology Officer von Palantir, Shyam Sankar, für einen hochrangigen Posten im Pentagon zu berufen, wo er die Forschung und Entwicklung leiten soll. Wenige Tage vor der US-Wahl veröffentlichte Sankar eine Erklärung, in der er eine „Reform“ des Vergabeverfahrens des Verteidigungsministeriums forderte. Ohne private Unternehmen würden die USA den Wettbewerb um die geopolitische Vorherrschaft verlieren, warnte er an anderer Stelle.

Bei den Start-ups und Tech-Konzernen an der US-Westküste sorgt der neue Ton im Pentagon für eine regelrechte Euphorie. Die Öffnung etwa für Start-ups habe zwar schon unter der Vorgängerregierung begonnen, erzählt der Epirus-CEO Lowery. Doch nun sei in Washington ein ganz anderes Tempo möglich. „Das sind Cowboys“, lobte er, „die aggressiv vorangehen“.

Dies ist das Jahrhundert der Software. Und wir wollen den ganzen Markt an uns reißen.
Alex Karp
Chef und Co-Gründer von Palantir

Das Silicon Valley, das nach dem Zweiten Weltkrieg dank Milliardenzusagen von Militär und Nasa zum führenden Technologiehub der USA aufstieg, hofft nun auf eine Rückkehr zu den einst so erfolgreichen Zeiten. „Dies ist das Jahrhundert der Software. Und wir wollen den ganzen Markt an uns reißen“, kündigte Alex Karp, Chef und Co-Gründer von Palantir, bereits am Wahlabend an.

Das Datenanalyseunternehmen gehört zu den größten Profiteuren der von US-Vizepräsident J. D. Vance vorangetriebenen Kooperation  zwischen Tech-Unternehmen und Militär. In den letzten Monaten sicherte sich Karp gleich mehrere Aufträge mit einem Volumen von jeweils dreistelligen Millionenbeträgen. Gleichzeitig wechselten Mitarbeiter von Karp in Schlüsselpositionen in State Department und Pentagon.

Palantir-Chef Alex Karp: Mehrere Aufträge mit einem Volumen von jeweils dreistelligen Millionenbeträgen gesichert. Foto: Getty Images

Interessant ist, wie eng die Unternehmen zum Teil miteinander verflochten sind. Der Investor Joe Lonsdale, wie Vance ein Protegé des Trump-Unterstützers Peter Thiel, ist etwa an Palantir, Epirus und Anduril beteiligt. Anduril ist ein weiteres aufstrebendes Militär-Start-up von der Westküste. Gründer Palmer Luckey wurde bekannt, als er 2014 sein Virtual-Reality-Start-up Oculus an Facebook verkaufte.

In Shorts und Flip-Flops war er einst ein Idol vieler Gamer. Heute fordert er Technologieunternehmen auf, sich stärker in den Dienst der nationalen Sicherheit zu stellen – und sichert sich mit Anduril einen Regierungsauftrag nach dem anderen. Das Unternehmen hat etwa Überwachungskamerasysteme und Drohnen entwickelt.

Der „Golden Dome“ könnte bei der neuen Verzahnung zwischen Hightech und Rüstung eine Schlüsselrolle spielen. Noch existiert das Modell für den Raketenabwehrschirm nur in der Theorie, aber in den auf Sicherheitspolitik spezialisierten Denkfabriken und auf den Fluren des US-Kongresses ist der „Golden Dome“ eines der wichtigsten Themen. „Dieser Golden Dome wird amerikanische Leben retten“, sagte der republikanische Senator Dan Sullivan.

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Bisher befindet sich das Zentrum der amerikanischen Raketenabwehr im US-Bundesstaat Alaska: Dort, genauer gesagt in Fort Greely, ist das 49th Missile Defense Battalion der US-Armee stationiert. Ein kleines Team von etwa 300 Soldaten soll 380 Millionen Amerikaner vor Angriffen mit interkontinentalen ballistischen Raketen schützen.

Was kann der „Golden Dome“?

Der futuristische Raketenabwehrschild, den Trump bauen lassen will, wäre weitaus komplexer als das heutige Abwehrsystem und müsste eine Fläche abdecken, die rund 400-mal so groß ist wie die des israelischen Vorbilds „Iron Dome“. Russland und China verfügen über leistungsstarke Interkontinentalraketen, die in den Weltraum aufsteigen und mit Überschallgeschwindigkeit zur Erde zurückkehren. Um diese Raketen rechtzeitig abfangen zu können, soll der „Golden Dome“ Weltraumtechnologie einsetzen.

Die Idee ist, bis zu 16.000 Satelliten im Orbit zu haben, die Raketen schon beim Start erkennen und sie dann zu Beginn ihres Fluges abschießen können. Rund 7000 Satelliten wurden bereits von Elon Musks Starlink in die Umlaufbahn gebracht. Musk dementiert bislang, dass es eine Partnerschaft zwischen Starlink, Palantir, Anduril und dem „Golden Dome“ geben könnte. Fest steht jedoch, dass der Abwehrschirm zu Trumps größten Prestigeprojekten gehört und neue Tech-Kooperationen hervorbringen wird.

Andere Faktoren könnten den Modernisierungsdrang im Militär jedoch bremsen. Trump intensiviert Militäreinsätze im Inland, etwa zur Drogenbekämpfung und Grenzsicherung, was zwangsläufig Ressourcen bindet. Gleichzeitig nehmen die Konflikte weltweit zu. Die USA führen Luftangriffe gegen die Huthis im Nahen Osten durch, unterstützen die israelische Verteidigung gegen die Hamas, die Ukraine im russischen Angriffskrieg und verstärken die Verteidigung im Südchinesischen Meer.

Auch der „Signalgate“-Skandal und die jüngsten Umbesetzungen im Nationalen Sicherheitsrat haben die sicherheitspolitische Führung erschüttert. Im März war offenbar versehentlich ein Journalist in eine Signal-Chat-Gruppe mit anderen hochrangigen Politikern eingeladen worden. Der Vorfall wurde als „Signalgate“ bekannt. In dem privaten Thread wurden Details einer bevorstehenden US-Bombardierung im Jemen beschrieben.

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Grundsätzlich, so betonen die Experten, seien die USA auf dem richtigen Weg, in moderne Kriegsführung zu investieren. Gleichzeitig sehen sie aber die Gefahr, dass die traditionelle Verteidigung mit „Stahl, Granaten und Panzern“ vernachlässigt wird. „Die USA sind nicht in der Lage, einen Krieg zu führen“, schrieben die Rüstungsexperten Mackenzie Eaglen und Brady Africk von der konservativen Denkfabrik American Enterprise Institute diese Woche in einer kritischen Analyse.

Streitkräfte, Schiffe, Kampfflugzeuge, Munitionsbestände würden „immer kleiner und älter“ und seien „für kurze, scharfe und intensive Konflikte“ ausgelegt – nicht aber für den schlimmsten Fall, einen Großangriff. Die USA würden sich auf „hochtechnisierte, aber fragile Streitkräfte“ verlassen. In einem etwaigen Konflikt mit China, so die Experten, würden den USA „einige wichtige Waffen wie seegestützte Langstreckenraketen innerhalb einer Woche ausgehen“.

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