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EnergieGrüne Start-ups sammeln Rekordsumme ein

Trotz der schlechten Wirtschaftslage gelingt es nachhaltigen Unternehmen, das Interesse von Investoren zu steigern. Warum der Standort Europa besonders profitiert.Kathrin Witsch 04.06.2025 - 14:18 Uhr Artikel anhören
CO2-Speicherung in Norwegen: Das Interesse an der Technologie wächst rapide. Foto: Ilja C. Hendel/laif

Düsseldorf. 12,3 Milliarden US-Dollar haben Risikokapitalgeber im vergangenen Jahr weltweit in Greentech investiert. Damit sammelten grüne Start-ups 2024 so hohe Investorengelder ein wie nie zuvor, so das Ergebnis des neuen Clean-Energy-Start-up-Monitors der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Die Zahlen liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

Besonders auffällig diesmal: Die meisten Gelder flossen in die USA und nach Europa. In Asien gingen die Investitionen hingegen zurück.

„Investoren schätzen es zunehmend, dass die EU mit ihren klaren, rechtsverbindlichen Dekarbonisierungszielen einen stabilen rechtlichen Rahmen für Cleantech bietet“, sagt Christian Bauer, Vorstandsmitglied des europäischen Investmentfonds Innoenergy. Hinzu komme „die starke Innovationskraft unserer Industrie, von Großunternehmen bis Start-ups“.

Außerdem wurden deutliche Fortschritte mit Künstlicher Intelligenz und deren Anwendung im Bereich Energie und Klima erzielt, glaubt Jan Lozek, Mitgründer des Klimatech-Fonds Future Energy Ventures. „Damit haben sich auch wachstumsstarke Möglichkeiten für technikaffine Investoren ergeben.“

Investitionen in die Greentech-Szene sind laut dem Start-up-Monitor mehr als doppelt so stark gewachsen wie die in andere Sektoren. Das liegt vor allem an zwei Bereichen – Atomkraft und der Speicherung von CO2.

Small Modular Reactors (SMRs): Sie versprechen weniger nuklearen Abfall, mehr Sicherheit und günstigere Energiepreise – immer mehr Länder und Unternehmen setzen auf die Mini-Atomkraftwerke. Die kleinen modularen Reaktoren (auf Englisch: Small Nuclear Reactors, SMRs) sind die neue Hoffnung der Energiewelt.

Installation eines SMR-Reaktors im chinesischen Changjiang: Immer mehr Länder setzen die Technologie im Kampf gegen den Klimawandel ein. Foto: China News Service/Getty Images

Allein das Start-up X-Energy aus den USA konnte im vergangenen Jahr 700 Millionen Dollar einsammeln. Insgesamt flossen 2,4 Milliarden Dollar in den Sektor (inklusive Fusion). Das ist zwölfmal so viel wie noch ein Jahr zuvor.

Das liegt auch daran, dass immer mehr Länder ihre Hoffnungen in die Mini-Reaktoren setzen – und auch Donald Trump. Gleich vier Verordnungen hat der US-Präsident vor anderthalb Wochen unterzeichnet, um den Ausbau von Kernkraftwerken voranzutreiben. Das erklärte Ziel: die Kapazität bis zum Jahr 2050 mithilfe von SMRs von 100 auf 400 Gigawatt zu vervierfachen. Auch Frankreich, die Niederlande, Polen, Ungarn und Tschechien haben große Pläne mit den kleinen Meilern.

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Technologisch orientieren sich viele SMRs am Prinzip klassischer Druckwasserreaktoren, allerdings in verkleinerter Form. Die kompaktere Bauweise soll schnellere Genehmigungen und niedrigere Baukosten ermöglichen – ein Ansatz, auf den unter anderem der britische Konzern Rolls-Royce Power sowie das US-Unternehmen Nuscale setzen.

Einen anderen Weg verfolgt das deutsch-kanadische Start-up Dual Fluid: Es will einen Reaktor mit flüssigem Blei als Kühlmittel zur Marktreife bringen.

SMRs kämpfen allerdings weltweit gegen ökonomische und technische Herausforderungen. Ein Projekt von Nuscale wurde in den USA wegen ausufernder Kosten schon wieder ausgesetzt. Weltweit sind aktuell zwei Pilotprojekte in China und Russland am Netz.

Fusionsenergie: Zwischen 2021 und 2024 sind die Investitionen in Fusionsunternehmen global um 300 Prozent gewachsen, staatliche Gelder für Forschungseinrichtungen nicht mit eingerechnet. 7,5 Milliarden Dollar haben Start-ups in den vergangenen Jahren eingesammelt, allein Pacific Fusion aus den USA erhielt 900 Millionen.

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Für Klima, Energiepreise und Versorgungssicherheit wäre ein Durchbruch in der Kernfusion von großem Vorteil. Schließlich verspricht die Technologie dauerhaft verfügbare saubere Energie mit einem Bruchteil des radioaktiven Mülls, den die Kernspaltung verursacht. Das Risiko einer Kernschmelze entfällt ebenfalls. Weltweit wird an verschiedenen Konzepten geforscht.

Vier der etwa 45 Fusionsunternehmen sitzen in Deutschland: Proxima, Marvel Fusion, Gauss und Focused Energy. Erst im September holte Marvel Fusion fast 63 Millionen Euro herein. Unter den Investoren ist diesmal auch die Deutsche Telekom.

Kernfusion: Die Investitionen in diese Technologie sind sprunghaft gestiegen. Foto: Moment/Getty Images

Carbon Capture and Storage (CCS): Den größten Sprung bei Investoren machte im vergangenen Jahr alles rund um die Abscheidung und Speicherung von CO2, kurz: CCS. 700 Millionen Dollar flossen weltweit in Start-ups, die sich mit dem Thema beschäftigen. Das ist ein Anstieg von fast 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Schon vor Jahren wiesen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Weltklimarats darauf hin, dass die Vermeidung von Emissionen allein nicht ausreiche. Es brauche zusätzliche Technologien wie CCS. Damit wird das entstandene CO2 direkt im industriellen Prozess abgespalten und unterirdisch gespeichert. Möglich ist auch die zusätzliche Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre.

So versuchen einige Unternehmen wie Climeworks, Kohlendioxid mit riesigen Filtern aus der Luft zu gewinnen. Andere setzen auf den Einsatz von Pflanzenkohle. Beim Verbrennen sonst unverwertbarer Reste von Holz und Biomasse wird CO2 gebunden, das nur über Hunderte von Jahren zersetzt werden kann.

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CCS könnte noch mehr Investorengelder anziehen, wenn jetzt auch die neue deutsche Regierung ihre Pläne umsetzen würde. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bereits angekündigt, dass CCS auch hierzulande so schnell wie möglich erlaubt werden soll.

Kohlendioxidspeicherung in Hellisheidi, Island: Das Interesse der Investoren wächst. Foto: Bloomberg/Getty Images

Streit herrscht allerdings noch in der Frage, wer die Technologie nutzen darf. Während CDU und CSU sogar die Abscheidung und Speicherung von CO2 an Kohlekraftwerken freigeben wollen, sieht die SPD den Fall kritisch. CCS solle nur für schwer vermeidbare Emissionen und Gaskraftwerke möglich sein.

Die CCS-Technologie steht allerdings noch am Anfang. Bislang gibt es weltweit nur einige wenige Beispiele für eine funktionierende CO2-Speicherung. Außerdem bräuchte es dafür auch eine passende Transportinfrastruktur über Pipelines in vielen Teilen des Landes.

Weniger Geld für Batterien

Nicht so gut lief es im vergangenen Jahr dagegen für Batterie-Start-ups und Speicherlösungen. Zwar wurden immer noch 3,3 Milliarden Dollar in dem Sektor investiert und damit deutlich mehr als in Nukleartechnik und CCS zusammen. Doch gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichneten die Batterien einen Rückgang von knapp 40 Prozent.

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Die Autoren des Start-up-Monitors führen das vor allem darauf zurück, dass es vielen Jungunternehmen bisher noch nicht gelungen ist, ein profitables Geschäftsmodell aufzubauen. Bestes Beispiel dafür dürfte der schwedische Batteriezellenproduzent Northvolt sein. Der einstige Hoffnungsträger musste Insolvenz anmelden. Seit zwei Wochen steht die Produktion in Skelleftea still.

Investitionen in Großspeicher für das Stromnetz dürften dagegen in diesem Jahr wieder deutlich zunehmen, heißt es im Start-up-Monitor: In Deutschland erlebt die Branche gerade einen nie da gewesenen Boom.

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