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AsienStreit mit Trump führt Indien und China wieder näher zusammen

Chinas Außenminister besucht Neu-Delhi, Indiens Premier Modi besucht China: Die zerstrittenen Supermächte reden wieder miteinander – und wollen kooperieren. Den Anlass dazu liefern die USA.Mathias Peer 18.08.2025 - 16:38 Uhr Artikel anhören
Proteste gegen Trumps Zölle gegen Indien in Kalkutta: Die Wut auf die USA lässt das Land wieder Kontakt zu China suchen. Foto: AFP

Bangkok. Ein Grenzstreit im Himalaja-Gebirge hat Indien und China jahrelang entzweit. Doch nun haben beide Länder eine Gemeinsamkeit gefunden: ihren Konflikt mit Donald Trump. Und seit der Ankündigung des US-Präsidenten, Indien wegen seiner Ölgeschäfte mit Russland mit Strafzöllen zu belegen, nähern sich die bevölkerungsreichsten Länder der Welt einander an.

Die Regierungen in Neu-Delhi und Peking arbeiten Medienberichten zufolge an einem Neustart der Handelsaktivitäten in den Grenzgemeinden. Sie stellen zudem die Wiedereinsetzung von Direktflügen in Aussicht, wozu es offenbar bereits im September kommen könnte.

Außerdem wurde bekannt, dass Indiens Regierungschef Narendra Modi noch in diesem Monat nach China reisen wird – zum Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Tianjin. Es wird Modis erste China-Reise seit sieben Jahren. Chinas Außenminister Wang Yi wiederum traf am Montag zu Gesprächen in Neu-Delhi ein – für ihn ist es der erste Besuch im Nachbarland seit drei Jahren.

Zum Start von Wangs zweitägiger Indienreise, bei der unter anderem ein Treffen mit Modi auf dem Programm steht, teilte das Außenministerium in Peking mit, China sei bereit, „die Kommunikation mit Indien mit positiver Einstellung fortzusetzen“.

Das Verhältnis der beiden Länder, die zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung beheimaten, war nach tödlichen Zusammenstößen von Soldaten an ihrer umstrittenen Grenze im Jahr 2020 schwer belastet.

Indien verliert Vertrauen in die USA

Indien verhängte ein Verbot von chinesischen Apps wie Tiktok und Wechat und stellte Investitionen chinesischer Konzerne vor vielfach unüberwindbare Hürden. Daran scheiterte unter anderem eine geplante Milliardeninvestition des chinesischen E-Auto-Herstellers BYD in Indien.

Xi Jinping (re.), Narendra Modi im Oktober 2024 in Kazan in Russland: Vorsichtige Annäherung. Foto: VIA REUTERS

Erst im vergangenen Jahr kam es bei einem Treffen von Modi und Chinas Präsidenten Xi Jinping am Rande des BRICS-Gipfels in Russland zu vorsichtigen Entspannungssignalen.

Der in den vergangenen Wochen ausgebrochene Handelskonflikt mit den USA macht für Indien nun deutlich, wie wichtig eine Normalisierung des Verhältnisses zu China ist. Denn mit seiner Entscheidung, Indien mit einem 50-Prozent-Zoll zu belegen, hat Trump aus indischer Sicht das Vertrauen in die Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten beschädigt.

In der verstärkten Zusammenarbeit mit China, das mit Trump ebenfalls über die Handelspolitik streitet, sieht die Regierung in Neu-Delhi nun die Möglichkeit, ihre internationalen Beziehungen wieder breiter aufzustellen.

Genugtuung in China

„Während Indiens Beziehungen zu seinem wichtigsten Partner, den USA, in eine schwierige Phase treten, wirkt China so attraktiv wie seit fünf Jahren nicht mehr“, schrieb der frühere indische Botschafter in China, Vijay Gokhale, vergangene Woche in einem Zeitungskommentar. Indien und China hätten zur Zukunft von Südasien und dem Indopazifik zwar unterschiedliche Vorstellungen. „Doch mit Blick auf die Weltpolitik liegt angesichts der trumpschen Unordnung eine strategische, wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit mit China in Indiens Interesse.“

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In China sorgt diese Entwicklung für Genugtuung. Die Regierung in Peking hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Indiens verstärkte Sicherheitszusammenarbeit mit den USA kritisiert – vor allem mit Blick auf das sogenannte Quad-Bündnis, an dem auch Japan und Australien beteiligt sind. Die Gruppe verfolgt das Ziel, ein Gegengewicht zu Chinas Vormachtstreben im Indopazifik zu schaffen.

China kritisierte dies als Versuch der Amerikaner, den Aufstieg der Volksrepublik zu bremsen. Entsprechend erfreut reagierten chinesische Staatsmedien darauf, dass sich Indien nun wieder offen für engere Beziehungen mit Peking zeigt. Die Annäherung demonstriere, „dass Washingtons Versuch, Neu-Delhi in die Strategie zur Eindämmung Chinas einzubinden“, nicht mit Indiens unabhängiger Außenpolitik übereinstimme, kommentierte das Propagandaorgan „Global Times“.

In den USA sehen Kritiker der Trump-Regierung die jüngsten Strafzölle gegen Indien als strategischen Fehler. Denn mit der Entscheidung, nur Indien für den Kauf von russischem Öl zu bestrafen, andere Großkunden Russlands – wie China – aber nicht, löste Trump in Neu-Delhi große Empörung aus. „Dies hat Indien möglicherweise weiter in die Achse Peking–Moskau gedrängt“, kommentierte der frühere Nationale Sicherheitsberater Trumps, John Bolton.

Zwischen Indien und China bleiben große Differenzen

Trotz der Annäherung gibt es aber nach wie vor große Differenzen zwischen den Atommächten: Der Grenzstreit ist nach wie vor ungelöst – weitere Deeskalationsschritte wie ein Abzug der Zehntausenden Soldaten, die an beiden Seiten der Grenze stationiert sind, stehen noch aus. Auch Chinas Unterstützung für Indiens Rivalen Pakistan lastet auf dem Verhältnis.

Zollstreit

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Dennoch wünschen sich verschiedene Stellen in Indien zumindest wirtschaftlich mehr Kooperation: So plädierte die Regierungsdenkfabrik Niti Aayog vergangenen Monat dafür, chinesische Investitionen in Indien zu erleichtern, um die lokale Wirtschaft zu stärken.

Die Auswirkungen der geplanten US-Zölle dürften dieses Argument stärken: Ökonomen rechnen damit, dass Trumps Pläne das indische Wirtschaftswachstum um rund einen Prozentpunkt schmälern könnten.

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Die Modi-Regierung versucht unterdessen auch den inländischen Konsum zu stärken, um einem Dämpfer im Exportgeschäft entgegenzuwirken. Der Regierungschef stellt dafür eine spürbare Kürzung von Indiens Mehrwertsteuer in Aussicht.

Eine schnelle Handelseinigung mit den USA zeichnet sich unterdessen nicht ab. Eine für Ende des Monats geplante Verhandlungsrunde wurde Medienberichten zufolge auf unbestimmte Zeit vertagt.

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