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ElektroIm Togg T10X von Gemlik nach München

Zwei Jahre nach dem Verkaufsstart in der Türkei kommt Togg zur IAA in München und verkündet seinen Einstand in Deutschland. Der elektrische SUV T10X fährt mit hoher Leistung. 04.09.2025 - 11:45 Uhr Quelle: SpotpressArtikel anhören
Das Design des T10X stammt von VWs ehemaligem Chefdesigner Murat Günak Foto: Togg

München. Es ist ein lauschiger Sommernachmittag auf der Rossfeld Panoramastraße. Plötzlich werden die Beamten aufmerksam und schauen bei dem tiefblauen Elektro-SUV mit dem glänzenden Grill ganz genau hin. Denn ein Auto mit türkischen Kennzeichen verirrt sich nur selten hierher und von der Marke Togg haben sie noch nie etwas gehört.

Kein Wunder, schließlich gibt es die auch erst seit 2019. Das erste Auto präsentierte Togg 2022 und hat seitdem zwar 60.000 Exemplare des elektrischen SUV verkauft, sich aber bislang nicht außer Landes gewagt. Doch das soll sich bald ändern: Wenn Anfang September in München die IAA eröffnet, gehört Togg zu den Debütanten und will dort für 2026 den Deutschlandstart mit zwei Modellen ankündigen.

Neben dem T10X, der da als türkische Alternative zum ID.4 gerade im Berchtesgadener Land die Aufmerksamkeit der Grenzbeamten geweckt hat, wird es mit gleicher Technik auch noch die Limousine T10F geben, die auf Modelle wie den VW ID.7 zielt.

Togg-Manager spricht lieber von „Smart Device“

Damit drängt ein Land ins Bewusstsein, das auf der automobilen Weltkarte längst eine feste Größe ist. Denn zum Beispiel für Fiat, Opel oder Ford bauen die Türken in guten Jahren bereits mehr als 1,5 Millionen Autos. Nur an einer eigenen Marke mangelte es.

Deshalb hat Staatschef Recep Tayyip Erdogan über Jahre einen türkischen Volkswagen gefordert – und 2018 hat der ehemalige Bosch-Manager Gürcan Karakas geliefert. In Gemlik am Bosporus hat er industrielle Schwergewichte aus Schlüsselbranchen vom Handel über die Telekommunikation bis hin zum Maschinenbau zusammengebracht und die „Türkiye'nin Otomobili Girişim Grubu“, die „Türkischen Automobile Joint Venture Group“, kurz: Togg, gegründet.

Wobei der Begriff „Automobil“ für Karakas viel zu kurz gesprungen ist. Der charismatische Manager spricht lieber vom „Smart Device“, das eher zufällig auch fahren kann. Klar, diese Idee verkaufen uns viele. Und weder der durchgehende Bildschirm quer über die gesamte Fahrzeugbreite ist einzigartig, noch wird Togg viele Kunden allein mit einem Musikgenerator überzeugen können, der aus 2000 Instrumentaltiteln mit künstlicher Intelligenz ganz individuelle Sounds komponiert. Auch die digitale Kunst hat man schon öfter gesehen – obgleich nicht so ausgefuchst wie im Togg und obendrein eher im Luxussegment als in der Mittelklasse.

Der T10X verfügt über einen durchgehenden Bildschirm quer über die gesamte Fahrzeugbreite. Foto: Togg

Für einen dauerhaften Erfolg geht Togg auf dem Weg in die virtuelle Welt sehr viel weiter als alle westlichen Hersteller. Begünstigt von einem in sich relativ geschlossenen Markt, einer ähnlich wie in China ziemlich eigenständigen Nische im Internet und vielen potenten Partnern, hat Togg ein digitales Ökosystem mit eigener Währung, branchenübergreifendem Bonus-System und eigenem Webstore geschaffen. In dem Webstore können Kunden aus dem Auto heraus Flüge buchen, Strom kaufen oder sogar ihre Steuern zahlen.

Eigenes Ladenetz für Togg in der Türkei

Doch egal ob Beiwerk oder Sinn und Zweck der Übung: Auch ein digitales Device muss fahren können. Wozu baut das Unternehmen schließlich zu Preisen ab umgerechnet etwa 41.000 Euro wahlweise ein oder zwei Bosch-Motoren mit 160 kW/218 PS und Akkus mit 52,4 oder 88,5 kWh ein?

Und wie besser könnte der Togg T10X das beweisen, als auf der Jungfernfahrt zum IAA-Debüt nach München? Deshalb rollt eines Tages in diesem Sommer jener dunkelblaue T10X AWD aus dem Werk, der rund 2000 Kilometer und drei Tage später als erster Togg in offizieller Mission zwischen Klausen und Berchtesgaden die deutsche Grenze passiert.

T10X: Gebaut wird das Auto in der Türkei in Gemlik. Foto: Togg

Die erste Etappe von dem auf 175.000 Autos im Jahr ausgelegten Werk in Gemlik über Istanbul nach Edirne an der Grenze zu Bulgarien ist dabei noch leicht. Schließlich hat Togg analog zu Tesla in der Türkei ein eigenes Ladenetz aufgebaut, an dem der Togg sich mit bis zu 180 kW mit Energie versorgt.

Doch weil es danach oft genug über einsame Nebenstraßen geht, statt nur auf der alten Autoput-Route im Express-Tempo über den Balkan zu ballern, ist er oft genug auf seinen 88,5 kWh großen Akku angewiesen. Der sichert ihm auf dem Papier zwar bis zu 523 Kilometer Normreichweite, in der Praxis aber auf diesem Trip für selten mehr als 400 Kilometer reicht. Gut also, dass sich die Navigation auch hier auskennt, jede Ladesäule findet und die allermeisten davon auch irgendwie zum Laufen zu bringen sind.

Ausreichend Platz im Togg T10X

Wenn man das digitale Gedöns ausblendet und sich an die leidigen Sensor-Tasten am Lenkrad gewöhnt hat, erweist sich der T10X auf dem Weg durch Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich als – je nach Perspektive – erfreulich oder erschreckend konventioneller Geländewagen. Das Auto ist traditionellen Herstellern wie VW näher als Newcomern wie Tesla oder gar den Chinesen.

Kein Wunder, schließlich stammen die Togg-Modelle auch aus der Feder des ehemaligen VW-Designchefs Murat Günak. Der hat zusammen mit Pininfarina ein Auto gezeichnet, das vor allem wegen seines noblen Kühlergrills weniger futuristisch wirkt als die meisten Stromer aus dem fernen Osten, wohl proportioniert ist und gefällig aussieht, dafür aber auch ein bisschen austauschbar ist. Dazu gibt es bei 4,60 Metern Länge und 2,90 Metern innen eher ausreichend als reichlich Platz auf allen Plätzen und einen mit 441 bis 1515 Litern klassenüblichen Kofferraum – und genau wie bei VW leider keinen Frunk.

Fahrwerk und Lenkung sind vielleicht nicht die feinfühligsten und präzisesten, machen sich auf der Langstrecke aber gut. Und mit den unterschiedlichen Fahrprofilen kann man auf der Landstraße oder in den vielen Höhenzügen des Balkans tatsächlich ein bisschen Spaß haben.

Nur ist die Leistung für diesen Teil des Kontinents eigentlich zu hoch. Klar, zusammen 700 Nm und ein Sprintwert von 4,8 Sekunden helfen, wenn man auf einer unübersichtlichen Nebenstraße in Bulgarien schnell an einem Eselskarren vorbei muss oder auf der Rossfeld Panoramastraße ein bisschen Nervenkitzel sucht, um nach der langen Gurkerei durch Österreich wieder wach zu werden. Doch bevor der Togg zum ersten Mal legal seine 185 km/h Spitzentempo ausfahren darf, muss er erst sechs Grenzen überwinden – und die Mischung aus Diensteifer und Neugier am Zoll nach Deutschland überstehen.

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Dann noch ein paar Kilometer Land- und Bundesstraße und kurz hinter Salzburg rollt der T10X zum ersten Mal über die deutsche Autobahn. Dort schießt er so schnell zur Messe nach München, als müsse er auf dieser Fahrt jene drei Jahre aufholen, die Togg seit der Premiere des T10X bislang hat verstreichen lassen.

Auch die Zöllner an der grünen Grenze der Panoramastraße werden sich womöglich bald an den Anblick des T10X und seines klassischen Cousins T10F gewöhnen müssen. Doch die gemütliche Routine an ihrer mobilen Station werden die Türken kaum stören. Denn wenn im nächsten Jahr der ernsthafte Export startet, werden die Togg kaum auf Achse kommen. Und erst recht nicht über diese Route.

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