Zahlung: Handel drängt auf schnellen Start des digitalen Euros
Frankfurt. Der deutsche Handel fordert, dass der digitale Euro möglichst schnell eingeführt wird. „Die Zeit ist reif für ein modernes, souveränes und zukunftsorientiertes Zahlungsmittel, das den heutigen Anforderungen der digitalen Welt gerecht wird. Das analoge Bargeld ist dafür nicht mehr ausreichend“, sagte Ulrich Binnebößel, Abteilungsleiter Zahlungsverkehr beim Handelsverband HDE, dem Handelsblatt.
Angesichts der Abhängigkeit von wenigen, privaten Anbietern bestehe dringender Handlungsbedarf. „Darauf zu warten, dass die europäische Kreditwirtschaft ein eigenes Konzept auf die Beine stellt, hat uns bereits zu viel Zeit gekostet. Europa kann nicht länger warten, sondern muss endlich handeln“, sagte Binnebößel.
Damit stellt sich der Handel hinter die Pläne der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB). Zugleich kritisiert der HDE die Position des Berichterstatters im EU-Parlament, Fernando Navarrete. Er hatte Ende vergangener Woche vorgeschlagen, dass der digitale Euro nur dann gestartet werden solle, wenn es keine europaweite Lösung für den Zahlungsverkehr von Privatkunden gebe.
Mit den Plänen für einen digitalen Euro, der für Privatleute gedacht ist, reagieren EZB und EU-Kommission darauf, dass europaweit immer weniger Bargeld genutzt wird. Die neue Digitalwährung soll Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Der HDE erhofft sich durch den digitalen Euro geringere Kosten für Bezahlsysteme. Der Handel muss Banken sowie Zahlungsdienstleistern für die Abwicklung von Zahlungen beispielsweise über Debit- oder Kreditkarten oder Onlinebezahlsysteme wie Papyal Gebühren zahlen.
Große Abhängigkeit von US-Zahlungsfirmen
Zudem will sich Europa im Zahlungsverkehr unabhängiger von US-Unternehmen machen. In der Euro-Zone laufen große Teile von Karten- und Onlinezahlungen über die amerikanischen Finanzkonzerne Visa, Mastercard und Paypal. Dem HDE zufolge führt die Marktdominanz privater Zahlungssysteme zu stetig steigenden Kosten für den Handel.
Die EU-Kommission hatte ihren Gesetzesvorschlag für einen digitalen Euro im Sommer 2023 veröffentlicht. Darin ist vorgesehen, dass Geschäfte den digitalen Euro genauso annehmen müssen wie Bargeld.
Mit Navarretes Vorschlag wird sich die Debatte im EU-Parlament nun intensivieren. Letztlich müssen sich EU-Kommission, -Parlament und -Rat, also die Regierungen der Mitgliedstaaten, im sogenannten Trilog auf einen Gesetzestext einigen.
Die EZB hat ebenfalls vergangene Woche angekündigt, dass sie schon 2027 mit Testtransaktionen eines digitalen Euros loslegen könnte – vorausgesetzt, ein entsprechendes Gesetz für die Digitalwährung kommt bald zustande. Ein digitaler Euro könnte dann ab 2029 eingeführt werden.
Der Privatsektor hat es bislang nicht geschafft, den US-Anbietern ernsthafte Konkurrenz zu machen. Zwar startet bald der neue europäische Bezahldienst Wero auch im E-Commerce. Doch bei Wero ziehen bisher nur Banken aus fünf EU-Ländern mit. Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), ein Gemeinschaftsunternehmen von etwa zwei Dutzend Banken und zwei Zahlungsfirmen aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden.
Wero: Große Händler bisher verhalten
Die Bankenlobby übt seit Längerem Kritik an den Plänen zum digitalen Euro. Unter anderem fürchtet sie hohe Kosten. Die an EPI beteiligten Finanzinstitute sagen zudem, dass eine private Lösung wie Wero die Souveränität Europas im Zahlungsverkehr besser erreichen könne.
Binnebößel hält das für illusionär. „Zu glauben, dass die Kreditwirtschaft aus freiem Willen ein System entwickelt, das den Anforderungen von Zahlern und Zahlungsempfängern gerecht werden kann, ist naiv. Das zeigen die Erfahrungen aus vergangenen Versuchen, ein europäisches Zahlverfahren zu etablieren“, sagte er.
Über Wero hat sich der HDE zwar grundsätzlich positiv geäußert. Allerdings müsse Wero sich an vorhandenen Systemen messen lassen und vor allem Vertrauen im Handel aufbauen, „sodass auch nach einer Startphase, in der der Handel zur Bekanntheit der Marke beiträgt, eine nachhaltige, effiziente und kostenorientierte Abwicklung gewährleistet bleibt“.
Der deutsche Onlinehandel zeigt sich bisher verhalten. So haben bislang nur Mediamarkt und Saturn angekündigt, Wero einzuführen. Das Handelsblatt befragte kürzlich die laut dem Handelsforschungsinstitut EHI zwölf größten Onlinehändler sowie die Deutsche Bahn dazu. Otto führt nach eigenen Angaben Gespräche, Ikea und Zalando prüfen die Wero-Einführung. Andere Händler wie About You und Lidl sowie die Bahn äußerten sich zurückhaltend.
Erstpublikation: 05.11.2025, 10:23 Uhr.