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Morning BriefingLula gegen Merz – „Berlin bietet keine zehn Prozent der Qualität“

Christian Rickens 19.11.2025 - 06:20 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Industriestrompreis – 91 Branchen sollen profitieren

19.11.2025
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Liebe Leserinnen und Leser,

das Bundeswirtschaftsministerium plant, mindestens 91 Branchen durch den Industriestrompreis zu entlasten. Das geht aus einem internen Konzept des Ministeriums hervor, das Handelsblatt-Reporter Julian Olk vorliegt.

Zu den 91 Sektoren und Teilsektoren gehören laut dem Konzeptpapier „Teile der chemischen Industrie, die Metallindustrie, Gummi- und Kunststoffverarbeitung, Glas- und Keramikherstellung, die Produktion von Zement, Batteriezellen und Halbleitern, ebenso wie Teile der Papierindustrie, des Maschinenbaus und der Rohstoffgewinnung“. Zudem will das Ministerium Verbände aufrufen, entsprechende Nachweise vorzulegen, um möglicherweise weitere Branchen zu begünstigen.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Der Industriestrompreis rückt näher. Foto: Picture Alliance (2), Getty Images

Der Koalitionsausschuss hatte sich in der vergangenen Woche darauf verständigt, dass Unternehmen ab 2027 den Industriestrompreis beantragen und rückwirkend ab 2026 ausgezahlt bekommen können. Dieser soll bei fünf Cent pro Kilowattstunde liegen. Klar ist bereits die Vorgabe der EU, dass die Unternehmen nur 50 Prozent ihres Stromverbrauchs vergünstigt bekommen können.

Das Ministerium schlägt in dem Konzept vor, den Betrieben die Möglichkeit zu geben, diese anrechenbare Strommenge aufzuteilen, „damit Investitionen möglichst schnell angereizt werden“: Die Unternehmen können sich im ersten Jahr mehr als 50 Prozent, im zweiten Jahr 50 Prozent und im dritten Jahr entsprechend weniger als 50 Prozent ihrer Strommenge anrechnen lassen.

Abkehr vom Luxus bei Mercedes

Ola Källenius: Der Mercedes-Chef hat seine Strategie angepasst. Foto: REUTERS

Regelmäßige Handelsblatt-Leserinnen und -Leser wussten es schon länger: Der Plan von Mercedes, zu einer Art Gucci auf Rädern zu werden, will nicht so recht aufgehen. Jetzt hat die Mercedes-Benz AG das umstrittene Wort „Luxus“ auch offiziell aus ihrer Strategie gestrichen. Auf der entsprechenden Internetseite heißt es nun nicht mehr, man wolle „denken und handeln wie eine Luxusmarke“.

Der Schwenk zeigt sich auch in der Modellstrategie. So arbeitet Mercedes an einem neuen Einstiegsmodell. Das, so hört Handelsblatt-Autoreporter Michael Scheppe aus Konzernkreisen, soll sich preislich und optisch an der aktuellen A-Klasse orientieren. Mercedes will künftig auch wieder mehr Pkw an den Autovermieter Sixt verkaufen. Eigentlich wollte sich Mercedes aus diesem margenschwachen Geschäft zurückziehen.

Gescheitert ist die 2022 vorgestellte Luxus-Strategie von Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius letztlich daran, dass Luxus Verknappung voraussetzt. Ob bei Autos, Uhren oder Mode: Es gilt, stets weniger zu produzieren, als nachgefragt wird. Das weckt Begehrlichkeit und hält die Preise hoch. Für einen Großserienhersteller wie Mercedes aber, der seine bestehenden Fabriken auslasten muss, lässt sich das kaum durchhalten.

Historiker sieht „Panzerblase“ in Deutschland

Der britische Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson hat sich in die Debatte um die sogenannte „Panzerblase“ eingemischt. Hinter dem Schlagwort steht die Sorge, der Westen und insbesondere Deutschland setze bei seiner derzeitigen Aufrüstung zu stark auf „Heavy Metal“ und zu wenig auf Hightech.

Wirtschaftshistoriker Ferguson: „Es wäre besser, das Geld in Gigafabriken für den Bau von Drohnen zu stecken.“ Foto: Picture Alliance, AFP

„Die Deutschen bauen die Waffen des letzten Krieges und verschwenden viel Geld in einem zu langsamen Produktionszyklus“, kritisiert der in Stanford und Harvard lehrende Historiker im Interview mit unserem London-Korrespondenten Torsten Riecke. Fergusons Alternativvorschlag:

Es wäre besser, das Geld in Gigafabriken für den Bau von Drohnen zu stecken und diese schnell an die Ukraine zu liefern.

Wenn Investitionen Umsatz erkaufen

Anthropic-Logo: In die KI-Firma investierten auch Google und Amazon. Foto: Bloomberg

Das KI-Unternehmen Anthropic, einer der wichtigsten Rivalen des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, bekommt eine milliardenschwere Finanzspritze. Der Chip-Spezialist Nvidia investiert bis zu zehn Milliarden Dollar und der Software-Riese Microsoft bis zu fünf Milliarden. Nach Informationen des Wirtschaftssenders CNBC wurde Anthropic bei dem Deal mit insgesamt 350 Milliarden Dollar bewertet.

Die Partnerschaft zeigt zugleich das altbekannte Muster, dass sich Tech-Konzerne durch Firmenbeteiligungen selbst mit Umsatz versorgen: Anthropic verpflichtet sich, Rechenleistung aus Microsofts Computer-Cloud im Wert von 30 Milliarden Dollar zu beziehen, und wird auch in großem Stil KI-Chips bei Nvidia kaufen.

Abgeordnete stimmen für Epstein-Freigabe

Weißes Haus in Washington: Trump muss die Akten noch endgültig freigeben. Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Das US-Repräsentantenhaus hat mit großer parteiübergreifender Mehrheit für die Veröffentlichung der Ermittlungsakten zum Fall des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gestimmt. 427 der Abgeordneten unterstützten den Schritt, nur ein Kongressmitglied stimmte dagegen. Auch der US-Senat gab anschließend grünes Licht für die Veröffentlichung der Epstein-Akten.

Für eine endgültige Freigabe der Dokumente und Aufzeichnungen, die sich im Besitz des US-Justizministeriums befinden, braucht es nun nur noch die Unterschrift Donald Trumps, die der US-Präsident bereits zugesagt hatte.

Jakarta größte Stadt der Welt

Die indonesische Hauptstadt Jakarta ist laut einem neuen UN-Bericht mit fast 42 Millionen Einwohnern inzwischen die bevölkerungsreichste Metropole der Welt. Dahinter folgen Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, mit fast 40 Millionen Einwohnern, und Tokio mit 33 Millionen. Unter den zehn bevölkerungsreichsten Städten sei Kairo die einzige, die nicht in Asien liege.

Brasiliens Ärger über Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Seine Äußerung sorgt in Brasilien für Empörung. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Eine Grundregel des bürgerlichen Comments lautet: Wenn man eine Party verlässt, sollte man erst über die Gastgeber lästern, wenn die sich außer Hörweite befinden. In einer globalisierten Welt können dafür selbst mehrere tausend Kilometer nicht ausreichen.

Diese Erfahrung musste Bundeskanzler Friedrich Merz machen, nachdem er auf dem Berliner Handelskongress über seinen Besuch bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém gespöttelt hatte. Auf dem Rückflug habe er einige Journalisten gefragt, ob sie gerne hierbleiben wollten. „Da hat keiner die Hand gehoben“, sagte Merz:

Wir waren alle froh, dass wir vor allem von dem Ort, an dem wir waren, wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.

In Brasilien sorgt die Bemerkung des Bundeskanzlers für Empörung. „Unangemessen“, sei das gewesen, kommentierte Igor Normando, der Bürgermeister von Belém:

Während Sie mit Ihrer Arroganz kommen, bieten wir Ihnen das Beste von uns, nämlich unsere Gastfreundschaft.

Helder Barbalho, der Gouverneur des Bundesstaates Pará, dessen Hauptstadt Belém ist, kritisierte ironisch:

Es ist interessant zu sehen, wie diejenigen, die zur Erwärmung des Planeten beigetragen haben, sich über die Hitze im Amazonasgebiet wundern.

Gestern meldete sich sogar Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zu Wort: Merz hätte in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen, „denn dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten“.

Ich meine: Als Wiedergutmachung sollte Merz eine Einladung der drei brasilianischen Politiker ins winterliche Sauerland erwägen. Und wehe, die Herren beschweren sich dann über die Kälte oder das Essen!

Ich wünsche Ihnen einen wohltemperierten Mittwoch.

Herzliche Grüße,

Ihr

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