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Morning Briefing PlusWarum dieser Manager nervös sein müsste

Der Chemiker Daniel Koch leitet ein Projekt mit hohen Risiken – und späten Erfolgsaussichten. Sein Mut ist Vorbild für ein Land, das den Aufschwung sucht.Martin Knobbe 17.01.2026 - 08:49 Uhr Artikel anhören
Martin Knobbe, stellvertretender Handelsblatt Chefredakteur. Foto: Handelsblatt

Liebe Leserinnen und Leser,

auf einer Veranstaltung habe ich Daniel Koch kennengelernt. Der promovierte Chemiker leitet den größten europäischen Standort des US-Chemiekonzerns Lyondell-Basell und hat den Anspruch, dass Kreislaufwirtschaft mehr ist als ein Wort in Sonntagsreden.

Südlich von Köln baut das Unternehmen eine Anlage, die schwer zu recycelnde Mischkunststoffe in Rohstoffe für die Produktion neuer Kunststoffe umwandelt – nachhaltig und kohlenstoffarm.

Zehn Jahre hat Koch geplant. Wer so lange an einem Projekt arbeitet, kennt nicht nur die Zahlen, sondern auch die Zweifel. Koch begann seinen Vortrag mit dem Satz: „Wir sind ein amerikanisches Unternehmen, das in NRW investiert. Wie verrückt hört sich das an?“

In diesem Satz steckt die ganze Gegenwart. Riskante Investitionen gelten heute als Mutprobe. Hohe Lohnkosten, hohe Energiekosten, ein hohes Maß an Regulatorik bremsen schnell jede Euphorie. Hinzu kommt eine Stimmung, die nachhaltigen Projekten nicht immer den Rücken stärkt.

Was Koch verantwortet, ist ein Zukunftsprojekt mit klarer Ansage: Es muss sich rechnen. Die Anlage kann 50.000 Tonnen im Jahr verarbeiten. Damit sie ausgelastet ist, braucht sie genügend Abnehmer. Für wertvolle Produkte, die ihren Preis kosten werden. Ob es gelingt? Unsicher.

Koch hätte allen Grund, nervös zu sein. Doch an diesem Abend wirkte er wie einer, der die Zukunft schon vor sich sieht: Er sprach von einem Konsens in Deutschland, dass es gute Sammel- und Sortiersysteme brauche. Und davon, dass er stolz und zuversichtlich sei.

Will Deutschland den wirtschaftlichen Aufschwung schaffen, braucht es mehr solcher Zuversichtsgeschichten. Und Menschen wie Daniel Koch, die Risiken nicht vermeiden, sondern tragen – und wissen, dass Erfolg manchmal erst kommt, wenn man lange genug geblieben ist.

Was uns diese Woche noch beschäftigt hat:

1. Die SPD will die Erbschaftssteuer reformieren, in Wirtschaft und beim Koalitionspartner regt sich Protest. Ökonomen bewerten die detaillierten Vorschläge unterschiedlich. Daniel Delhaes, Martin Greive und Anja Müller haben zusammengetragen, was für den SPD-Vorschlag spricht, und was dagegen.

2. Jerome Powell schlägt zurück – und die Märkte reagieren nervös. Strafrechtliche Ermittlungen gegen den Fed-Chef lassen Dollar, Aktien und Anleihen schwanken. Vergangene Woche hatte sich der mächtigste Notenbanker in einer historischen Videobotschaft an die Weltöffentlichkeit gewandt.

Jerome Powell und Donald Trump: Der Fed-Chef ist in die Offensive gegangen. Foto: AP (2), Imago

Powell wirft dem Weißen Haus Schikane vor. Seine Vorgängerin, Janet Yellen, sagt, die USA seien auf dem Weg in eine „Bananenrepublik“. Was für die globale Finanzordnung jetzt auf dem Spiel steht, lesen Sie hier.

3. Es sollte das größte Offshore-Projekt in der Geschichte des Unternehmens werden. Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW wollte gemeinsam mit BP große Windenergie-Parks vor der Küste Großbritanniens bauen. Jetzt ließ der Konzern das Vorhaben fallen, wie Kathrin Witsch herausgefunden hat. 1,6 Milliarden Euro müssen abgeschrieben werden. In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärt EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos die Hintergründe.

4. Das Phänomen ist nicht neu, die Dimension schon: Chinas Handelsüberschuss ist im vergangenen Jahr auf 1,2 Billionen Dollar angestiegen – ein neuer Rekord. Die Zahl der chinesischen Exporte ist um 5,5 Prozent gestiegen. Die Handelszahlen zwischen Deutschland und China sind zwar durchwachsener, wie die unten stehende Grafik zeigt.

Doch der grundsätzliche Trend ist offensichtlich: China sei nicht mehr die Werkbank der Welt, heißt es in der Analyse meiner Kolleginnen und Kollegen, „sondern eine Wirtschaftsmacht auf Augenhöhe, die technologisch mit den ‚Hidden Champions‘ des deutschen Mittelstands mithalten kann“.

5. Als Philipp Alvares de Souza Soares und Felix Holtermann die Technik-Messe CES in Las Vegas besuchten, machten sie eine interessante Beobachtung: Ausgerechnet die Chefs der amerikanischen Tech-Giganten umgarnten ziemlich unverhohlen die Größen der deutschen Traditionshersteller. Nvidia-Chef Huang lobte den neuen Mercedes CLA als „sicherstes Auto der Welt“. Amazon Web Services (AWS) oder Qualcomm präsentierten Volkswagen und BMW stolz als bedeutende Referenzkunden. Lesen Sie hier die Hintergründe zu diesem neuen Kuschelkurs.

AMD-Chefin Su, Nvidia-CEO Huang, Siemens-Chef Busch (v.l.): Schmeicheleien in Las Vegas. Foto: Reuters (4)

6. Während Europa gern über Genehmigungen und Geschmacksfragen streitet, schafft China Fakten bei der Energiewende. Das Land hat bereits rund 500.000 Kilometer moderne Stromtrassen gebaut, die Wind- und Solarstrom über Tausende Kilometer transportieren. Die Verfahren laufen achtmal so schnell wie in Europa – und sind technologisch weit voraus. Unser Shanghai-Korrespondent Martin Benninghoff beschreibt, wie China gerade das Stromnetz der Zukunft erfindet.

7. Geld verdienen, ohne zu arbeiten? Wer passives Einkommen will, darf sich nicht von falschen Erwartungen und beliebten Rechenfehlern leiten lassen. Gut, dass wir mit unserem Freitagstitel zeigen, wie es mit dem passiven Einkommen klappen könnte. Unser Finanzreporter Markus Hinterberger liefert tiefe Analysen, Beispielrechnungen und realistische Renditen. Er erklärt, welche Rolle ETFs, Anleihen und Aktien spielen – und warum es sich lohnt, auch im Ruhestand weiter zu investieren.

Passives Einkommen: Ein Geldstrom ohne Arbeit ist möglich. Foto: Thomas Kuhlenbeck

8. Bei Software könne Deutschland eine eigene Zukunftsindustrie aufbauen, glaubt SAP-Chef Christian Klein. Dass er recht haben könnte, zeigte diese Woche das Software-Start-up Osapiens. Das junge Unternehmen ist Deutschlands erstes Einhorn 2026. Meine Kollegin Nadine Schimroszik hat exklusiv mit Firmenmitgründer Alberto Zamora gesprochen.

9. Aktienpakete für den Wiederaufbau? Europa sitzt auf Milliardenvermögen von russischen Oligarchen. Darunter auch ein Anteil am österreichischen Baukonzern Strabag, der ursprünglich mit dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska in Verbindung stand.

Komplexe Operation: Ehemaliger Unilever-Chef Polman, Barker, Nato-Admiral Bauer. Foto: Getty Images (4), Reuters, Bloomberg [M]

Ein britischer Lord, der langjährige Unilever-Chef und ein schwedischer Private-Equity-Manager wollen das Paket per Deal auftauen: Fifty-fifty, die eine Hälfte geht an das Konsortium, die andere an die Ukraine. Ein guter Deal für den Frieden, argumentieren die Geschäftsleute. Aber was sind die eigentlichen Interessen? Das lesen Sie im Report von Carsten Volkery.

Und damit wünsche ich Ihnen ein gedankenreiches Wochenende.

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Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihr

Martin Knobbe

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