Onlinehändler: Amazon hebt den Mindestlohn in den USA und Großbritannien an
Amazon will den Mitarbeitern künftig mehr Geld zahlen.
Foto: AFP/Getty ImagesDüsseldorf. Im Streit um den Umgang mit seinen Mitarbeitern macht Amazon-Chef Jeff Bezos seinen Kritikern nun offenbar ein Zugeständnis: Der Onlinehändler aus Seattle will den Mindestlohn für seine Angestellten in den USA auf 15 Dollar pro Stunde anheben. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Auch in Großbritannien soll der Mindestlohn für Amazon-Angestellte steigen: auf 9,50 Pfund beziehungsweise auf 10,50 Pfund in London.
Demnach sollen die betroffenen Mitarbeiter bereits ab dem nächsten Monat mehr Geld bekommen. Zur bisherigen Höhe des firmeninternen Mindestlohns machte Amazon keine Angaben. Der staatliche Mindestlohn in den USA liegt bei 7,25 Dollar und in Großbritannien bei 7,83 Pfund für Arbeitskräfte, die älter als 25 Jahre sind. Die Aktie des Onlinehändlers notierte vorbörslich etwa ein Prozent im Minus.
Die neue Regelung gilt sowohl für die 250.000 Festangestellten als auch für die etwa 100.000 Saisonarbeiter des Konzerns in den USA. Einige Angestellte, die bereits 15 Dollar pro Stunde verdienen, sollen laut Amazon ebenfalls mehr Geld bekommen. Zudem kündigte der US-Konzern an sich dafür einzusetzen, dass der staatliche Mindestlohn angehoben wird.
In Großbritannien sollen rund 17.000 Angestellte und rund 20.000-Saisonarbeiter, die in der Vorweihnachtszeit angestellt werden, vom höheren Mindestlohn profitieren.
Zuletzt musste Amazon insbesondere von Bernie Sanders viel Kritik für seine Arbeitsbedingungen einstecken. Der US-Politiker beschuldigt den Onlineriesen, seine Mitarbeiter in den Logistikzentren und Lagerhallen schlecht zu behandeln und ihnen zu wenig zu bezahlen. „Keiner, der für die reichste Person der Welt arbeitet, sollte von Essensmarken abhängig sein. Und doch ist es genau das, was bei Amazon passiert“, sagte Sanders im August.
Amazon ermunterte daraufhin seine Mitarbeiter, auf Twitter Positives über den Konzern zu schreiben und wies in einem öffentlichen Brief die Kritik von sich. Doch nun die überraschende Kehrtwende: „Wir haben unsern Kritikern zugehört und überlegt, was wir tun können und uns zu diesem Schritt entschieden“, heißt es in einer Erklärung von Bezos. „Wir freuen uns über diese Veränderung und wollen unsere Mitbewerber und andere große Arbeitgeber dazu ermutigen, unserem Beispiel zu folgen.“
Sanders begrüßte Amazons Schritt. Er sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass er hofft, dass andere profitable Unternehmen – etwa in der Luftfahrtbranche, im Einzelhandel oder Fast-Food-Industrie – ebenfalls die Stundenlöhne anheben.
Die Lohnerhöhung kommt zu einer Zeit, in der Amazon möglichst viele Arbeitskräfte finden muss, die die Paketflut vor den Weihnachtsfeiertagen bewältigen. Nahe liegt deshalb, dass der Onlinehändler durch die neue Regelung sein Image verbessern und noch mehr Saisonarbeiter anlocken will.
Mit einem geschätzten Vermögen von 112 Milliarden Dollar ist Jeff Bezos der reichste Mann der Welt. Bis vor kurzem war der Gründer – anders als andere Milliardäre wie etwa Microsoft-Gründer Bill Gates – nur selten als Philantrop in Erscheinung getreten.
Mitte September verkündete er überraschend, einen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke einzusetzen: Die Stiftung „One Day Fund“ wollen seine Frau MacKenzie und er mit zwei Milliarden Dollar ausstatten und so obdachlose Familien unterstützen.