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Dax AktuellDax kann neuen Rekordstand nicht halten – Eon-Aktie gewinnt 2,5 Prozent

In China läuft der Wachstumsmotor langsam wieder, die Geldpolitik wird dort gelockert. Für den europäischen Markt mehren sich aber die Warnsignale.Jürgen Röder 17.02.2020 - 18:13 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Aller guten Dinge sind drei: Für den deutschen Aktienmarkt scheint das offenbar nicht zu gelten. Nachdem der Dax in der vergangenen Woche drei Mal einen neuen Höchststand erreicht hatte, markierte der deutsche Leitindex am Montag zwischenzeitlich einen neuen Rekordstand.

In der ersten Handelsstunde stieg die Frankfurter Benchmark auf 13.795 Zähler und damit sieben Punkte über das bisherige Rekordhoch von 13.788 Zählern. Den Handelstag beendete der Dax mit 13.784 Punkten. Am vergangenen Freitag hatte der Index nach einer turbulenten Woche kaum verändert bei 13.744 Zählern geschlossen.

Der Handel verlief am Montag ansonsten in ruhigen Bahnen. Es standen keine wichtigen Daten an, und die US-Märkte haben am heutigen Montag geschlossen: „Presidents’ Day“ heißt der aktuelle Feiertag.

Die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt aber Warnsignale: „Für eine Fortsetzung der Rally braucht es inzwischen schon positive Ereignisse“, meint Stephan Heibel nach Auswertung der Erhebung. Denn sowohl die Nachfrage nach Aktien als auch die Zuversicht der Anleger schwinde. „Somit gibt es immer weniger Anleger, die bereit sind, auf Allzeithochs Aktien für ihr Depot zu kaufen“, erläutert der Sentimentexperte.

Die weiter fallenden Zahlen von Neuinfektionen mit dem Coronavirus in China haben die Märkte angetrieben. Nun geht es darum, die genaue Schwere der wirtschaftlichen Schäden zu beziffern. Einige Konjunkturindikatoren wie beispielsweise der Baltic Dry Index, der die Frachtraten für wichtige Massengüter wie Kohle, Eisenerz und Getreide auf den größten Transportern anzeigt, müsste nach dem Einbruch der vergangenen Wochen wieder steigen. Bislang zeigt er lediglich an, dass der Preisverfall gestoppt wurde.

Ökonomen rechnen damit, dass die Folgen der Epidemie in den nächsten Wochen für Europa deutlich spürbar werden. Das Virus trifft Unternehmen zweifach: Zum einen entfällt Nachfrage aus China, weil dort die Produktion heruntergefahren werden musste und Einkommen stagnieren. Zum anderen werden Produktionsketten unterbrochen, weil chinesische Zulieferungen ausfallen.

In China selbst läuft offenbar der Wachstumsmotor langsam wieder. „Viele meiner Freunde posteten heute Morgen in sozialen Medien Bilder vom Verkehrsstau in Peking und Schanghai“, schreibt Commerzbank-Devisenanalyst Hao Zhou in seinem heutigen Morgenkommentar. Natürlich werde es einige Zeit dauern, bis die Wirtschaft zur Normalität zurückfindet.

Diese positiven Nachrichten aus China beflügeln vor allem die Automobilwerte und die Titel der Zulieferfirmen: Continental, Daimler und Volkswagen zählen zu den größten Dax-Gewinnern, mit Pluszeichen zwischen 1,2 und knapp 1,5 Prozent.

Unabhängig von der Entwicklung in China werden die Unternehmen von Eon als Dax-Gewinner getoppt. Im Rennen um das tschechische Strom- und Gas-Einzelhandelsgeschäft von Innogy sind einem Zeitungsbericht zufolge fünf Bieter in der nächsten Runde. Der Verkauf ist eine Auflage für die Übernahme von Innogy. Das beschert Eon ein Plus von über 2,5 Prozent.

Der Markt geht mittlerweile davon aus, dass China umfassende fiskalpolitische Impulse einleiten wird. Schließlich greift die chinesische Regierung der Wirtschaft in schwierigen Zeiten erfahrungsgemäß unter die Arme. Die chinesische Zentralbank senkt heute Morgen die Zinsen für die einjährige Darlehensfazilität (MLF) um zehn Basispunkte, damit Kunden leichter an Kredite kommen. Dies ist ein weiterer Schritt zur Lockerung der Geldpolitik. So legten die Börsen in Schanghai und Shenzhen jeweils um rund 2,3 Prozent zu.

Nach der Zinssenkung haben die Anleger Hoffnung auf eine wieder anziehende China-Nachfrage und decken sich mit Industriemetallen ein. Kupfer verteuert sich um ein Prozent auf 5.814 Dollar je Tonne, der chinesische Terminkontrakt auf Eisenerz gewinnt zwei Prozent auf 675,50 Yuan (96,78 Dollar).

Blick auf die Einzelwerte

Bayer/BASF: Eine US-Jury hat die beiden Unternehmen in einem Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel Dicamba zur Zahlung von 265 Millionen Dollar verurteilt. Die Geschworenen vor dem Bundesgericht in Cape Girardeau im Bundesstaat Missouri kamen den Angaben zufolge zu dem Schluss, dass die beiden Konzerne Bayer und BASF für Verluste verantwortlich sind, die einem Landwirt entstanden seien. Demnach handelt es sich um einen zunächst verhängten Schadensersatz über 15 Millionen Dollar und eine Strafzahlung von 250 Millionen Dollar. Die Bayer-Aktie fällt um 1,87 Prozent, BASF-Papiere sinken um knapp ein Prozent.

Bertrandt: Dem Ingenieur-Dienstleister macht die Flaute in der Automobilbranche zu schaffen. Lange Zeit lag die Aktie im Plus, notiert mittlerweile aber 0,2 Prozent im Minus. Der Transformationsprozess hin zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren schaffe auch Chancen, meint das Unternehmen. Es ergäben sich neue Themen und Leistungen, die Bertrandt für Kunden erbringen könne. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte das Unternehmen.

RTL/Pro Sieben Sat1: Fusionsfantasien beflügeln die beiden Aktien. RTL-Papiere steigen um knapp 3,7 Prozent, Pro Sieben Sat1 klettert um knapp 2,5 Prozent. Thomas Rabe, Chef der RTL-Mutter Bertelsmann, hatte in einem Interview über eine Deregulierung des hiesigen TV-Geschäfts gesprochen.

Laura Ashley: Ein akuter Finanzbedarf bei dem Unternehmen verschreckt Anleger. Der angeschlagene britische Mode- und Einrichtungshändler verhandelt nach eigenen Angaben mit seinem Hauptkreditgeber, der US-Bank Wells Fargo, und Großaktionär MUI Asia über zusätzliche Mittel. Eine Kapitalspritze durch MUI stehe aber nicht zur Diskussion. Die Aktien des Unternehmens, zu dessen Kunden Prinzessin Diana zählte, stürzten am Montag um mehr als 40 Prozent auf zwei Pence ab und steuerten auf den größten Tagesverlust seit mehr als 30 Jahren zu. Innerhalb der ersten 45 Handelsminuten wechselten mehr als drei Mal so viele Laura-Ashley-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Thyssen-Krupp: Der Stahlkonzern erteilt dem finnischen Konkurrenten Kone im Bieterrennen um die Aufzugsparte eine Abfuhr und will nur noch mit zwei Konsortien von Finanzinvestoren verhandeln. Die Kone-Aktien geben fünf Prozent nach. Die Thyssen-Krupp-Aktien setzen ihre Talfahrt im MDax fort und notieren über drei Prozent tiefer.

Was die Charttechnik sagt

Noch nicht vom Tisch ist ein sogenanntes Short-Squeeze-Szenario, wie es Verhaltensökonom Joachim Goldberg nach Auswertung der wöchentlichen Anlegerumfrage der Börse Frankfurt in Aussicht gestellt hat. Bei solch einem Short-Squeeze handelt es sich um einen sprunghaften Anstieg, weil viele Anleger auf fallende Kurse gesetzt haben und sich neu orientieren müssen.

Die Zutaten für solch einen Sprung nach oben sind vorhanden. Bei solchen Short-Positionen, mit denen auf fallende Kurse gesetzt wird, handelt es sich um Leerverkäufe, die die Anleger bei der Bank in Auftrag geben. Um die Aktien dem Verleiher wieder zurückzugeben, muss das Papier wieder gekauft werden. Und die Anleger stehen bei weiter steigenden Kursen mit ihren risikoreichen Short-Hebelprodukten vor einem Problem: Je höher der Kurs ist, desto größer wird das Minus.

Ansonsten gilt jedes neue Rekordhoch als weiteres Zeichen der Stärke. Zudem wurde die Aufwärtskurslücke vom Dienstag vergangener Woche noch nicht geschlossen. Solche Kurslücken (Fachjargon: Gap) entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem niedrigsten des Folgetags bleibt. Sie dienen anschließend als wichtige Unterstützung.

Im konkreten Fall heißt das: Der Leitindex hatte am Montag vergangener Woche den höchsten Kurs bei 13.502 Zählern, am Dienstag lag die niedrigste Notierung bei 13.588 Punkten. Zwar fiel die Frankfurter Benchmark anschließend wieder auf 13.576 Zähler, doch ganz geschlossen wurde die Lücke nicht. Dieser Stand passt mit dem Jahreshoch 2018 mit 13.596 Zählern zusammen.

Kurzfristig handelnde Investoren können diesen Bereich als Absicherung für bestehende Long-Positionen nehmen oder auch als mögliche Wiedereinstiegsmarke, wenn die Lücke geschlossen wird. Als weitere Absicherungsmarken dienen auch die ehemaligen Rekordhochs von 13.640 und 13.597 Zählern.

Die neuen Kursziele oberhalb der Rekordhochs sind schwer zu beziffern, weil es ein sogenanntes „uncharted territory“ ist. Die technischen Analysten der Düsseldorfer Bank HSBC erwarten 13.895 Punkte als nächstes Anlaufziel, mit einem Anschlusspotenzial bis gut 14.200 Punkte.

Mittelfristig erwarten technische Analysten, so ihre Prognose Anfang des Jahres, im Börsenjahr 2020 ohnehin Dax-Kurse von mindestens 15.000 Punkten.

Handelsblatt-Analystencheck: JP Morgan bekräftigt Kaufempfehlung für Fresenius-Medical-Care-Aktie

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Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Fresenius Medical Care vor Zahlen auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 78,70 Euro belassen. Er liege im Einklang mit den vom Dialysespezialisten gesammelten Konsensschätzungen für 2019, schrieb Analyst David Adlington in einer am Freitag vorgelegten Studie. Für den Überschuss des neuen Jahres sei er aber etwas optimistischer.

Insgesamt elf Studien im Handelsblatt-Analystencheck beschäftigen sich mit der Fresenius-Medical-Care-Aktie. Zehn Kaufempfehlungen steht einmal der Rat „halten“ gegenüber. Keine Analyse empfiehlt, das Papier zu verkaufen. Das gewichtete Kursziel sämtlicher Analysen liegt bei 80,04 Euro und damit über dem aktuellen Kurs von rund 74,20 Euro. Bei einem gewichteten Kursziel haben jüngere Studien einen höheren Einfluss.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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