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Dax aktuellDax schließt im Minus – Adidas-Aktie größter Verlierer

Erneute Abwärtsbewegungen an der Wall Street haben den Dax erneut ins Minus gezogen – und den positiven Effekt einer britischen Zinssenkung zunichte gemacht.Tom Körkemeier, Jürgen Röder und Carina Hegemann 11.03.2020 - 18:03 Uhr

Spiegelung im Frankfurter Handelssaal

Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson

Düsseldorf. Der Dax hat zum Ende des Tages wieder in der Verlustzone notiert und ist mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 10.439 Punkten aus dem Handel gegangen. Auch der Euro Stoxx 50 schaffte es nicht in den Gewinnbereich und schloss ebenfalls 0,4 Prozent tiefer bei 2756 Zählern.

Somit konnten beide Indizes ihr zwischenzeitliches positives Tageshoch – beim Dax waren es 10.761 Zähler, beim Euro Stoxx 50 2999 Punktenicht bis zur Schließung der Märkte halten. Die erneuten Abwärtsbewegungen an der Wall Street zogen beide Werte am Nachmittag ins Minus.

Die Hoffnung auf Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zeigten am deutschen Aktienmarkt dementsprechend nur eine kurzzeitige Wirkung. Wie in Krisenzeiten üblich reagieren Anleger mit hektischen Zu- und Verkäufen auf entsprechende Nachrichten. So ließ eine überraschende Zinssenkung in Großbritannien die europäischen Indizes steigen.

Lagarde warnte die Staats- und Regierungschefs davor, es angesichts der Schwierigkeiten durch das Coronavirus nicht so weit kommen zu lassen wie in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Bei der Telefonkonferenz wies die EZB-Präsidentin die Gesprächspartner auf die Dynamik der aktuellen Situation hin und drängte sie zum schnellen Handeln, wie informierte Kreise bestätigten. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet.

Ein Thema sollen dabei mögliche Kreditgarantien der Mitgliedsstaaten gewesen sein. Eine große Sorge der EZB besteht darin, dass die Banken in der aktuellen Situation die Kreditvergabe einschränken könnten. Die Notenbank kann die Kreditvergabe stützen, indem sie günstigere Finanzierungen zur Verfügung stellt. Das größte Hindernis dürfte aber sein, dass die Banken etwa wegen Produktionsausfällen bei Unternehmen zunehmende Risiken fürchten, und sich deshalb dennoch zurückhalten. Hier würde es helfen, wenn die Staaten bestimmte Risiken abdecken. Eine weitere Idee ist, Richtlinien, die Staatshilfen verbieten, zeitweise auszusetzen.

In Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus senkte die Bank of England am Mittwoch ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 0,25 Prozent. Auch wenn die Auswirkungen des wirtschaftlichen Schocks infolge der Viruserkrankung Covid-19 höchst unsicher seien, dürfte sich die Konjunktur im Vereinigten Königreich in den kommenden Monaten deutlich abschwächen, warnten die Notenbanker.

Bank of England senkt den Leitzins

Der britische Aktienleitindex FTSE legte infolge der Zinssenkung zunächst zwei Prozent zu, drehte dann um 0,2 Prozent ins Minus. Am Devisenmarkt gab das britische Pfund zunächst nach, erholte sich später aber. Zum Dollar stieg die Währung des Königreichs 0,2 Prozent auf 1,2939 Dollar.

„Die Notenbanken springen jetzt zu Hilfe bei. Das ist gut so, zeigt es doch Handlungsbereitschaft“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank. „Allerdings kann derzeit die Geldpolitik nur bedingt helfen. Unternehmen, gerade auch kleine und mittlere Betriebe, brauchen Liquiditätszugang. Dies muss von den Staaten kommen. In Europa gibt es hier ein relativ dichtes Netz von staatlichen Förderbanken.“

Auch Italien will seine Hilfen für die notleidende Wirtschaft zum vierten Mal in einem Monat aufstocken. Ministerpräsident Giuseppe Conte nannte eine Summe von 25 Milliarden Euro, die dafür bereit stehe. Die Börse in Mailand legte zunächst 2,4 Prozent zu, drehte dann kurzzeitig ins Minus und endete dann wieder bei 0,3 Prozent im Plus.

Italien leidet wie kein zweites Land in Europa unter dem Coronavirus. Die Zahl der Infizierten liegt am Mittwochabend bei über 12.000, 827 Menschen sind an dem Virus gestorben. Für das ganze Land gilt ein Reiseverbot.

Trump liefert noch nicht

Die US-Börsen nahmen indes am Mittwoch ihre Talfahrt wieder auf. Nachdem die WHO das Coronavirus offiziell zur Pandemie erklärte, rutschten die Kurse noch weiter ab als zum Handelsbeginn. Beim Dow Jones waren es kurz nach der Verkündung fast fünf Prozent, beim Nasdaq um die vier Prozent und der S&P 500 bewegte fiel auf rund 4,5 Prozent.

Zuvor starteten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 mit Verlusten von bis zu zwei Prozent. Damit reagierten die Anleger auf das Verhalten von Donald Trump, der am Dienstag zur mit Spannung erwarteten Pressekonferenz nicht selbst erschien, sondern seinen Vize Mike Pence vorschickte. Dieser soll die Maßnahmen koordinieren und berichtete von Gesprächen Trumps mit Kongressvertretern. Konkrete Maßnahmen wurden nicht vorgelegt.

Die Nervosität der Anleger ist diese Woche auch deshalb so groß, weil zur Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus der Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland kommt. Die Preise für den Rohstoff gaben am Mittwoch wieder nach: Das Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete mit 35,95 Dollar 3,5 Prozent weniger als am Vortag. Der saudische Staatskonzern Saudi Aramco kündigte an, seine Produktion um eine Million Barrel auf 13 Millionen Barrel pro Tag erhöhen zu wollen. Aus Furcht vor versiegenden Gewinnen zogen sich Anleger bei dem weltgrößten Ölförderer zurück. Die Aktien fielen an der Börse Riad um 6,6 Prozent.

Angesichts dieser Gemengelage dürfte es vielen Investoren schwerfallen, die Nerven zu bewahren. „Wir raten dringend dazu, nicht aus Panik und Angst zu verkaufen, weil niemand die Ausmaße des Virus oder des Ölpreiskriegs kennt“, sagte Sandip Bhagat von Whittier Trust auf Bloomberg TV. „Wir wissen, dass die Preisanpassung langsam, schmerzhaft und langwierig sein wird.“

Was die Charttechnik sagt

Was im Dax charttechnisch zumindest für eine Beruhigung in den kommenden Handelstagen spricht: Mittlerweile notiert er mehr als 15 Prozent unterhalb der 200-Tage-Linie, des Indikators für den langfristigen Trend. Solch einen Abstand erreichte die Frankfurter Benchmark zuletzt im Dezember 2018, danach folgten deutliche Kurssteigerungen.

Fast alle technischen Indikatoren haben negative Extremwerte erreicht, was eine kräftige Gegenbewegung signalisiert. Allerdings gab es am gestrigen Dienstag mit 10.424 Punkten ein neues Korrekturtief, Indiz für einen schwachen Markt. Erst ein Handelstag ohne neues Tief wäre ein erstes Entspannungssignal.

Blick auf die Einzelwerte

Sportartikelhersteller: Bei Adidas werde der Umsatz in der Volksrepublik im ersten Quartal wegen des Coronavirus um 800 Millionen bis eine Milliarde Euro unter Vorjahr liegen, warnte das Unternehmen aus Herzogenaurach bei Vorlage seiner Jahresbilanz. Die Adidas-Aktie verlor 9,1 Prozent und war größter Dax-Verlierer. Der Rivale Puma gab zugleich die Hoffnung auf, dass sich die Lage rund um den Virus-Ausbruch schnell wieder normalisiert. Die Puma-Titel sackten um 4,5 Prozent ab.

Auch die Aktien des US-Sportartikelherstellers Nike waren nach den trüben Ausblicken der Rivalen unter Druck. Die Papiere rutschten zur Eröffnung in New York heftig um fast fünf Prozent ab auf 84,01 US-Dollar.

Lanxess: Die Coronavirus-Krise hinterlässt beim Spezialchemiekonzern Lanxess Spuren in der Bilanz. Im laufenden Geschäftsjahr werde deshalb mit einer Ergebnisbelastung zwischen 50 und 100 Millionen Euro gerechnet. Auch wenn Lanxess 2020 zwar mit einer stabilen operativen Geschäftsentwicklung rechne, werde deshalb insgesamt ein Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) auf 900 Millionen Euro bis 1,0 Milliarden Euro erwartet.

Für das erste Quartal werde gegenwärtig mit Belastungen von rund 20 Millionen Euro gerechnet. Im vergangenen Jahr stieg der bereinigte operative Gewinn um gut drei Prozent auf 1,019 Milliarden Euro. Lanxess erreichte damit seine Prognose. Die Lanxess-Papiere gewannen zuletzt 0,1 Prozent.

Hannover Rück: Der Rückversicherer erhöht nach einem Rekordergebnis 2019 die Dividende. Die Gewinnausschüttung an die Aktionäre soll inklusive Sonderdividende auf 5,50 (Vorjahr: 5,25) Euro je Aktie steigen. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer steigerte im vergangenen Jahr den Überschuss um ein Fünftel auf 1,28 Milliarden Euro, bekräftigte die Hannover Rück die Anfang Februar vorgelegten vorläufigen Zahlen.

Auch an der Prognose eines Konzerngewinns von rund 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr und eines Wachstums der währungsbereinigten Bruttoprämie um rund fünf Prozent hielt die Talanx-Tochter fest. Die Anteilsscheine von Hannover Rück legten zunächst zu, verloren dann aber etwa 2,1 Prozent.

Handelsblatt-Analystencheck

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Roche-Aktie in ihre „Conviction Buy List“ aufgenommen. Die Einstufung wurde auf „Buy“ mit einem Kursziel auf 400 Franken belassen. Die Wachstumsaussichten des europäischen Pharmasektors seien weitgehend unbeeinflusst von den jüngsten Belastungsfaktoren, schrieb Analyst Keyur Parekh in einer am Mittwoch vorliegenden Branchenstudie. Dabei seien vor allem die Aktien von Sanofi und Roche relativ sichere Häfen im gegenwärtigen Sturm. Gerade Roche zeichne sich durch sein sehr defensives Profil aus.

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Von 27 Analysten empfehlen 25 die Aktie zum Kauf und zwei zum Verlauf. Hier geht es zum Handelsblatt-Analystencheck.

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