Börse am 8. Juni: Sieben Punkte, die für Anleger heute wichtig sind
Blick auf die Anzeige an der Frankfurter Börse.
Foto: dpaDüsseldorf. Nach einem der größte Wochengewinne der Geschichte nähert sich der Dax der Marke von 13.000 Punkten. Der deutsche Leitindex legte in der vergangenen Woche um mehr als neun Prozent zu und ging am Freitag bei 12.848 Punkten aus dem Handel. Am Montagmorgen liegt das deutsche Börsenbarometer auf außerbörslichen Handelsplattformen allerdings leicht im Minus.
Nachdem der Dax im März zeitweise auf rund 8200 Stellen gefallen war, fehlen mittlerweile nur noch rund 1000 Punkte zum Rekordhoch von 13.795 Zählern. Angesichts dieser Aufholjagd warnen Beobachter derzeit immer lauter vor einer Überhitzung des Marktes.
Die Anleger setzen allerdings weiter auf eine schnelle Rückkehr aus der Coronakrise in die Normalität, unterstützt durch billionenschwere Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen. Die Angst etwas zu versäumen, präge die Stimmung, sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. „Es herrscht aktuell die tief sitzende Sorge vor, den signifikanten Aufschwung zu verpassen.“ Diese Hoffnung könnte sich aber als trügerisch erweisen, mahnt er.
So sind die wirtschaftlichen Verwerfungen durch das Coronavirus weiterhin enorm, wie sich am Sonntag zeigte. Chinas Außenhandel ist im Mai um 9,3 Prozent eingebrochen. Die Exporte der größten Handelsnation gingen in US-Dollar berechnet um 3,3 Prozent zurück. Die Importe sackten sogar um 16,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab, wie der chinesische Zoll am Sonntag in Peking berichtete. Die Ausfuhren entwickelten sich trotz der rückläufigen weltweiten Nachfrage zwar besser als erwartet. Doch bei den Einfuhren gab es eine schlechtere Entwicklung als vorhergesagt.
Am Montag dürften die Anleger unter anderem auf die Zahlen der deutschen Industrie sowie das Investorenvertrauen in der Euro-Zone schauen. Zudem erhoffen sie sich weitere Signale von Christine Lagarde. Am Montag hält die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Eröffnungsrede vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments.
Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard steht dagegen vor einem Kursrutsch, nachdem die Geschäftsräume des Unternehmens am Freitag von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden waren. Die Finanzaufsicht Bafin verdächtigt Wirecard der Marktmanipulation und hat das Unternehmen angezeigt.
1 – Vorgaben aus den USA
Am US-Aktienmarkt schienen zuletzt die Corona-Sorgen wie weggeblasen. Am Freitag ging es für die Indizes nach einer extrem positiven Überraschung am US-Arbeitsmarkt weiter bergauf. Der Beschäftigungsbericht des US-Arbeitsministeriums zeigte, dass die Arbeitslosenquote von 14,7 Prozent im April auf 13,3 Prozent im vergangenen Monat gesunken ist. Analysten hatten mit einem Anstieg auf 19,8 Prozent gerechnet.
„Schon die bisherige Aufholjagd nach dem Corona-Crash sprengt die Vorstellungskraft. Börse und ökonomische Realität scheinen aktuell so weit auseinander zu driften wie schon lange nicht mehr“, kommentierten die Charttechnik-Experten von Index Radar.
Der technologielastige Nasdaq 100 kletterte im Verlauf erneut auf ein Rekordhoch und schloss mit plus zwei Prozent auf 9824Punkten. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 2,6 Prozent auf 3194 Zähler hoch. Noch stärker präsentierte sich der Leitindex Dow Jones Industrial, der um 3,2 Prozent auf 27.111 Punkte anzog. Auf Wochensicht war dies für den Dow mit einem Zuwachs von fast sieben Prozent die beste Bilanz seit knapp zwei Monaten.
2 – Handel in Asien
Die Börse in Tokio hat sich am Montag zunächst stärker gezeigt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,2 Prozent höher bei 23.145 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,7 Prozent und lag bei 1624 Punkten. Die Börse in Schanghai lag 0,3 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,6 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 1,1 Prozent.
Auch hier ließ die überraschende Erholung der US-Beschäftigung die Anleger auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung hoffen.
3 – Wirecard-Aktie droht Kursrutsch
Bei der Aktie von Wirecard zeichnet sich an diesem Montag ein Kursrutsch ab. Nachdem die Geschäftsräume des Zahlungsdienstleisters am Freitag von der Staatsanwaltschaft durchsucht wurden, waren die Titel am Abend im nachbörslichen Handel um bis zu 11,6 Prozent abgesackt.
Die Finanzaufsicht Bafin verdächtigt Wirecard der Marktmanipulation und hat das Unternehmen angezeigt. Laut der Staatsanwaltschaft München stehen dabei die Adhoc-Mitteilungen Wirecards vom 12. März und dem 22. April im Fokus. Da es in Deutschland kein Unternehmensstrafrecht gibt, richten sich derlei Strafanzeigen immer gegen die handelnden Personen einer Gesellschaft – in diesem Fall gegen den vierköpfigen Vorstand des Unternehmens inklusive Vorstandschef Markus Braun.
4 – Industrieproduktion in Deutschland bricht ein
Deutsche Unternehmen haben ihre Produktion im April angesichts der Coronakrise stark gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorgern stellten zusammen 17,9 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statische Bundesamt am Montag mitteilte. Analysten hatten nur mit einem Rückgang von 15,5 Prozent gerechnet, nachdem es schon im Vormonat um 8,9 Prozent nach unten gegangen war.
„Der konjunkturelle Tiefpunkt ist damit erreicht“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium dazu. „Mit der schrittweisen Lockerungen der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie setzt nun die wirtschaftliche Erholung ein.“ Der Weg dürfte aber steinig werden: Der exportabhängigen Industrie brachen die Aufträge im April in Rekordtempo weg. Sie fielen um 25,8 Prozent niedriger aus als im März.
5 – Investorenvertrauen im Euro-Raum
Am Vormittag (10.30 Uhr) veröffentlicht die Sentix-Forschungsgruppe ihre Daten zum Investorenvertrauen im Euro-Raum für den Juni. Analysten rechnen im Schnitt trotz der zuletzt positiven Marktentwicklung mit einem weiteren Abrutschen auf minus 56,3 Zähler. Im Mai hatten die Lockdown-Maßnahmen in ganz Europa aufgrund die Stimmung noch nicht anheben konnten, damals war der Indikator auf minus 41,8 gefallen.
6 – Wirtschaft hofft auf Lagarde
Die seit November amtierende EZB-Chefin Christine Lagarde hält am Nachmittag (15.45 Uhr) ihre Eröffnungsrede vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments. Die Wirtschaft erhofft sich weiteren Zuspruch von der Zentralbankerin.
Erst am Donnerstag hatte Lagarde die Aufstockung ihres Krisenprogramms PEPP um weitere 600 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro angekündigt. Das waren noch einmal 100 Milliarden Euro mehr, als die meisten Beobachter erwartet hatten. Zudem soll das Programm bis mindestens Juni 2021 verlängert werden. Leitzins und Einlagezins ließ die Notenbank jedoch unverändert.
7 – Ölpreise setzen Erholungsrally fort
Die Ölpreise sind nach der Entscheidung der Staaten des Förderkartells Opec und der Kooperationspartner über eine verlängerte Drosselung der Produktion weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte am Montagmorgen um bis zu 1,11 Dollar oder knapp drei Prozent auf 43,41 Dollar zu und damit auf den höchsten Stand seit Anfang März. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um bis zu 89 Cent oder rund zwei Prozent auf 40,44 Dollar.
Termine Unternehmen am 8. Juni
- 10.00 Uhr Deutschland: 8. Verhandlungstag im Kapitalanleger-Musterverfahren gegen VW und Porsche
- 13.00 Uhr Deutschland: Stratec Biomedical, Hauptversammlung (online)07:00 LUX: Stabilus, Q2-Zahlen
- 20.00 Uhr Schweiz: The Native, Jahreszahlen
Termine Konjunktur am 8. Juni
- 08.00 Uhr Deutschland: Industrieproduktion 04/20
- 08.00 Uhr Deutschland: Insolvenzen, 1. Quartal 2020 einschließlich Trendindikator für Mai
- 09.00 Uhr Schweiz: SNB Devisenreserven 05/20
- 10,30 Uhr Euro-Raum: Sentix-Investorvertrauen 06/20
- 15.45 Uhr EU: Eröffungsrede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (online) vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments
- 17.45 Uhr EU: Eröffungsrede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (online) in ihrer Funktion als ESRB-Chefin vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments
Sonstige Termine am 08. Juni
- Belgien: Videokonferenz der EU-Entwicklungsminister
- Großbritannien: Großbritannien führt umstrittene 14-tägige Quarantänepflicht für Einreisende ein
Hinweis
- Australien: Feiertag, Börse geschlossen
Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.