Clemens Fischer: Pharmaunternehmer investiert 100 Millionen Euro in Cannabismedikament gegen Rückenschmerzen
Der umtriebige Pharmaunternehmer hat mit Cannabis als Medizin große Pläne.
Foto: FutrueFrankfurt. Der Pharmaunternehmer Clemens Fischer will ein Cannabismedikament gegen Rückenschmerzen auf den Markt bringen. Klappt alles wie geplant, wäre das eine weltweite Premiere. Denn bisher gibt es nur wenige Cannabisarzneimittel auf dem Markt. Und die wenigen, die verfügbar sind, sind für bestimmte Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie bei Kindern zugelassen, aber nicht zum Einsatz gegen Rückenschmerzen.
„Wir wollen ein Schmerzmittel etablieren, das eine Alternative zu Opioiden ist“, sagt der 46-jährige Fischer. Der promovierte Mediziner und MBA-Absolvent der Harvard Business School kennt sich aus bei dem Thema, verkauft er doch unter dem Dach seiner Futrue Holding in Gräfeling bei München seit Jahren Schmerzmittel. Opioide sind seiner Einschätzung nach zwar sehr wirksame Medikamente, aber sie würden wegen belastender Nebenwirkungen und des Risikos der Abhängigkeit – wie bei der Opioid-Krise in den USA zu beobachten – zunehmend hinterfragt.
Gerade hat der Unternehmer eine klinische Phase-3-Studie, die für die Zulassung des Mittels relevant ist, gestartet. Insgesamt sind mehr als 800 Patienten an rund 100 medizinischen Schmerzzentren in Deutschland und Österreich eingebunden. Sollte die Studie erfolgreich verlaufen, könnte das Cannabismedikament laut Fischer etwa Ende 2023 in Deutschland und anderen europäischen Ländern auf den Markt kommen.
Cannabis als Medizin ist seit März 2017 in Deutschland zugelassen – für die Therapie schwerer Erkrankungen, bei denen bisherige Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr oder nicht ausreichend wirken. Verabreicht werden überwiegend Blüten, Öle und Tropfen und sogenannte Rezepturarzneimittel auf Basis des Cannabisinhaltsstoffs THC, die in der Apotheke für die Patienten umgefüllt werden.
Fischer sieht großes Marktpotenzial für Cannabismedikament
Ärzte setzen Cannabis als Medizin bereits erfolgreich ein, um die Dosierung von Opioiden bei Schmerzpatienten zu reduzieren, erklärt Lothar Färber, habilitierter Arzt und langjähriger Pharmakologe bei Novartis. Nach Ansicht von Färber, der Fischer bei seinen Aktivitäten berät, könnte mit dem Cannabismedikament ein echter Durchbruch bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen gelingen.
Erste Daten zur Wirksamkeit des Medikaments erwartet Fischer im kommenden Jahr. Das Marktpotenzial für eine solche Therapie ist seiner Meinung nach sehr groß: Weltweit stehen Opioide nach den Zahlen des Marktforschungsinstituts IQVia für einen Umsatz von rund 14 Milliarden Euro. In Deutschland sind es laut Fischer 1,2 Milliarden Euro. Jede vierte Opioid-Verschreibung in Deutschland sei mittlerweile auf Rückenschmerzen zurückzuführen.
Insgesamt 100 Millionen Euro will Fischer in die Erforschung des Cannabismedikaments stecken. Das Geld hat er in den vergangenen Jahren mit den Unternehmen seiner Futrue Holding verdient. Fischer hat einige Jahre lang beim Novartis-Konzern Erfahrungen im Pharmageschäft gesammelt. 2007 gründete er sein eigenes Pharmaunternehmen, dem weitere folgten. Mittlerweile vereint die Futrue Holding mehr als 20 Pharma- und Gesundheitsfirmen unter ihrem Dach.
2019 erwirtschaftete Futrue laut Bundesanzeiger einen Umsatz von 105 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 18 Millionen Euro. Die Cannabisaktivitäten hat Fischer in der Vertanical GmbH gebündelt. Die bietet seit 2019 bereits Extrakte aus Cannabis an. Blüten und das Rezepturarzneimittel Dronabinol werden im laufenden Quartal auf den Markt gebracht. Vertanical betreibt unter anderem in Dänemark eine Forschungsanlage sowie Plantagen für den Anbau von Cannabis.