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PharmaSGP Was der rastlose Pharmaunternehmer Clemens Fischer als Nächstes plant

Im Juni brachte der Unternehmer PharmaSGP an die Börse. Nun sucht er nach neuen Medikamenten, die schwer kranken Menschen helfen sollen – auch im Bereich Cannabis.
06.07.2020 - 13:28 Uhr 1 Kommentar
Der Gründer und Inhaber des Gesundheitsunternehmens Futrue aus Gräfeling bei München baute das 100 Millionen Euro Unternehmen binnen eines Jahrzehnts auf. Quelle: Futrue
Pharmaunternehmer Clemens Fischer

Der Gründer und Inhaber des Gesundheitsunternehmens Futrue aus Gräfeling bei München baute das 100 Millionen Euro Unternehmen binnen eines Jahrzehnts auf.

(Foto: Futrue)

Frankfurt Clemens Fischer will etwas bewegen – als Unternehmer und als Mediziner. Im Juni hat der 45-Jährige eine seiner Firmen an die Börse gebracht. Das erlöste Geld will er in Medikamente für seltene Erkrankungen investieren: „Es ist mir ein großes Anliegen, Patienten, die nicht ausreichend therapiert sind, zu helfen“, sagt er.

Knapp 127 Millionen Euro brutto erlösten Fischer und seine Partnerin Madlena Hohlefelder, 39, aus dem Börsengang der PharmaSGP im Juni. Das Unternehmen mit zuletzt knapp 63 Millionen Euro Jahresumsatz ist auf rezeptfreie Medikamente spezialisiert, darunter die Schmerzmittel Rubaxx und Restaxil.

Im volatilen Börsenumfeld der Coronakrise war der Börsengang nicht einfach. Aber er gelang schließlich mit reduziertem Volumen der ausgegebenen Aktien und einem Preis am unteren Ende der Preisspanne. Fischer hielt zuvor 90 Prozent an PharmaSGP, die Juristin Hohlefelder zehn Prozent. Jetzt kommen beide auf zusammen 66,5 Prozent.

Im Moment sondiert Fischer verschiedene Produktkandidaten im Bereich seltene Erkrankungen. Kann er eines davon auf den Markt bringen, wäre es für ihn eines der ersten verschreibungspflichtigen Medikamente. Bisher hat er sich vor allem auf rezeptfreie Produkte konzentriert: Fischer kaufte alte Zulassungen und Registrierungen auf, entwickelte sie weiter und vermarktete sie mit viel Werbedruck.

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    So hat der promovierte Mediziner und MBA-Absolvent der Harvard Business School binnen eines Jahrzehnts ein millionenschweres Pharmaunternehmen aufgebaut. Branchenerfahrung hatte Fischer zuvor beim Pharmakonzern Novartis gesammelt. Aber weil ihm im Großkonzern manches zu langsam ging, startete er selbst als Unternehmer.

    Erfolg mit jungen Mitarbeitern

    Fischer ist ein Macher, rastlos und voller Tagendrang. Das dringt immer wieder durch, wenn er von seinen Aktivitäten spricht. „Ich bin ein großer Verfechter von Learning by Doing. Ideen müssen natürlich diskutiert und bewertet werden, aber dann sollte man auch schnell und fokussiert losmarschieren und nicht Wochen oder Monate in Abstimmungsprozessen hängen. Die Route kann man bei Fehlern ja noch adaptieren“, sagt er.

    In seiner Futrue Holding in Gräfeling bei München, zu der mittlerweile mehr als 20 Unternehmen gehören, setzt er vor allem auf junge motivierte Mitarbeiter, die etwas bewegen wollen. Die Zahlen der Gruppe, deren Spektrum von Funktional Food über Arzneimittel bis zu E-Health reicht, sprechen für den geschäftlichen Erfolg.

    2018 wuchs das Unternehmen laut Bundesanzeiger um zehn Prozent auf mehr als 105 Millionen Euro Umsatz, der Jahresüberschuss lag in etwa stabil bei 20 Millionen Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von knapp 93 Prozent und liquiden Mitteln von mehr als 92 Millionen Euro im Jahr 2018 hat das Unternehmen Spielraum für Investitionen.

    2019 ist die Holding laut Fischer erneut zweistellig gewachsen und hat das auch in diesem Jahr vor. Die Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Fischer spricht von einer operativen Gewinnmarge von 35 Prozent, die 2019 erreicht wurde. Bald 260 Mitarbeiter sind in der Futrue Holding beschäftigt. Aktuell werden weitere 150 gesucht.

    „Die Idee der Futrue-Gruppe ist, dass die Holding sich um die Bereiche kümmert, die die Tochterunternehmen davon abhalten, sich auf ihr Geschäft zu konzentrieren und es voranzubringen“, sagt Fischer. Futrue übernimmt etwa Buchhaltung und Finanzen und kümmert sich um Rechtsfragen.

    „PharmaSGP haben wir auch deshalb an die Börse gebracht, weil das Unternehmen sich sehr gut entwickelt hat und so aufgestellt war, dass es auch ohne Unterstützung von Futrue agieren kann. Und weil wir mit diesen Mitteln unsere weiteren innovativen Pläne effektiv angehen können“, sagt Fischer.

    Uwe Baumann, Vorstandsmitglied des Naturarzneimittelherstellers Bionorica, kennt Clemens Fischer seit Novartis-Zeiten. Aus seiner Sicht zeichnet Fischer aus, dass er sehr schnell, sehr intelligent und sehr entschlossen ist. „Ich kenne keinen, der Projekte so schnell ausführt und seine Ziele so konsequent umsetzt“, sagt der Bionorica-Manager.

    Investition in Cannabis-Unternehmen

    Große Aufmerksamkeit legt Fischer derzeit auf die Unternehmenstochter Vertanical. Diese ist im vergangenen September mit dem Verkauf von Cannabis-Extrakten für den medizinischen Einsatz gestartet. Seit 2017 können Cannabisblüten und Extrakte schwer kranken Patienten in Deutschland auf Rezept verordnet werden.

    Auch hier ist Fischer bestrebt, Menschen zu helfen, die therapeutisch nicht mehr viele Behandlungsoptionen haben. Es geht um Patienten mit chronischen Schmerzen, von denen es laut Fischer allein in Deutschland etwa 2,5 bis drei Millionen gibt. Rund 100 Millionen Euro steckt er in den Aufbau von Vertanical. Dazu gehört eine eigene Cannabisplantage in Dänemark, bei der die erste Ausbaustufe für zehn Tonnen Cannabisblüten pro Jahr fertiggestellt ist, sowie der Aufbau einer Produktionsanlage in Österreich.

    Gerade hat Vertanical für die Anlage in Dänemark die notwendige Zertifizierung bekommen und kann nun die Ausfuhrgenehmigung beantragen. „Bisher konnten wir die Cannabis-Expansion aus eigener Tasche bezahlen“, sagt Fischer. Grundsätzlich könne er sich aber vorstellen, einen stillen Teilhaber in das Unternehmen zu holen. „Still“ deshalb, weil er als Unternehmer Verantwortung habe und daher auch den Kurs bestimmen möchte.

    Im Cannabisgeschäft will Vertanical noch in diesem Jahr mit dem Verkauf von Dronabinol starten, das aus der psychoaktiven Substanz THC der Cannabisblüten besteht und als Rezepturarzneimittel verschrieben wird. Außerdem arbeitet das Unternehmen mit einem Partner an einer innovativen Applikationsform, mit der bei der Einnahme ein besonders schneller, jedoch dosierter Wirkeintritt von Cannabis erreicht werden soll. „Dies innerhalb von nur einer Minute, um starke Schmerzen sofort therapieren zu können“, sagt Fischer.

    Aber letztlich will Fischer auch in diesem Bereich ein neues verschreibungspflichtiges Fertigarzneimittel anbieten: „Mein großes Ziel ist es, eine neue Klasse von Schmerzmitteln auf der Basis von Cannabis zu entwickeln“, sagt er. Ende des Jahres sollen dazu die klinischen Studien starten. Wenn alles so läuft wie geplant, könnte das Mittel 2022/23 auf den Markt kommen.

    Mehr: Das Cannabis-Start-up Sanity Group sichert sich 20 Millionen Euro

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    1 Kommentar zu "PharmaSGP: Was der rastlose Pharmaunternehmer Clemens Fischer als Nächstes plant"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Engagement ist lobenswert. Die notwendige biologisch-pharmazeutische
      Forschung ist jedoch nur mit staatlicher Hilfe, d.h. auch teils ganz durch den Staat finanzierbar. Jetzt zeigt sich, dass viel zu wenig geforscht wurde im Bereich Viren. Forschungs-Projekte wurden abgelehnt, wegen schwarzer Null. (...) es kostet Billionen, statt vielleicht nur einer halben Milliarde für verpasst Forschung der letzten 5 Jahre. Wenn es nicht anders geht, muss künftig die Notenbank die Forschung finanzieren. Es wird Zeit, die EZB zu entfesseln, mit neuen Regeln, zum Wohle der Menschen.

      (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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