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AutobauerVW-Werk in Wolfsburg droht schwächste Produktion seit Jahrzehnten

Im Stammwerk könnte 2021 noch weniger produziert werden als im schwachen Vorjahr. Die Betriebsratsvorsitzende übt scharfe Kritik an Konzernchef Diess.Roman Tyborski 20.10.2021 - 16:07 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die schwache Auslastung des Hauptwerks hat schon wiederholt für Streit zwischen Betriebsrat und Management gesorgt.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Rund drei Wochen vor der Planungsrunde des VW-Aufsichtsrats kocht die Stimmung in Wolfsburg hoch. Am Mittwoch hieß es aus Konzernkreisen, dass der Chipmangel die Produktion im Stammwerk von Europas größtem Autobauer offenbar massiv einschränkt.

Wie das Wochenmagazin „Die Zeit“ und die Nachrichtenagentur Reuters berichten, könnten in Wolfsburg im laufenden Jahr so wenige Autos produziert werden wie zuletzt 1958. Bis Ende September seien gerade einmal etwas mehr als 300.000 Fahrzeuge gebaut worden.

Bereits im Vorjahr lief weniger als eine halbe Million Fahrzeuge vom Band. Und laut Insidern, die „Die Zeit“ zitiert, werde diese Marke in diesem Jahr offenbar nochmals unterschritten. Im Rahmen des „Zukunftspakts“, den Betriebsrat und Management Ende 2016 beschlossen hatten, wurde das Wolfsburger Stammwerk eigentlich auf die Produktion von bis zu einer Million Fahrzeuge ausgelegt.

Daniela Cavallo, Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen, ist alarmiert. Sie warf dem Management um Konzernchef Herbert Diess Konzeptlosigkeit vor: „Wir können aus der Unternehmensleitung noch keinen Plan erkennen, wie diese Krise gemanagt werden kann“, sagte sie der Zeitung. So hätten weder BMW noch Toyota derartige Schwierigkeiten in der Produktion.

Damit zeichnet sich eine hitzige Planungsrunde um die Zukunft von Wolfsburg im Aufsichtsrat von VW ab. Das Gremium kommt am 12. November zusammen. In der vorangegangenen Aufsichtsratssitzung hatte VW-Chef Herbert Diess bereits für Aufsehen gesorgt, als er Pläne über einen massiven Stellenabbau präsentierte. Dieser hätte vor allem das Hauptwerk in Wolfsburg betroffen. Demnach stünden rund 30.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Diess versicherte auf einer Führungskräftetagung am vergangenen Wochenende, dass er keinen Abbau von Arbeitsplätzen im Sinn hatte. Es ginge eher darum, den Konzern insgesamt effizienter und entscheidungsschneller zu machen.

Betriebsrat fordert nachhaltige Auslastung

Die schwache Auslastung und die niedrige Produktivität des Hauptwerks haben wiederholt für Streit zwischen Betriebsrat und Management gesorgt. Aus VW-Betriebsratskreisen heißt es nun, dass man unter anderem mit zwei Kernforderungen in die Planungsrunde gehe: Zum einen solle nach Zwickau, Emden und Hannover, wo VW Elektroautos fertigen lässt, spätestens 2024 auch Wolfsburg zum Zuge kommen.

Man wolle nicht bis zum Produktionsstart der Modelle des Trinity-Projekts warten, der für 2026 vorgesehen ist. In Wolfsburg sollen bereits vorher die elektrischen ID-Modelle vom Band laufen.

Zum anderen fordert der Betriebsrat eine nachhaltige Auslastung des Hauptwerks. „Im vergangenen Jahr wurde eigentlich eine Untergrenze von 820.000 Fahrzeugen in Wolfsburg geplant. Mittelfristig sollte es sogar eine Million sein. Das muss auch weiterhin das Ziel sein“, sagte ein Betriebsratssprecher. Seinen bisherigen Produktionsrekord erreichte das Werk zu Käfer-Zeiten 1964 mit knapp 960.000 Fahrzeugen.

Das Problem: Das Stammwerk in Wolfsburg leidet besonders unter dem Chipmangel. Dort werden Volumenmodelle wie der Golf oder der Tiguan produziert, die derzeit keine Priorität genießen. Denn die wenigen Chips, die vorhanden sind, verbaut der VW-Konzern stattdessen in margenstarke Modelle, um die Produktionsverluste finanziell aufzufangen. Zahlreiche Chips landen aber auch in Zwickau, wo VW den ID.3 fertigt.

Der Grund: Margenstarke Verbrennerfahrzeuge stoßen in der Regel sehr viel CO2 aus. In der Europäischen Union allerdings gelten CO2-Obergrenzen. Demnach darf die gesamte Fahrzeugflotte einer Marke im Schnitt nicht die Menge von 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Überschreitet ein Hersteller diesen Wert, drohen Strafzahlungen. Mithilfe von Elektroautos, die in der Bilanz mit null Gramm CO2 pro Kilometer geführt werden, können Autobauer den Flottenausstoß senken.

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