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KommentarEs ist Zeit für den Verbrenner-Ausstieg

Der Abschied vom Verbrenner wird viele Jobs kosten. Dennoch müssen BMW, Daimler und Volkswagen konsequent auf die Elektromobilität umstellen. Mehr noch: Sie müssen Vorreiter sein.Martin Murphy 11.11.2021 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Die großen Autokonzerne müssen auf E-Mobilität umstellen.

Foto: dpa

In 24 Ländern hat der Verbrenner als Autoantrieb nun ein festes Ablaufdatum. Großbritannien, Dänemark und andere Nationen haben sich auf der Weltklimakonferenz in Glasgow darauf verständigt, dass spätestens ab dem Jahr 2040 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge verkauft werden dürfen. Die Unterschrift Deutschlands fehlt unter der Vereinbarung. Das ist ein Fehler.

Die Bundesrepublik positioniert sich als Vorreiter klimaschonender Politik. In der Tat hat Berlin über Gesetze und eine strengere Regulierung den Ausstoß von Kohlendioxid derart eingedämmt, dass viele Unternehmen ihre Arbeitsprozesse und Produkte angepasst haben. Die Vorstandschefs der Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen stellen ihre jeweilige Modellpalette zunehmend auf emissionsfreie Fahrzeuge um.

Auf der Liste der Fahrzeugproduzenten, die die Vereinbarung aus Glasgow unterstützen, steht aber nur Daimler. VW-Chef Herbert Diess sagte jetzt auf dem Handelsblatt-Autogipfel immerhin, dass der Klimawandel die größte Herausforderung für die Menschheit sei. Ein festes Datum für einen Ausstieg aus der Verbrennertechnologie lehnt er aber ab. Für Oliver Zipse von BMW hat die Glasgower Konvention sogar einen gegenteiligen Effekt. Bei einem schnellen Verbot würden die Verbraucher ihre alten Autos weiterfahren.

Sein Argument ist zutreffend. In der Tat schrecken viele Menschen vor dem Umstieg auf E-Autos zurück, da keine ausreichende Ladeinfrastruktur existiert. Die bisherigen Anstrengungen von Industrie und Politik dürften auch nicht reichen, um diesen Missstand zu beseitigen. An diesem Defizit zeigt sich, woran es in Deutschland mangelt: an Mut und Entschlossenheit.

Angesichts der Investitionen der Autobauer in die E-Mobilität mag dieser Vorwurf zunächst ungerecht erscheinen. Immerhin liegen die branchenweit im oberen zweistelligen Milliardenbereich. Zu diesen Ausgaben sind die Unternehmen indes vor allem über eine strengere Regulierung gezwungen worden. Ohne die von der EU-Kommission vorgegebenen Emissionsziele wären BMW, Daimler und VW nicht so weit mit ihren E-Fahrzeugen.

Konsequenz zahlt sich an den Börse aus

Die Konzerne haben also auf eine gesetzliche Vorgabe reagiert. Wer einen Markt aber aktiv gestalten will, der braucht Eigeninitiative, braucht Pioniergeist. Der schwedische Autoproduzent Volvo verfügt über beides. Das Unternehmen hat seine Aktivitäten im Bereich Verbrennertechnologie weitgehend abgespalten und fokussiert sich voll und ganz auf die Fertigung von Elektrofahrzeugen.

Bei Investoren kommt dieses konsequente Handeln an. Der Börsengang von Volvo Car vor wenigen Tagen war ein Selbstläufer. Wenn es in Europa ein Unternehmen gibt, das sich am ehesten mit dem US-Elektropionier Tesla vergleichen lässt, dann sind es die Schweden.

Mit seiner Fokussierung auf Elektromobilität ist das vom chinesischen Geely-Konzern kontrollierte Unternehmen konsequenter als seine deutschen Konkurrenten. BMW und Volkswagen investieren weiter in Verbrenner; eine erkennbare Abkehr leitet lediglich Daimler ein. Die Schwaben haben kleinere Motoren in eine Gemeinschaftsfirma mit Geely eingebracht, größere Aggregate dürften in absehbarer Zeit folgen. Auch einige Getriebemodelle wird Daimler an Dritte auslagern.

An der Börse dürften die von Konzernchef Ola Källenius eingeleiteten Umbauten positiv aufgenommen werden. Viel wichtiger aber ist, dass Källenius seine Gesellschaft auf den zukünftigen Kern fokussiert. Verbrenner werden dauerhaft keine Rolle spielen. Ob nun der finale Abschied im Jahr 2040 oder später kommt, ist nicht entscheidend. Es ist eine sterbende Technologie, und Investitionen in diese lohnen sich bestenfalls kurzfristig.

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Dass Deutschland den Verbrenner so lange wie möglich am Leben erhalten will, ergibt letztlich keinen Sinn. Ohne Frage werden viele Arbeitsplätze überflüssig werden, da für ein E-Fahrzeug weniger Arbeitsschritte nötig sind als bei einem Benziner oder Diesel. Diese Jobs müssen aber nicht verloren gehen. Denn wer als erstes Unternehmen ein Feld besetzt, der kann dieses entwickeln. Damit entstehen neue Arbeitsstellen.

Ein Verharren in der Verbrennerzeit ist für die Industrie das größere Risiko. Die Bundesregierung wie auch die Chefs von BMW und VW sind trotz berechtigter Bedenken gut beraten, dem Vorbild von Daimler zu folgen und ein festes Datum für das Verbrenner-Aus zu benennen. Auch für den Schutz des Klimas.

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