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Autokonzern„Wir können keine Sekunde warten“: Daimler-Chef will Mercedes-Umbau nach Truck-Abspaltung forcieren

Das Börsendebüt der Lkw-Einheit sei geglückt, sagt Daimler-CEO Ola Källenius. Dies sei aber nur ein Zwischenschritt bei der Transformation von Mercedes.Franz Hubik, Martin Murphy 10.12.2021 - 13:18 Uhr Artikel anhören

Der Daimler-CEO zeigt sich zufrieden mit der Abspaltung des Lkw-Geschäfts.

Foto: dpa

München, Berlin. Am Freitag löste Daimler-Chef Ola Källenius endgültig eine seit 125 Jahren bestehende „Wohngemeinschaft“ auf. Der Autobauer hat sein Geschäft mit schweren Lastwagen und Bussen an die Börse gebracht – Zehntausende Mitarbeiter beziehen in Leinfelden-Echterdingen ein neues Quartier, während die Pkw-Truppe von Mercedes-Benz in Stuttgart bleibt.

Das erklärte Ziel von Daimler, mit der Abspaltung der Truck-Division mehr Wert für die Aktionäre zu generieren, sei „sehr gut gelungen“, sagte Konzernchef Ola Källenius dem Handelsblatt. Allein nach der Ankündigung des Schrittes im Februar sei die Aktie schließlich um zehn Prozent nach oben geschossen. Und im Vergleich zur letzten Bewertung als Konglomerat von gut 90 Milliarden Euro liegen Daimler und Daimler Truck zusammengerechnet nun „leicht oberhalb“ dieses Niveaus.

Viel wichtiger sei aber jetzt, den Blick nach vorn zu richten, betont Källenius: „Wir können keine Sekunde warten, unsere Strategie umzusetzen.“ Die Geschwindigkeit, in der sich die Autoindustrie transformiere, nehme zu, nicht ab. Daher dürfe der Mercedes-Hersteller keinesfalls bremsen.

Tatsächlich durchläuft die Automobilindustrie gerade einen radikalen Veränderungsprozess. Verbrennungsmotoren werden durch Elektroantriebe ersetzt und die Fahrzeuge digital vernetzt. Beide Entwicklungen verschlingen viel Geld. Selbst mit neuen, kompromisslosen Elektroplattformen und eigenen Software-Architekturen geraten Konzerne wie Daimler durch neue Wettbewerber wie Tesla, Google, Nio, Apple oder Lucid zunehmend unter Druck.

Um die Attacken aus dem Silicon Valley und von chinesischen Start-ups abzuwehren, will Källenius sich nun zu „hundert Prozent“ auf das Geschäft mit noblen Pkws und Vans der Marke mit dem Stern fokussieren.

Ein neues Betriebssystem für jeden Mercedes

Die Marschrichtung dabei ist klar: Bereits bis Ende der Dekade strebt Mercedes an, nur noch Elektroautos zu verkaufen und mit digitalen Services die Margen in die Höhe zu treiben. Die erste Version des neuen Betriebssystems (MBOS 1.0) sei bereits „in der Umsetzung“, erklärt Källenius und hofft auf zusätzliche Umsätze mit Abo-Angeboten.

Der deutsche Autobauer Daimler hat sein Geschäft mit Lkw und Bussen abgespaltet. Daimler-CEO Källenius zeigte sich zum Börsendebut mit einer Bewertung von 23 Milliarden Euro zufrieden – Experten hatten hingegen mit bis zu 45 Milliarden gerechnet.

Zudem will der 52-Jährige das Fahrzeugportfolio weiter optimieren und stärker auf Luxus setzen. Lukrative Submarken wie AMG oder Maybach rücken in den Fokus. Marge gehe vor Masse. „Wir jagen nicht das Volumen“, sagt Källenius. Diese Ausrichtung zeitige bereits erste Erfolge, die Deckungsbeiträge pro Fahrzeug steigen. „Aber auch hier gilt: Das ist der Anfang und nicht das Ende des Marathons“, erklärte der Schwede.

Drohende Ermüdungserscheinungen will Finanzchef Harald Wilhelm zudem erst gar nicht aufkommen lassen und die Sparanstrengungen fortsetzen. „Das ist Hochleistungssport, was wir hier machen. Wir dürfen bei der Fitness nicht nachlassen, sondern werden immer weiterarbeiten“, kündigte der Manager an. Mit dem Fokus auf margenstarke Modelle habe Mercedes insgesamt das Geschäftssystem gestärkt. „Den Pfad, den wir eingeschlagen haben, wollen wir halten“, verspricht Wilhelm den Investoren.

Abhängigkeit von China wächst

Mit der Abspaltung der Lkw-Einheit, die stark in Nordamerika positioniert ist, steigt bei Mercedes nun aber die Abhängigkeit von China weiter an. Schon heute verkauft der Konzern mehr als 60 Prozent seines luxuriösesten Modells – der Maybach S-Klasse zum Basispreis von 166.900 Euro – in Fernost. Auch der China-Anteil am Gesamtabsatz liegt bei weit über 35 Prozent.

Ein Risiko sieht Mercedes-Frontmann Källenius in dieser Abhängigkeit aber nicht. Im Gegenteil. „Wir glauben sehr stark, dass China in dieser Dekade nach vor wie vor ein Wachstumsmotor sein wird.“ Zuletzt sind am Kapitalmarkt freilich die Sorgen gestiegen. Schließlich konnte Evergrande, der zweitgrößte Immobilienfinanzierer Chinas, seine Kredite nicht mehr bedienen. Hinzu kommt ein Erstarken des Nationalismus in der Volksrepublik, was die Geschäfte für ausländische Unternehmen erschwert.

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Das Land biete dennoch unverändert ein „hohes Wachstumspotenzial“, beteuerte Källenius. Es sei zwar klar, dass es konjunkturelle Zyklen gebe und China ein wettbewerbsintensiver Markt sei. Aber Daimler wolle im Reich der Mitte seine Chancen nutzen. Zumal Källenius allmählich eine Entspannung bei der Versorgung mit Halbleitern sieht.

Im vierten Quartal habe sich die Lage bereits gebessert, sagte der Daimler-Chef. Der Chipmangel werde die Industrie zwar auch im kommenden Jahr noch prägen, aber weniger stark. 2023 rechnet Källenius dann mit einer zunehmenden Erholung. Bis dahin will der Skandinavier seinen Mitarbeitern zumindest eine kurze Auszeit gönnen. Seine Vorgabe lautet: „Durchschnaufen über Weihnachten, aber nicht länger.“

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