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  4. Migranten tragen erheblich zur Linderung von Fachkräfteengpässen bei, zeigt eine IW-Studie

ArbeitsmarktEinwanderer lindern den Arbeitskräftemangel – gerade da, wo es die größten Engpässe gibt

Jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat einen ausländischen Pass. Ohne Migration wären die Fachkräfteengpässe viel größer, zeigt eine IW-Studie.Frank Specht 13.01.2022 - 12:59 Uhr Artikel anhören

Bis heute leisten Migranten einen bedeutenden Beitrag gegen den Arbeitskräftemangel in Deutschland.

Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin. Im vergangenen Sommer sorgte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit einer Wortmeldung für Wirbel: Deutschland sei auf 400.000 Einwanderer pro Jahr angewiesen, wenn dem Land nicht die Arbeitskräfte ausgehen sollen, sagte Detlef Scheele.

Auch wenn der BA-Chef damit nur bekannte Zahlen wiederholte, so unterstrich er mit seiner Äußerung doch, welche Bedeutung die Migration für den Wohlstand hat. Diese wird nun durch eine Studie untermauert, die das beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) angesiedelte Kompetenzzentrum Fachkräfte (Kofa) für die Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat.

Gerade in Berufen mit Personalengpässen stellten Einwanderer und Geflüchtete einen ganz wesentlichen Anteil der Beschäftigten, heißt es darin. Viele gesellschaftlich und wirtschaftlich notwendige Tätigkeiten könnten ohne Migrantinnen und Migranten nicht mehr erfüllt werden.

So hatten beispielsweise in der Altenpflege im Jahr 2020 bereits 8,2 Prozent aller Fachkräfte einen ausländischen Pass, der Anteil hat sich seit 2013 fast verdoppelt. Ähnlich sieht es in der Gesundheits- und Krankenpflege aus. In der Bauelektrik kommt jeder achte Beschäftigte aus dem Ausland, in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik rund jeder zehnte.

Diese Berufe zählen zu den mit den größten Fachkräftelücken bundesweit. Migranten helfen also bei der Besetzung offener Stellen. Auch hinter den Lenkrädern von Lkw oder in Restaurants ist das Personal knapp. So fehlten im Herbst vergangenen Jahres – trotz pandemiebedingt gebremster Nachfrage – bundesweit 12.000 Berufskraftfahrer und 4200 Gastronomie-Fachkräfte.

Zugewanderte lindern Personalengpässe bei Berufskraftfahrern oder in der Gastronomie

Ohne Zugewanderte wäre der Mangel aber noch viel größer. Denn bereits heute sitzen knapp 133.000 Zugewanderte hinter dem Steuer eines Lkw, damit ist rund jeder vierte Kraftfahrer mit Berufsausbildung nicht in Deutschland geboren. Wie schwierig es ist, gerade die Logistik ohne Migranten am Laufen zu halten, muss Großbritannien schmerzlich erleben, dem mit dem Brexit auch viele Lkw-Fahrer abhandengekommen sind.

Hierzulande kommt aber auch die Gastronomie ohne Zugewanderte nur schwer über die Runden. Von den Fachkräften in dieser Branche haben 91.000 und damit knapp ein Drittel eine ausländische Staatsangehörigkeit. Von allen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern sind mehr als vier Millionen zugewandert – etwa jeder achte. Gegenüber 2013 entspricht das einer Steigerung von 75 Prozent. Knapp die Hälfte davon hat Jobs, die eine berufliche oder schulische Ausbildung erfordern.

Für Deutschland wird es aber zusehends schwieriger, Migranten aus dem Ausland zu gewinnen. So geht der Wanderungssaldo, also die Differenz aus Zu- und Fortzügen, seit 2016 kontinuierlich zurück, wie aus dem Migrationsbericht 2020 des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervorgeht, den das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet hat.

Trotz starker Einschränkungen durch die Pandemie ist die Einwanderung im ersten Coronajahr aber nicht vollends zum Erliegen gekommen. In Summe wanderten rund 220.000 Menschen mehr nach Deutschland zu als abwanderten. Mehr als zwei von drei Zuwanderern aus dem Ausland kamen dabei aus einem anderen EU-Land. Die größte Gruppe stellten Rumänen, gefolgt von Polen und Bulgaren.

Die Fluchtmigration ist im ersten Coronajahr stark gesunken, was mit zum Rückgang des positiven Wanderungssaldos beigetragen hat. Wurden 2019 noch rund 142.500 Asylanträge in Deutschland gestellt, waren es ein Jahr später nur noch knapp 102.600. Im abgelaufenen Jahr hat sich der Trend aber umgekehrt. 2021 registrierte das BAMF wieder 190.816 Asylanträge. Syrien, Afghanistan und Irak waren die drei Hauptherkunftsländer der Schutzsuchenden.

Dabei tragen auch Geflüchtete mit dazu bei, den Arbeitskräftemangel in Deutschland zu dämpfen – und das keineswegs nur in Helfertätigkeiten, für die keine Ausbildung benötigt wird.

Laut der Kofa-Studie gingen im Jahr 2020 rund 315.000 Geflüchtete einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Davon hatten rund 120.000 einen Job, der eine berufliche oder schulische Ausbildung erfordert – das waren fünfmal mehr als 2013. Allerdings wurde der Höhepunkt der Fluchtmigration nach Deutschland auch erst 2015 erreicht. Vor allem das Gastgewerbe und die Lagerwirtschaft bieten Geflüchteten berufliche Perspektiven.

Wie die IW-Forscher hervorheben, stieg selbst im Krisenjahr 2020 die Zahl der in Fachkraftberufen beschäftigten Geflüchteten weiter an – obwohl sie überproportional häufig in von der Pandemie stark betroffenen Dienstleistungsberufen tätig sind. Dies sei ein Indiz für erfolgreiche Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen.

Migranten helfen bei der Bewältigung der Ausbildungsmisere

Migranten helfen den Unternehmen zunehmend auch bei der Besetzung freier Lehrstellen. Im Jahr 2019 wurden 60.000 Ausbildungsverträge mit ausländischen Jugendlichen geschlossen – doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Knapp zwei von drei Migranten begannen ihre Ausbildung in einem Beruf mit Fachkräfteengpass. Von den Ausbildungsanfängern mit deutschem Pass traf das 2019 nur auf knapp 58 Prozent zu.

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Migranten und Geflüchtete leisteten „einen wichtigen und überdurchschnittlichen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Fachkräftebedarfe, insbesondere in den am Arbeitsmarkt stark nachgefragten Berufen“, heißt es in der Studie, die auch regionale Unterschiede beleuchtet.

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Am höchsten ist der Anteil von Migranten an allen Beschäftigten in Fachkraftberufen mit 15,1 Prozent in Baden-Württemberg, gefolgt von Hessen (14,6 Prozent) und Bayern (13,5 Prozent). Die niedrigsten Quoten mit 3,5 Prozent oder knapp darüber haben Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

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