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Ukraine-KriegWintershall schreibt Nord Stream 2 ab – Russischer Großaktionär Fridman gibt Führung seiner Gesellschaft ab

Der Gasproduzent bleibt zwar in Russland, schränkt seine Geschäftsbeziehungen aber radikal ein. Beim Wintershall-Anteilseigner Letter One gibt es zudem einen Umbruch.Jürgen Flauger, Kathrin Witsch 02.03.2022 - 20:03 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Im Joint Venture Achimgaz produzieren Wintershall und Gazprom in Westsibirien Erdgas. Die BASF-Tochter will weiter vor Ort bleiben, aber die Aktivitäten reduzieren.

Foto: dpa

Düsseldorf. Nach BP, Shell und Exxon Mobil reagiert nun auch der deutsche Öl- und Gasproduzent Wintershall Dea auf den Ukrainekrieg und schränkt sein Russlandgeschäft radikal ein. Die BASF-Tochter schreibt das umstrittene Nord-Stream-2-Projekt ab und setzt alle Vorhaben für neue Förderprojekte in Russland aus, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. In Nord Stream 2 hatte Wintershall rund eine Milliarde Euro investiert. 

Wintershall Dea bleibt zwar bewusst im Land und hält die bestehende Gasförderung in Sibirien vorerst aufrecht, wird die Aktivitäten aber wirtschaftlich autark betreiben. „Die Förderprojekte liefern Erdgas und versorgen Europa mit Energie“, heißt es zur Begründung in einem Statement. Es wird keine Zahlungen mehr von und nach Russland geben. Diese seien mit sofortiger Wirkung gestoppt. 

Wintershall Dea stand zuletzt massiv unter Druck, auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu reagieren. Schließlich hat das Unternehmen seit Jahrzehnten enge Beziehungen nach Russland und gilt als einer der größten Partner des weltgrößten Gasproduzenten Gazprom. Wintershall Dea fördert gemeinsam mit Gazprom Gas und hat beim 50:50-Joint-Venture sogar die Betriebsführung inne.

Wintershall ist zwar in 13 Ländern aktiv, Russland ist aber der wichtigste Standort. Seit der Übernahme des deutschen Konkurrenten Dea im Jahr 2019 war zudem der damalige Dea-Eigentümer Michail Fridman über die Gesellschaft Letter One mit 33 Prozent am Unternehmen beteiligt.

Der Oligarch steht inzwischen auf der Sanktionsliste der Europäischen Union und hat einem „Financial Times“-Bericht zufolge die Führung von Letter One abgegeben. Die Anteile von Fridman und Miteigentümer Petr Aven würden zudem „eingefroren“, erklärte Letter-One-Partner Lord Mervyn Davies der britischen Finanzzeitung. Er selbst werde die Führung von Letter One übernehmen, so Davies.

Noch am Wochenende vor der Invasion Russlands in die Ukraine hatte Wintershall-Dea-Chef Mario Mehren vor Sanktionen gewarnt. Am vergangenen Donnerstag, als der Krieg begann, zeigte er sich aber „schockiert“. 

Energiekonzerne unter Druck

Die Energiekonzerne Eon und Uniper halten sich dagegen bislang zurück. Der Essener Eon-Konzern ist seit elf Jahren an der bereits in Betrieb genommenen Gaspipeline Nord Stream 1 mit knapp 15 Prozent beteiligt. Die Gewinne aus der Beteiligung fließen in das Pensionsvermögen.

Die restlichen Russlandaktivitäten hatte Eon 2015 an Uniper abgespalten. Das Unternehmen ist zum einen an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligt. Zum anderen machen die Düsseldorfer einen Teil ihres Umsatzes aber auch direkt in Russland – unter der Marke des Stromversorgers Unipro. 

Den versuchen die Düsseldorfer zwar schon seit Längerem zu verkaufen, finden aber keinen Abnehmer. In der aktuellen Lage dürfte das nun nahezu unmöglich sein. Ob eine Kehrtwende in Sachen Russland ansteht, wollte Uniper nicht kommentieren. 

Die österreichische OMV teilte am Dienstag mit, die Verhandlungen mit Gazprom über den möglichen Erwerb einer Beteiligung an einem sibirischen Gasfeld nicht weiterzuführen. Außerdem wolle man die Beteiligung an der Nord-Stream-2-Pipeline überprüfen.

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Am Wochenende hatte sich zuerst BP unter hohen Verlusten aus dem russischen Ölkonzern Rosneft zurückgezogen, dann kündigten Equinor aus Norwegen, Shell und zuletzt Exxon Mobil den Rückzug aus Russland an.

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