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Ukraine-KriegRussland-Rückzug von BP und Shell setzt deutsche Energiekonzerne unter Druck

BP stößt die Rosneft-Beteiligung ab, Shell gibt Gazprom-Kooperationen auf – auch Nord Stream 2. Deutsche Energiekonzerne halten noch an ihren Engagements fest.Kathrin Witsch 28.02.2022 - 20:20 Uhr aktualisiert Artikel anhören

BP stellt seine Anteile an dem russischen Konzern zum Verkauf.

Foto: Bloomberg/Getty Images

Düsseldorf. Es ist der bislang größte Rückzug eines westlichen Unternehmens aus Russland: Der britische Ölmulti BP verkündete am Sonntagabend, seine Anteile am russischen Ölkonzern Rosneft zum Verkauf zu stellen. Der Aktienkurs brach daraufhin Montagfrüh um mehr als sechs Prozent ein. 

Auch der Energiekonzern Shell kündigte am Montagabend an, seine Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Konzern Gazprom und zugehörigen Firmen aufzugeben. Dazu gehöre auch die Beteiligung an Nord Stream 2.

„Unsere Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden, treffen wir mit Überzeugung. Wir können – und werden – nicht tatenlos zusehen“, sagte Konzernchef Ben van Beurden. Er sprach von einem „sinnlosen Akt militärischer Aggression“.

Shell machte keine Angaben zu den erwarteten finanziellen Verlusten durch den Ausstieg. Man sei jedoch aktuell mit etwa drei Milliarden Dollar langfristig in russischen Joint-Ventures investiert.

Eon, Uniper und Wintershall trotz Ukraine-Krieg weiter in Russland investiert

Zuvor hatte bereits der norwegische Wettbewerber Equinor vermeldet, sich aus Joint Ventures in Russland zurückzuziehen. „In der gegenwärtigen Situation betrachten wir unsere Position als unhaltbar“, sagt Equinor-Chef Anders Opedal. Das Unternehmen ist seit mehr als 30 Jahren in Russland präsent und hatte 2012 eine strategische Zusammenarbeit mit Rosneft vereinbart. Norwegens Staatsfonds kündigt zudem den Verkauf seiner russischen Anlagen an.

Die deutschen Energieunternehmen geraten damit unter Zugzwang, halten sich mit solchen Ankündigungen aber bislang zurück. Dabei stehen die Verbindungen nach Russland, besonders im Erdgasgeschäft, nicht erst seit gestern in der Kritik. Innerhalb der Unternehmen soll das Thema nach Handelsblatt-Informationen derzeit deswegen auch heftig diskutiert werden. 

Die wohl engsten Beziehungen nach Russland hatte jahrelang der Essener Energieversorger Eon. Der Konzern selbst ist seit elf Jahren an der bereits in Betrieb genommenen Gaspipeline Nord Stream 1 mit knapp 15 Prozent beteiligt. Nachdem die parallel in der Ostsee verlegte Pipeline Nord Stream 2 vorläufig gestoppt wurde, forderte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki am Samstag nun auch einen Stopp der ersten Verbindung.

Das lehnt Eon allerdings ab. Schließlich sei Nord Stream 1 ein genehmigtes und voll operatives Projekt. „Insgesamt sehen wir Nord Stream 1 regulatorisch vollkommen unterschiedlich zu den laufenden Diskussionen um die Nord-Stream-2-Leitung, an der wir nicht beteiligt sind“, teilte das Unternehmen mit. Eon hat auch ein dringendes finanzielles Interesse, dass die erste Nord-Stream-Pipeline weiter in Betrieb bleibt. Die Gewinne aus der Beteiligung fließen in das Pensionsvermögen.

Die restlichen Russlandaktivitäten hatte Eon 2015 an Uniper abgespalten. Das Unternehmen ist zum einen an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligt. Zum anderen macht das Düsseldorfer Unternehmen einen Teil seines Umsatzes aber auch direkt in Russland – unter der Marke des Stromversorgers Unipro. 

Den versuchen die Düsseldorfer zwar schon seit Längerem zu verkaufen, finden aber keinen Abnehmer. In der aktuellen Lage dürfte das nun nahezu unmöglich sein. Ob eine Kehrtwende in Sachen Russland ansteht, wollte Uniper nicht kommentieren. Die Aktie ist seit Wochen auf Talfahrt. Innerhalb eines Monats fiel sie um fast 40 Prozent – vor allem wegen des Russlandengagements.

Dritter im Bunde ist der Öl- und Gasförderer Wintershall. Das Unternehmen gilt als wichtigster deutscher Partner des russischen Staatskonzerns Gazprom. Beide halten je 50 Prozent am Joint Venture Achimgaz, das in Sibirien Gas fördert. „Unser Vorstand analysiert die Situation bereits sehr sorgfältig“, sagte ein Sprecher von Wintershall Dea.

Bislang hat sich diese Partnerschaft aber gut bezahlt gemacht. Bei Wintershall steuerte das Russlandgeschäft 2021 immerhin 19 Prozent zum Betriebsgewinn bei. Die seit Monaten steigenden Gaspreise ließen den Gewinn zudem um 387 Prozent steigen. Bei Uniper sah es ähnlich aus.

Frage nach Entschädigung für Nord Stream 2

Die Verluste, die den Unternehmen im Zuge des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland nun drohen, stehen dazu jedoch in keinem Verhältnis mehr. Zwar sind Energieunternehmen bewusst von den Sanktionen rund um das internationale Zahlungssystem Swift ausgenommen, dafür treffen andere Entscheidungen auch deutsche Versorger hart.

Zum Beispiel die Aussetzung des Genehmigungsverfahrens von Nord Stream 2. Uniper hat fast eine Milliarde Euro in den Bau der Pipeline investiert. Ähnlich sind Wintershall, OMV, Shell und Engie engagiert. Sie tragen 50 Prozent der Finanzierung, Gazprom den Rest. Shell rechnet wegen des Ausstiegs aus dem Projekt mit Abschreibungen.

Was ein endgültiger Stopp des Projekts für Uniper bedeuten würde, müsse man nun erst evaluieren, hatte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach angekündigt. Wintershall hingegen geht bei einer Verhinderung der Pipeline von einer Entschädigung für die Projektgesellschaft aus. Es sei zurzeit kein belastbares Szenario denkbar, in dem es zu politischer Intervention ohne Entschädigung käme, heißt es im Geschäftsbericht. 

Auch wenn das bisher noch nicht abgeschlossene Zertifizierungsverfahren die Inbetriebnahme verzögere, rechne Wintershall Dea damit, dass die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Finanzinvestoren erfüllt werden.

Aber nicht nur in Deutschland zeigen sich gerade Energiekonzerne zurückhaltend, wenn es um die Aufgabe ihrer Geschäftsbeziehungen mit Russland geht. Auch der US-Ölkonzern Exxon Mobil, der französische Total-Konzern und die britische Shell haben milliardenschwere Beteiligungen dort.

So hält Exxon Mobil 30 Prozent am Gasfeld Sakhalin 1 und bewertet seine russischen Aktivitäten aktuell mit vier Milliarden Dollar. Währenddessen hält die französische Total 20 Prozent an LNG-Pipelines. Auch hier gibt es für eine Kehrtwende bislang keine Anzeichen.

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Shell dagegen wird aus der Gasförderung auf der Insel Sakhalin unter der Führung Gazproms aussteigen. Mit 30 Prozent sind die Niederländer bislang am Gasfeld Sakhalin 2 beteiligt, außerdem mit 27,5 Prozent am Betreiberkonstortium Sakhalin Energy. Auch den eigenen Anteil von 50 Prozent am Gazprom-Joint-Venture Salym Petroleum Development will Shell aufgeben, das dem Konzern im vergangenen Jahr ein bereinigtes Betriebsergebnis von 700 Millionen Dollar einbrachte.

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