Ukraine-Krieg: Sparkassentochter Deutsche Leasing stellt das Neugeschäft in Russland ein
Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das russische Neugeschäft einen Anteil von einem Prozent am gesamten Neugeschäft.
Frankfurt. Die Sparkassentochter Deutsche Leasing hat das Neugeschäft in Russland Anfang März gestoppt. „Als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine hat die Deutsche Leasing das Neugeschäft bis auf Weiteres eingestellt“, sagte Unternehmenschef Kai Ostermann am Montag.
Das Portfolio werde sich schrittweise abbauen, wenn Kunden ihre Leasingraten zurückzahlen. „Wir kümmern uns darum, unseren Bestand abzuwickeln.“ Derzeit sichere man den laufenden Geschäftsbetrieb unter den gegebenen Sanktionsbedingungen, sagte Ostermann.
Die Deutsche Leasing ist seit gut 20 Jahren in Russland vertreten, derzeit mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie werden laut Ostermann weiterhin bezahlt. Zu den Kunden der Deutschen Leasing gehören Niederlassungen deutscher Unternehmen, russische Töchter deutscher Firmen sowie russische Unternehmen, die wiederum Kunden deutscher Firmen sind.
Für die Deutsche Leasing spielt der Markt allerdings nur eine kleine Rolle. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September 2021 endete, hatte das russische Neugeschäft einen Anteil von gut einem Prozent am gesamten Neugeschäft.
Auch viele andere europäische Finanzinstitute haben das Neugeschäft in Russland angehalten und mindern ihr Engagement. Die Deutsche Bank, die größte deutsche Bank, erklärte Ende vergangener Woche: „Wie einige unserer internationalen Wettbewerber sind wir dabei, unser verbleibendes Geschäft in Übereinstimmung mit den gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben herunterzufahren.“
Unternehmen knüpft an das Niveau von vor der Coronakrise an
Die Deutsche Leasing gehört den knapp 370 deutschen Sparkassen und ist die größte Leasinggesellschaft in Deutschland. Leasing ist für Unternehmen eine Alternative zum klassischen Kredit. Dabei erwerben Leasinggesellschaften Autos, Maschinen oder sonstige Firmenausrüstung und vermieten sie quasi an ihre Kunden. Der Kunde zahlt dafür ein Leasingentgelt und kann die Objekte nutzen.
Mit dem vergangenen Geschäftsjahr 2020/2021 zeigte Ostermann sich „sehr zufrieden“. „Wir konnten schneller als erwartet an das Niveau von vor der Coronakrise anknüpfen.“
Das Neugeschäft war mit 9,9 Milliarden Euro fast so hoch wie vor der Coronapandemie. Viele Kunden hätten große Investitionen nachgeholt, vor allem stärker exportorientierte Unternehmen, sagte Ostermann. „Wir sind stärker als der Markt gewachsen“, erklärte der Deutsche-Leasing-Chef.
Der Jahresüberschuss des Konzerns schoss auf 111 Millionen Euro nach oben. Im Geschäftsjahr 2019/2020 war er um nahezu 60 Prozent auf 38 Millionen Euro eingebrochen. Vor allem die Risikovorsorge für potenzielle coronabedingte Ausfälle sowie Währungseffekte drückten damals den Gewinn.