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Soziale MedienWarum Twitter Elon Musks Angebot jetzt wohl doch annehmen will

Bislang wehrte sich das Unternehmen gegen die Kaufofferte des Tesla-Chefs. Doch nun kippt die Stimmung – noch am Montag könnte es zu einer Einigung kommen.Thomas Jahn 25.04.2022 - 14:21 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Ein Deal mit dem Twitter-Management wird wahrscheinlicher.

Foto: dpa

Düsseldorf. Eine Übernahme von Twitter durch Tesla-Chef Elon Musk rückt in greifbare Nähe. Laut US-Medienberichten könnte es noch am Montag zu einer Einigung kommen. Der Kurznachrichtendienst sei bereit, die Offerte des Tesla-Chefs in Höhe von 54,20 Dollar je Aktie anzunehmen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Verwaltungsrat müsse noch zusammenkommen, um den Twitter-Aktionären die Transaktion zu empfehlen.

Ein Scheitern in letzter Minute sei allerdings auch noch möglich. Die Aktie legte am Montag vorbörslich rund fünf Prozent zu auf 51,20 Dollar.

Am Sonntag traf sich der Milliardär nach Informationen des „Wall Street Journals“ bereits mit Vertretern von Twitter, um sein Angebot im Gesamtwert von 43 Milliarden Dollar zu diskutieren. Das Treffen markiert eine Kehrtwende.

Bislang wehrte sich Twitter gegen die Offerte und setzte unter anderem eine sogenannte „Giftpille“ ein. Diese Maßnahme erlaubt es anderen Anteilseignern, zusätzliche Aktien mit einem Abschlag zu kaufen, wenn eine Person oder Gruppe ohne Zustimmung des Vorstands mindestens 15 Prozent der ausstehenden Twitter-Stammaktien erwirbt. Das würde dem Angreifer die Übernahme erschweren.

Laut „Wall Street Journal“ gab es zuletzt noch einige strittige Punkte wie die Höhe der Summe, die Musk bei einem Nichtzustandekommen einer Übernahme zahlen müsste – eine übliche Absicherung bei solchen Deals. Dennoch macht das Umdenken von Verwaltungsrat und Vorstand von Twitter aus drei Gründen Sinn:

1. Das Börsenumfeld hat sich verschlechtert

Musk gab sein Angebot am 14. April bekannt. Seitdem ist der technologielastige Nasdaq-Index vor allem aufgrund der Aussicht steigender Zinsen in den USA um acht Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum kletterte die Twitter-Aktie um ungefähr den gleichen Prozentbetrag nach oben.

Noch drastischer fällt der Vergleich aus, wenn man als Vergleichspunkt die Bekanntgabe von Musks Einstieg bei Twitter als Großaktionär vor mehr als drei Wochen nimmt. Seitdem schnellte die Aktie um ein Fünftel nach oben, während der Nasdaq-Index um fast 15 Prozent fiel.

Damit muss der Twitter-Verwaltungsrat die Drohung von Musk sehr ernst nehmen. Es sei sein „bestes und endgültiges“ Angebot, sagte er bei Bekanntgabe des Übernahmepreises und vor wenigen Tagen zu Twitter-Verwaltungsratschef Bret Taylor.

Lehnt Twitter sein Angebot ab, dürfte der Kurs stark fallen. Das schmerzt umso mehr, als die Aktie im Unterschied zu anderen Tech-Werten in den vergangenen Jahren nicht von der Stelle gekommen ist. Derzeit notiert sie auf dem gleichen Niveau wie 2014.

Twitter stimmt der Offerte womöglich zu.

Foto: Reuters

Ein weiterer reizvoller Grund für Twitter: Die Übernahme soll in Cash erfolgen. Die Aktionäre bekommen also keine Aktien von einem anderen Unternehmen, was in unsicheren Börsenzeiten attraktiver ist.

2. Elon Musk hat seine Finanzierung gesichert

Kritik gab es anfangs vor allem an der wolkigen Struktur der Offerte: Musk veröffentlichte nur die 54,20 Dollar je Aktie, aber es fehlte ein detaillierter Finanzierungsplan. Musk ist zwar mit einem geschätzten Vermögen von 260 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt. Ein Großteil davon steckt allerdings in Aktien des Elektroautoherstellers Tesla und in Anteilen am Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Beide Vermögenswerte sind nur eingeschränkt liquide, beispielsweise ist SpaceX nicht an der Börse notiert.

Doch am vergangenen Donnerstag holte Musk das Versäumte nach und legte Details zur Finanzierung vor. Zahlreiche Banken haben ihm für den Deal Kredite über insgesamt 25,5 Milliarden Dollar zugesagt, als Sicherheit dienen die Anteile von Musk an Tesla und SpaceX. Der 50-Jährige steuert 21 Milliarden Dollar bei.

Gleichzeitig startete Musk eine Charmeoffensive bei ausgewählten Aktionären von Twitter und erläuterte sein Angebot in Videokonferenzen mit Großaktionären, zu denen Fondsgesellschaften wie Vanguard oder Blackrock gehören.

3. Ein „weißer Ritter“ wird wohl nicht kommen

Typischerweise löst ein Übernahmeangebot das Interesse von Konkurrenten oder anderen Investoren aus. Twitter könnte also auf einen sogenannten „weißen Ritter“ hoffen. In der Tat signalisierten in den vergangenen Tagen Private-Equity-Firmen wie Apollo oder Thoma Bravo Interesse an Twitter. Allerdings blieb bislang eine Offerte aus.

Könnte sich das ändern? Ein Blick auf den Finanzierungsplan von Musk lässt wohl nur die Antwort zu: nein. Fast alle namhaften Investmentbanken wollen dem Tesla-Chef Geld für den Deal geben. Branchengrößen wie JP Morgan fehlen nur, weil sie Twitter bereits beraten. Das liegt nahe: Hätte beispielsweise Apollo einen Deal vorbereitet, hätten sich zumindest einige Banken nicht beteiligt.

Das passt auch zu den Übernahmedetails: Musk zahlt fast das Neunfache des Umsatzes von Twitter. Ein hoher Preis für ein Unternehmen, das trotz zahlreicher Versuche in der Vergangenheit nicht wirklich stark wachsen konnte.

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Auch hat Musk bislang mit neuen Vorschlägen keinen wirklichen Ausweg aus dem Dilemma aufgezeigt. Seine Idee, Nutzern für eine monatliche Abogebühr besondere Privilegien einzuräumen, stößt bei Analysten auf große Skepsis.

Diesen Dienst würden vor allem starke Nutzer wahrnehmen, die Twitter laut Wells Fargo durchschnittlich Einnahmen, etwa durch Werbung, von 66 Dollar im Jahr erbringen. Der Dienst müsste laut Analyst Brian Fitzgerald mindestens sechs Dollar im Monat kosten: „Das ist ein Preis, der nicht so leicht akzeptiert wird.“

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