Energie: Möglicher Gaslieferstopp: Wie sich die Industrie auf den Worst Case vorbereitet
In vielen Industrieprozessen wird Erdgas benötigt. Ein russischer Lieferstopp würde viele Branchen daher empfindlich treffen.
Foto: imago/photothekDüsseldorf, Frankfurt, Stuttgart. In Deutschland zittert die Wirtschaft vor einem plötzlichen Stopp der russischen Gaslieferungen. Intensiv diskutieren die Energiekonzerne mit ihren Großverbrauchern, wo sich wie viel Gas im Ernstfall einsparen ließe. Die Unternehmen durchforsten ihre Produktionsnetzwerke nach Anlagen, die sich ohne größere Folgen abschalten ließen – sollte es zu dem befürchteten Engpass kommen.
Klar ist bislang lediglich, dass Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen prioritär versorgt werden sollen. Doch dagegen regt sich nun Widerstand aus der Industrie.
„Die aktuelle Priorisierung der Gaslieferungen für private Haushalte vor der Industrie muss dringend überdacht werden“, sagte etwa der neue Vorstandschef des Sensorspezialisten Sick, Mats Gökstorp, bei der Bilanzvorlage des Unternehmens am Mittwoch. „Es muss eine Balance gefunden werden, die beiden Bereiche hängen zu stark voneinander ab.“
Ähnlich äußerte sich Karl-Ludwig Kley, Aufsichtsratschef des Energieversorgers Eon, in einem Gespräch mit dem „Manager Magazin“. Die Politik solle „sehr ernsthaft darüber nachdenken, ob sie die Reihenfolge nicht umdreht und erst bei Privaten abschaltet und dann bei der Industrie“, sagte Kley, der auch das Kontrollgremium der Lufthansa anführt.