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VersichererAllianz leidet unter Naturkatastrophen, bestätigt aber operative Gewinnprognose

Die Kosten für Schäden durch Unwetter sind im ersten Quartal viermal so hoch gewesen wie im Vorjahr. Das höchste Ergebnisplus kommt vom zuletzt kritisierten Asset-Management.Christian Schnell 12.05.2022 - 12:41 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Wegen des Hedgefonds-Debakels in den USA war der Manager zuletzt unter Druck geraten.

Foto: Reuters

München. Die Allianz hat im ersten Quartal die höchste Schadenbelastung aus Naturkatastrophen seit zehn Jahren verzeichnet. Überflutungen in Australien sowie die Sturmtiefs „Zeynep“ und „Ylenia“ in Europa belasteten vor allem den Bereich Schaden- und Unfallversicherung, der gewöhnlich den größten Beitrag zum Gesamtergebnis beiträgt. Die Kosten lagen beinahe beim Vierfachen dessen, was im Vorjahreszeitraum geleistet werden musste, wie die Allianz am Donnerstag mitteilte. Nach lediglich 186 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum waren es diesmal 689 Millionen Euro.

Dennoch rechnet der Konzern im Gesamtjahr weiterhin mit einem operativen Gewinn von 13,4 Milliarden Euro, mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben wie nach unten. „Wir haben rund ein Viertel unseres Ziels für das Gesamtjahr erreicht, und damit bleibt unsere operative Leistung auf Kurs“, sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol am Donnerstag. Als Stabilisator erwies sich ausgerechnet der Bereich Asset-Management, der zuletzt massiv in der Kritik stand.

Einen Tag nach der Bildung einer weiteren Rückstellung in Höhe von 1,9 Milliarden Euro für fehlgeschlagene Hedgefonds-Strategien in den USA waren wesentliche Eckdaten auf der Gewinnseite bereits klar. Finanzvorstand Giulio Terzariol betonte, dass aus Sicht der Allianz in der gesamten Rückstellung von nun 5,6 Milliarden Euro sowohl die Entschädigungen für Kunden als auch mögliche Strafzahlungen von US-Behörden enthalten seien. Genauere Informationen und Hintergründe zum gesamten Structured-Alpha-Komplex will der Konzern nennen, sobald alle Verfahren abgeschlossen sind.

Europas größter Versicherer hatte in den Monaten Januar bis März ein operatives Ergebnis von 3,2 Milliarden Euro erzielt, hieß es bereits am Mittwoch. Die Erwartungen der Analysten, die im Mittel mit knapp über drei Milliarden Euro gerechnet hatten, wurden damit zwar übertroffen, im Vorjahreszeitraum hatten an dieser Stelle jedoch 3,3 Milliarden Euro gestanden.

Getrübt wurde das Ergebnis zudem von der erneuten Rückstellung, die den Überschuss im ersten Quartal mit 1,6 Milliarden Euro belastete, weshalb an dieser Stelle nur noch 600 Millionen Euro übrig blieben. Bereinigt darum wären es 2,2 Milliarden Euro gewesen.

Deutliches Umsatzplus

Operativ laufen die Geschäfte der Allianz allerdings weiter gut. Der Gesamtumsatz des Allianz-Konzerns erhöhte sich im Auftaktquartal um 6,2 Prozent auf 44 Milliarden Euro. Zum Wachstum trugen alle drei Kernbereiche des Konzerns bei. In der Sach- und Unfallversicherung – der gewöhnlich ertragreichsten Sparte – stieg der Umsatz überdurchschnittlich um 9,1 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro. In den meisten Regionen legten sowohl die Preise als auch die Kundennachfrage nach Versicherungsschutz zu.

Ein Minus von neun Prozent gab es jedoch beim operativen Gewinn, der im Vergleich zum Vorjahr auf 1,4 Milliarden Euro fiel, was mit erheblichen Schadenzahlungen für Unwetterschäden in Verbindung stand. Die Schätzungen der Analysten lagen im Mittel allerdings bei lediglich 1,26 Milliarden Euro.

In Australien, das am Jahresanfang besonders von Überflutungen betroffen war, hatte die Allianz Ende 2020 das Versicherungsgeschäft des Finanzdienstleisters Westpac übernommen. Da das Geschäft zum Schutz von Eigenheimen bei Westpac einen großen Anteil hat, kam auch der Anteil der Schäden überproportional von dort, wie Terzariol betonte.

Im Umgang mit der Corona-Pandemie machte sich im Sachversicherungsgeschäft nach den Verwerfungen der vergangenen zwei Jahre eine Phase der Normalisierung bemerkbar. Das zeigte sich im Staßenverkehr, denn die Kfz-Schäden stiegen wieder.

Zudem kommen die Geschäfte wieder in den Bereichen „Global Lines“ in Gang. Darunter fallen der Industrieversicherer AGCS, Allianz Partners mit dem starken Fokus auf das Reisegeschäft sowie der Kreditversicherer Allianz Trade, der bis vor kurzem unter dem Namen Euler Hermes firmierte. Sie alle schafften im ersten Quartal ein massives Plus.

Dafür dürfte es an anderen Märkten in Zukunft zu Belastungen kommen. Die größte droht aus Russland, sollte die dortige Einheit ihr Geschäft endgültig einstellen. Finanzvorstand Terzariol erwartet dann einen Einfluss von 400 bis 500 Millionen Euro.

Bereits im Februar hatte der Konzern sein Neugeschäft gestoppt. In der Türkei stellt der Konzern zudem seine Bilanzierung auf ein sogenanntes „Hyperinflation Accounting“ um, was im zweiten Quartal zu einer Belastung von etwa 100 Millionen Euro führen dürfte. Grund ist die anhaltend hohe Inflation, an die sich die Allianz mit ihrer Bilanzierung anpasst. Einen Einfluss auf die Solvenzquote oder auf künftige Dividendenausschüttungen hat dieser Schritt jedoch nicht.

Im Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen erzielte der Konzern im ersten Quartal mit 1,2 Milliarden Euro einen operativen Gewinn auf Vorjahresniveau. Analysten hatten hier im Schnitt 1,1 Milliarden Euro erwartet. Während die Erträge im wichtigen USA-Geschäft rückläufig waren, überraschten die Märkte in Spanien, Taiwan sowie der Heimatmarkt Deutschland positiv. Erfreulich lief weiter das Neugeschäft, hier stieg die Marge auf 3,5 Prozent, nach 2,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Wert des Neugeschäfts stieg sogar um 20 Prozent auf 671 Millionen Euro. Hier ragte vor allem das Geschäft mit indexgebundenen Produkten in den USA und in Frankreich heraus.

Das größte Ergebnisplus schaffte in den ersten drei Monaten mit dem Asset-Management ausgerechnet der Bereich, der zuletzt am meisten in der Kritik stand. Das operative Ergebnis wuchs um 11,2 Prozent auf 831 Millionen Euro. Analysten waren im Mittel jedoch von 841 Millionen Euro ausgegangen.

Asset-Management als Gewinntreiber

Wegen der Probleme rund um die Structured-Alpha-Fonds stand die Vermögensverwaltung als die kleinste der drei Konzernsparten zuletzt besonders im Fokus. Nachdem die beiden Töchter AGI und Pimco im vergangenen Jahr dennoch weiter hohe Mittelzuflüsse verzeichnet hatten, kam es im Auftaktquartal zu einem Rückgang. Der Gesamtbestand an verwaltetem Vermögen sank auf 2,478 Billionen Euro, was unter anderem mit einem Abzug von Kundengeldern zusammenhing.

Das für Dritte verwaltete Vermögen ging um 89 Milliarden Euro auf 1,878 Billionen Euro zurück. Der größte Teil hing jedoch mit den teils massiven Kursverlusten infolge des Ukrainekriegs zusammen.

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Der Verlust des für Dritte verwalteten Gesamtportfolios lag bei 110 Milliarden Euro. Kunden zogen zudem neun Milliarden Euro an Vermögen ab. Teilweise kompensiert wurde der Verlust durch Währungsgewinne in Höhe von 30,1 Milliarden Euro.

Die Allianz entwickelte sich im ersten Quartal besser als manch ein Wettbewerber. Der größte Konkurrent Axa schaffte vor allem wegen rückläufiger Umsätze seiner Rückversicherungstochter Axa XL nur ein leichtes Umsatzplus von zwei Prozent auf 313 Millionen Euro, die Erlöse sanken gar um zwölf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

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