Auktionen: Ketterer Kunst: Souveräne Spitzenzuschläge beim Marktführer
Das 1910 entstandene Gemälde mit rückseitigem, später übermaltem Halbakt stammt aus der Sammlung Gerlinger. 4,75 Millionen Euro muss der Käufer mit Aufgeld berappen. Die Taxe belief sich auf zwei bis drei Millionen Euro.
Foto: Ketterer KunstMünchen. Spitzenwerk der Woche ist bei Ketterer Kunst zu Recht Ernst Ludwig Kirchners „Das blaue Mädchen in der Sonne“ von 1910 geworden. Auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt, stieg es bis auf vier Millionen Euro.
Am Telefon im Saal erwarb der Münchener Galerist und Expressionismuskenner Raimund Thomas das Bild mit einem weiteren Kollegen zusammen, wie er dem Handelsblatt sagte. Mit Aufgeld kostet die auch rückseitig mit einem Akt bemalte Leinwand 4,75 Million Euro.
So hochkarätig und frisch ist das Angebot an moderner und zeitgenössischer Kunst selten. Das schätzten die internationalen Bieter bei Ketterer Kunst und griffen am Freitagabend für Außergewöhnliches tiefer in die Tasche als sonst.
Die wunderbare, dynamische Holzskulptur von Kirchner löste einen Bieterwettstreit aus. Im mucksmäuschenstillen Saal vervielfachte sie ihren Schätzpreis auf 4,3 Millionen Euro. Wie die beiden Erstgenannten stammte auch Karl Schmidt-Rottluffs kristallines Porträt der Dichterin Else Lasker-Schüler aus der Sammlung Gerlinger. Für das Gemälde mit dem Titel „Die Lesende“ werden 4.060.000 Millionen Euro fällig.
Die sensationellen Erlöse der expressionistischen Arbeiten kamen aus der Sammlung des Würzburger Unternehmers Hermann Gerlinger. Er zählt zu den bedeutenden Sammlern der Brücke-Künstler. Die 1905 gegründete Künstlergemeinschaft gilt als Keimzelle des deutschen Expressionismus.
Aus einer norddeutschen Sammlung kam hingegen Emil Noldes Gemälde „Meer (D)“ von 1930. Für die Darstellung des elementaren Naturschauspiels fiel der Hammer bei 800.000 Euro zugunsten eines Telefonbieters.
Die Papierarbeiten von Egon Schiele aus der Sammlung Serge Sabarsky erfüllten vielleicht nicht ganz die in sie gesetzten Hoffnungen. Auch David Wojnarowicz‘ Mischtechnik „He Kept Following Me“ blieb unter der oberen Taxe hängen. Der Wahlamerikaner wird in den USA sehr verehrt. Er gehörte zum Kreis von Keith Haring und Jenny Holzer.
Die dynamische Holzskulptur vervielfachte ihren Schätzpreis auf 4,3 Millionen Euro.
Foto: Ketterer KunstKetterers Angebot war eine Herausforderung an die Adresse der Finanzkraft deutscher Sammler. Für die anspruchsvoll zusammengestellte zeitgenössische Kunst blieben nach den Höhenflügen der Expressionisten nur mehr Zuschläge in der Nähe der oberen Taxen übrig.
So konnte Richard Serras fein ausbalancierte Stahlskulptur schon für 1.045.000 Millionen Euro abgegeben werden. Und Georg Baselitz‘ attraktiver „Hofteich“ fand gegen einen Bieter aus den USA für denselben Preis einen Abnehmer.
Insgesamt war diese Abendauktion eine starke Leistung von Ketterer Kunst. Damit unterstreicht das Münchener Haus seine Ambition, Deutschlands Versteigerer Nummer eins zu bleiben.
Eine ausführliche Einordnung der Auktionsfolge lesen Sie am Montag hier.
Mehr: Kunstauktion in Berlin: Selbstbildnis von Max Beckmann erzielt sensationellen Rekordpreis für Deutschland