Nachruf: Zum Tod von Hans Mayer: Erinnerung an einen Grandseigneur
Hans Mayer gehörte mit seiner Galerie in Düsseldorf zu den international führenden Galeristen.
Foto: Horst Ossinger dpa/lnwDüsseldorf. Am Silvestertag ist der Galerist Hans Mayer im Alter von 82 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Fast 50 Jahre führte Mayer an prominentem Ort, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kunsthalle, seine Galerie; noch mit 80 Jahren zog er um in das nahe Schmela-Haus und teilte sich fortan die wesentlich kleineren Räume mit seinem Sohn und Kollegen Max Mayer und dessen Galerie.
Der gebürtige Ulmer eröffnete seine erste Galerie 1965 in Esslingen in einem ehemaligen Sarglager mit einer Ausstellung des Bauhauslehrers Josef Albers. Zur Vernissage spielte kein Geringerer als der Pionier der Neuen Musik, John Cage. Ein Bilderbuchstart, der bereits von der Idee des erweiterten Kunstbegriffs inspiriert war. Ihr sollte der Kunsthändler mehr als fünfzig Jahre konsequent folgen.
Hans Mayer durchbrach bewusst und mit goldenem Instinkt für die richtigen „Paarungen“ die Grenzen zwischen Hoch- und Popkultur und stellte die Kunst immer wieder in einen spannungsreichen Dialog mit Literatur, Theater, Tanz, Architektur, Mode und Design. Damit war er seiner Zeit ebenso weit voraus wie mit seinem Riecher für relevante Kunst, denn Mayer war einer der ersten großen Globalisierer des Kunstmarkts. Er holte die zeitgenössische US-Kunst nach Deutschland.
Er fehlte auf keiner großen Messe und war stets am Stand auch als Kommunikator und Vermittler präsent. Als Mann mit untrüglichem Gespür brachte er legendäre Begegnungen zustande; so zum Beispiel als er 1969 Joseph Beuys überredete, zur Vernissage seiner ersten Andy-Warhol-Ausstellung in Deutschland zu kommen.
Hans Mayer hatte durchaus Sinn für Glamour und nutzte den Glanz, um für die Kunst zu begeistern. Er war ein begnadeter Strippenzieher und am Ende des 20. Jahrhunderts wesentlich am wachsenden Renommee des Kunststandorts Nordrhein-Westfalen beteiligt, zuerst in Krefeld, seit 1971 in der Kunststadt Düsseldorf.
Die Liste seiner Künstler liest sich wie das Who’s who der Kunstwelt und reichte von Andy Warhol und Roy Lichtenstein über deren Erben Keith Haring und Jean-Michel Basquiat, ZERO-Künstler bis hin zu Markus Oehlen. Auch US-Minimalisten wie Agnes Martin und Donald Judd und Medien- und Fotokünstlern wie Nam June Paik und Peter Lindbergh hatten bei ihm einen Auftritt. 2015 erhielt Mayer den Art Cologne Preis der großen Kölner Kunstmesse, zu deren Gründungsvätern er gehörte.