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Morning Briefing Plus – Die WocheGespräch mit einem Bot – Der Rückblick des Chefredakteurs

Die neue KI-Software ChatGPT ist in aller Munde – spätestens nachdem Microsoft weitere Milliarden investiert hat. Wie werden solche Bots unsere Arbeit verändern?Sebastian Matthes 28.01.2023 - 08:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

künstliche Intelligenz (KI) wird eine Revolution auslösen. Sie wird die Art verändern, wie wir arbeiten, kommunizieren und leben. Sie eröffnet unendliche Möglichkeiten für Fortschritt und Effizienz, aber wir müssen sicherstellen, dass sie ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Das sind nicht meine Worte, sondern es sind die Worte von ChatGPT, einem Chatbot, den ich gerade gebeten hatte, einen Einstieg für diesen Newsletter zu schreiben.

Nicht nur beim Weltwirtschaftsforum in Davos war der überraschend eloquente Bot ein großes Thema, auch diese Woche war die Software des US-Start-ups OpenAI wieder im Gespräch, nachdem ein weiteres Milliarden-Investment von Microsoft in die junge Firma bekannt wurde. Die Zusammenarbeit könnte dem Konzern einen wichtigen Vorteil gegenüber Google verschaffen, schreibt unser Tech-Team.

Foto: AP

Das Wettrennen um die besten Sprachsysteme ist in vollem Gange. Auch Google hat mit LaMDA einen eigenen Rivalen zu ChatGPT in Vorbereitung. Und der Facebook-Konzern Meta hat ebenfalls eigene Systeme im Testlauf.

Mich treibt schon länger die Frage um, wie solche Bots den Journalismus verändern werden. Hören wir doch mal bei ChatGPT nach: „KI verändert Journalismus durch Automatisierung von Routinetätigkeiten, Verarbeitung von großen Datenmengen und personalisierte Inhalte“, schreibt der Bot auf meine Frage. „Dies ermöglicht eine schnellere und gründlichere Berichterstattung, aber auch die Gefahr von Fehlinformationen und unethischen Entscheidungen.“

Da dürfte einiges dran sein. Natürlich macht die Software noch bizarre Fehler. Gleichzeitig aber wird sie viel von dem eher generischen News-Geschäft übernehmen, aktuelle Berichte über Sportereignisse oder Bewegungen an Aktienmärkten zum Beispiel, später auch komplexere Berichte. Informationen, die bereits verfügbar sind, wird die Maschine bald schneller zusammenschreiben können als Menschen.

Die US-Newsplattform Buzzfeed gab diese Woche bekannt, künftig erste Aufgaben an den Chatbot übergeben zu wollen, das Erstellen von unterhaltsamen Quizzen zum Beispiel. Nachdem die News in der Welt war, verdoppelte sich der Buzzfeed-Aktienkurs. Das US-Techportal CNET hatte schon vor Monaten per KI generierte Texte gestartet. Allerdings entstanden dabei so schlimme Fehler, dass das Portal das Experiment vorläufig beendet hat.

Es ist die nächste Disruption, die da auf die Medien zukommt. Eines aber ist gewiss: Den Kern von Journalismus wird die KI nicht ersetzen können, nämlich neue Informationen in die Welt zu bringen. Tiefe Recherchen, die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Informanten, das Prüfen von Quellen, komplett neue Gedanken, – all das kann der Chatbot nicht. Vieles andere aber, das wird beim Plaudern mit ChatGPT immer deutlicher, wird sich verändern.

Denn das Sprachmodell, das der aktuellen Version zugrunde liegt, ist erst der Anfang. Schon in wenigen Monaten kommt die neue Version. Und die wird um ein Vielfaches klüger sein.

Foto: Studio Refik Anadol

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. Nach langem Zögern und internationalem Druck hat die Bundesregierung dann doch noch entschieden, Leopard-2-Panzer in die Ukraine zu liefern. Kurz darauf haben auch die USA beschlossen, Abrams-Kampfpanzer ins Kriegsgebiet zu schicken. „Mal wieder rettet Biden Deutschland“, kommentiert US-Korrespondentin Annett Meiritz. Washington sei Berlin im Panzerstreit enorm entgegengekommen. Das aber bedeute nicht, „dass das Arbeitsverhältnis zwischen Deutschland und den USA im Reinen ist“, schreibt sie. Als Gegenreaktion der Panzerlieferungen haben russische Hacker angekündigt, deutsche Ziele in Westeuropa anzugreifen.

Foto: dpa

2. Wolfgang Ischinger, der ehemalige Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, muss nach der Leopard-Entscheidung an den Nato-Doppelbeschluss der Achtzigerjahre denken. „Wenn Helmut Schmidt noch leben würde“, schreibt Ischinger, „hätte sein Rat an seinen sozialdemokratischen Nachfolger im Kanzleramt sicher so oder so ähnlich gelautet: Nicht wackeln, keine Schwäche zeigen, sondern Führungskraft demonstrieren, nukleare Kopplung kräftigen, den Abschreckungsverbund stärken und erst auf dieser Grundlage Verhandlungen anbieten.“

3. Überall Erleichterung. Die Gasspeicher sind voll, und die Preise sinken. Der allgemeinen Euphorie will sich der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Fatih Birol allerdings nicht anschließen. Viele Regierungen seien froh über den bislang relativ milden Verlauf in der Krise, sagte er im Handelsblatt-Interview. „Aber ich fürchte, dass sie ein bisschen zu froh sind.“ Besonders der nächste Winter bereitet ihm Sorgen. Grund dafür ist die überraschend schnelle Öffnung Chinas.

4. Amazon, Facebook, zuletzt Microsoft: Die großen US-Tech-Konzerne haben in den vergangenen Wochen riesige Entlassungsprogramme angekündigt. Diese Welle erreicht nun Deutschland: Auch SAP will 3000 Mitarbeiter entlassen und stellt zugleich die Online-Marktforschungstochter Qualtrics zum Verkauf. Wenn man auf die Entlassungswellen schaut, klingt es nach großen Zahlen. Wenn man aber genau hinschaut, ist die Zahl der Mitarbeiter bei vielen Tech-Konzerne immer noch viel größer als vor der Pandemie.

5. Ein spannender Report kam diese Woche aus unserem Brüsseler Büro: Carsten Volkery zeichnete eindrücklich nach, wie der Hafen in Antwerpen zum wichtigsten Umschlagplatz für Kokain in Europa wurde. Eine Zahl ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Knapp 110 Tonnen Kokain hat der belgische Zoll im Jahr 2022 im Hafen beschlagnahmt.

Selbst Südostasien und Australien werden von dort aus mit dem Stoff beliefert. Der weltweite Containerboom hat dem Schmuggel den entscheidenden Schub verliehen. Die Folge: Das Angebot war lange nicht so groß. Der Straßenpreis für ein Gramm Kokain ist deshalb drastisch gefallen – einmal koksen ist mittlerweile fast günstiger als ein Cocktail.

6. Mit 352 Milliarden Euro aus überteuerten Zukäufen belasten die 40 Dax-Konzerne ihre Bilanzen so stark wie noch nie. Bei der Summe geht es um Geschäfts- und Firmenwerte, den sogenannten Goodwill, aus Übernahmen, für die es keinen materiellen Gegenwert gibt. Bilanzprüfern macht das Sorgen, sie sehen Unternehmen als so krisenanfällig wie seit der Finanzkrise nicht mehr.

7. Die Turbulenzen am Immobilienmarkt bieten auch Chancen. Mittlerweile können potenzielle Hauskäufer deutliche Preisabschläge heraushandeln. Julian Trauthig hat mit den wichtigsten Experten darüber gesprochen, wie Käufer am besten vorgehen.

8. Es klingt wie der kollektive Burnout. 41 Prozent der Top-Führungskräfte in Deutschland beobachten an sich selbst Erschöpfungssymptome, zeigt eine McKinsey-Studie. Und ihre Jobs sind in Zeiten multipler Krisen in vielen Fällen so anspruchsvoll wie nie zuvor. Wir haben mit zahlreichen Managern und Unternehmerinnen über ihre Strategien gesprochen, mit der Belastung umzugehen. Dafür hat uns VW-Chef Oliver Blume einen Blick in seinen Kalender gewährt. Celonis-Co-Gründer Alexander Rinke versucht, sich Klarheit durch Daten zu verschaffen. Und Kerstin Hochmüller, Chefin des Antriebsspezialisten Marantec, hat nicht einmal einen Assistenten mit ihrem Terminkalender beauftragt. „Sonst wäre ich fremdgesteuert, und das hasse ich“, sagt sie.

Foto: Handelsblatt

9. Christian Graz kennt die Situation nur zu gut. Als Facharzt für Psychiatrie an der Max-Grundig-Klinik im Schwarzwald hat er schon viele Top-Kräfte der deutschen Wirtschaft nach ihrem Zusammenbruch behandelt. Im Interview erklärt er, warum viele Führungskräfte ein Problem mit Schwäche haben, womit jede Therapie beginnt - und weshalb es so wichtig ist, auch immer wieder richtig Spaß zu haben.

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Also, haben Sie dieses Wochenende ein wenig Spaß und erholen Sie sich gut!

Herzlichst
Ihr
Sebastian Matthes
Chefredakteur Handelsblatt

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