Softwarehersteller: SAP kommt Abschluss von Korruptionsverfahren näher
Der Manager holte 2021 die Verantwortung für Compliance in sein Vorstandsressort.
Foto: dpaDüsseldorf. Es war ein Skandal, der Südafrika erschütterte: Unter dem korrupten Regime des Präsidenten Jacob Zuma zahlten zahlreiche Konzerne aus aller Welt Bestechungsgelder, um sich lukrative Aufträge bei staatlichen Organisationen zu verschaffen. Auch gegen SAP wurden 2017 Vorwürfe laut – das damalige Management gab bald darauf Unregelmäßigkeiten zu.
Sechs Jahre später ist der Fall immer noch nicht abgeschlossen. Es deutet sich aber an, dass SAP dieses und andere Verfahren rund um unlautere Geschäftspraktiken bald beenden könnte: Der Softwarehersteller machte am Freitag im Quartalsbericht eine Rückstellung für „regulatorische Compliance-Angelegenheiten“ in Höhe von 170 Millionen Euro publik.
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Die konkreten Fälle benannte das Management nicht – es handle sich um bereits veröffentlichte Themen, sagte der neue Finanzchef Dominik Asam lediglich. Die Rückstellung zeige die Fortschritte „bei unseren unermüdlichen Bemühungen, diese Angelegenheiten hinter uns zu lassen“. Das Thema ist sensibel, die vorsichtigen Formulierungen zeigen das.
Mehr Aufschluss gibt der Jahresbericht von SAP: Dieser erwähnt Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC sowie des US-Justizministeriums. Diese können bei Verstößen gegen den Foreign Corrupt Practises Act (FCPA) wegen Korruption im Ausland Geldstrafen und andere Sanktionen verhängen, wegen der Zweitnotierung in New York auch gegen den Dax-Konzern. In diesem Zusammenhang wird der Fall aus Südafrika explizit erwähnt.
Im Land am Kap selbst gehen ebenfalls Behörden gegen SAP vor – so verlangte Ende 2022 eine Sonderermittlungseinheit die Rückzahlung von umgerechnet 55 Millionen Euro. Der Konzern sicherte damals seine Kooperation bei der Überprüfung der Verträge zu.
„Ein guter Meilenstein ist erreicht“
Die Rückstellung ist ein Indikator für den Fortschritt der Gespräche. „Wir hatten bisher die Herausforderung, dass die finanziellen Implikationen der Fälle extrem schwer abzuschätzen waren“, sagte SAP-Finanzchef Dominik Asam dem Handelsblatt. Daher habe man die Kosten – etwa für einen Vergleich – nach dem Bilanzierungsstandard IFRS bislang nicht angeben können.
Nach Gesprächen „mit einigen entscheidenden Stakeholdern“ sei es möglich, einen Teil der Kosten zu quantifizieren, erläuterte Asam. Diese legt SAP nun in der Quartalsmitteilung offen. Änderungen seien immer noch möglich, betonte der Manager aber: „Wir haben noch keinen Vergleich geschlossen, aber einen guten Meilenstein erreicht.“
Asam bewertete die Strafzahlung zurückhaltend. „Wir sprechen von sehr viel Geld. Aber im Verhältnis zu unserer Marktkapitalisierung ist das zu bewältigen.“ Zumal in Korruptionsfällen in den USA teils deutlich höhere Strafen fällig werden.
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Offen ist, ob die US-Behörden SAP weitere Auflagen machen, was bei Vergleichen durchaus üblich ist. In bestimmten Fällen können sie sogar einen unabhängigen Kontrolleur einsetzen, der in einem Unternehmen die Einhaltung von Verpflichtungen überwacht. Das war etwa nach dem Dieselskandal bei Volkswagen der Fall.
Was SAP bei den Verhandlungen mit den Behörden helfen dürfte: In den Jahren nach der Veröffentlichung der Vorwürfe hat der Konzern mehrere Maßnahmen eingeleitet, um die Compliance-Aufsicht zu verbessern. So hat das Management die Bonuspläne in „Hochrisikoländern“ angepasst, das Team für interne Ermittlungen ausgebaut und interne Botschafter für das Thema geschult.
Sollte es bei einer vergleichsweise milden Strafe bleiben, dürfte Konzernchef Christian Klein das als persönlichen Erfolg verbuchen: Er holte 2021 die Verantwortung für Compliance in sein Vorstandsressort. SAP habe aus dem Fall in Südafrika bereits konkrete Maßnahmen abgeleitet, sagte er damals dem Handelsblatt – und kündigte an, dass er bei dem Thema „Vorreiter“ sein wolle.
Klar ist: Compliance wird SAP dauerhaft beschäftigen. „Wir sind im Vorstand stark darauf fokussiert, die Altlasten zu beseitigen, aber vor allem auch darauf, dass es nie mehr solche Fälle gibt“, betonte Finanzchef Asam. „Die Kärrnerarbeit ist bereits gemacht, aber mit dem Thema Compliance ist man nie fertig.“ Es brauche ständige Aufklärung und Kontrollen.