Fintech: Diese Neobank greift N26 an – und wagt den Sprung in die USA
Die niederländische Neobank Bunq kündigt für 2023 einen Gewinn an.
Foto: mauritius images / M4OS Photos / Alamy / Alamy Stock PhotosÄhnlich wie N26, eines der bekanntesten Finanz-Start-ups in Deutschland, bietet Bunq ein Smartphone-Konto, also ein Girokonto, das vor allem auf die App ausgelegt ist. Allein gemessen an der Nutzerzahl lässt Bunq neuerdings N26 hinter sich. Die Berliner melden aktuell mehr als acht Millionen Kundinnen und Kunden.
Allerdings gibt Bunq die Zahl der Girokonten nicht preis, was einen direkten Vergleich erschwert. Bunq bietet anders als N26 weitere Kontotypen an – beispielsweise Sparkonten sowie über Tricont die Verwaltung von Gruppenausgaben.
Für solche Konten ist keine strenge Identitätsprüfung, im Fachjargon „Know Your Customer“ (KYC), wie bei Girokonten vorgeschrieben.
Der Heimatmarkt hat für Bunq enorme Bedeutung. Knapp 60 Prozent der Girokonto-Nutzer kommen nach Angaben des Fintechs aus den Niederlanden. 20 Prozent sind aus Deutschland. Bunq ist europaweit aktiv und strebt auch eine Banklizenz in den USA an, wie das Fintech kürzlich bekannt gab.
Viele Kunden mit wenig Ertrag
Gleichwohl eint die beiden Neobanken ein Problem: Sie verdienen mit einem erheblichen Teil der Kunden nichts. Bei Bunq sorgt gerade einmal die Hälfte der Nutzer für direkte Umsätze. N26 bezeichnete im Jahresabschluss 2021 rund 3,7 Millionen Kunden als „ertragsrelevant“.
N26 hat weiterhin Probleme beim Kampf gegen Geldwäsche. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat deshalb die seit Ende 2021 bestehende Wachstumsbeschränkung von 50.000 Neukunden pro Monat verlängert.
Der Bunq-Gründer bekam 2014 von der niederländischen Finanzaufsicht die Erlaubnis, eine Bank zu leiten – und steht weiterhin an der Spitze des Fintechs.
Foto: IMAGO/ANPBunq wurde 2012, ein Jahr vor dem Start von N26, von Ali Nikman gegründet. Der IT-Unternehmer steht weiterhin an der Firmenspitze.
N26 war 2021 – das sind letzten veröffentlichten Geschäftszahlen – das Provisionsergebnis weitaus wichtiger als das Zinsergebnis. N26 erhält Gebühren von Händlern, wenn Kunden mit der Debitkarte einkaufen, sowie Kontogebühren. Per Ende 2021 betrugen die Kundeneinlagen bei N26 gut sechs Milliarden Euro.
Bei Bunq spielen Transaktionsgebühren eine kleine Rolle. 90 Prozent der Erlöse stammen laut Niknam aus Kontopreisen und Zinseinnahmen.
N26 ist viel mehr wert als Bunq
Bei der Bewertung bleibt Bunq weiter hinter N26 zurück. Der Wert von N26 wurde nach der jüngsten Finanzierungsrunde 2021 auf rund 7,7 Milliarden Euro taxiert. Bunq wird mit 1,6 Milliarden Euro bewertet. Das Fintech hatte vor einem Jahr erstmals Mittel von externen Geldgebern aufgenommen.
Gemessen an der Zahl der Beschäftigten ist N26 viel größer. Die Berliner Firma zählt 1500 Mitarbeiter, Bunq hatte per Ende 2022 rund 430 Angestellte.
Bei Fintechs mit Verlust im Jahr 2022
Bunq und N26 haben im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Bei Bunq belief sich der Verlust auf knapp elf Millionen Euro, ein Jahr zuvor betrug er gut 13 Millionen. Für das laufende Jahr geht Bunq von einem Gewinn aus, wie die niederländische Wirtschaftszeitung „Financieele Dagblad“ berichtete.
N26 will 2024 erstmals schwarze Zahlen schreiben. Im vergangenen Jahr stieg der Verlust, nachdem er 2021 bei 172 Millionen Euro gelegen hatte. 2023 werde der Verlust geringer ausfallen, sagte N26-Co-Chef Maximilian Tayenthal dem Handelsblatt.
Expansion in die USA
Bunq will den Sprung in die USA wagen. Die Firma hat im April mitgeteilt, dass es den Antrag auf eine US-Banklizenz gestellt habe.
N26 hat sich Anfang vergangenen Jahres aus den USA zurückgezogen. 500.000 Konten waren davon betroffen. Das Fintech war 2019 in den USA gestartet, gemeinsam mit der Partnerbank Axos. Eine eigene Banklizenz hatte N26 dort nicht erworben.