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Tigermedia im Start-up-CheckToniebox-Alternative lockt mit Streaming-Abo

Toniebox hat Eltern an hohe Preise für Hörspiele gewöhnt. Tigermedia greift den Marktführer mit einem Abo-Modell an. Der Start-up-Check zeigt, ob sich das rechnen kann.Nadine Schimroszik 25.08.2023 - 12:44 Uhr Artikel anhören

Die beiden Gründer wollen Streaming bei Kindern etablieren.

Foto: Tiger-Media

Berlin. Kassettenrekorder und CD-Player haben ausgedient: In deutschen Kinderzimmern stehen längst bunte Musikgeräte, die Kinder spielerisch bedienen können. Doch die Box von Marktführer Tonies hat einen Haken: Mit einzelnen Toniefiguren können die Kinder nur einzelne Geschichten oder Lieder freischalten. Und jede Figur kostet. Für Tigermedia-Finanzchef Jendrik Voß ist das kein erfolgversprechendes Geschäftsmodell: „Bei den Tonies geht es um den Kauf von Einzelmedien – darin sehen wir wenig Zukunft.“

Das Start-up will Kindern das ermöglichen, was für die meisten Erwachsenen längst selbstverständlich ist: „Alle Statistiken zeigen, dass die Welt streamen will“, sagt Voß. So sieht es auch Mitgründer Till Weitendorf: „Die Mediennutzung hat sich bei Erwachsenen längst verändert, jetzt zieht auch das Kindersegment nach.“

Die beiden haben eine Box entwickelt, mit der sich Inhalte für Kinder unbegrenzt abrufen lassen. Bezahlt wird vorab. Drei Monate kosten aktuell rund 30 Euro, ein Jahr 100 Euro.

Toniebox-Alternative Tigermedia: Um wen geht es?

Geschichten spielen im Leben von Till Weitendorf seit seiner Kindheit eine große Rolle. Seine Großmutter Heidi Oetinger baute einst den Kinder- und Jugendbuchverlag Oetinger in Hamburg mit auf und war mit der berühmten schwedischen Autorin Astrid Lindgren befreundet. Weitendorf verbrachte deswegen eine Zeit lang seine Sommerferien in Schweden mit seiner Großmutter und Lindgren.

Noch als Geschäftsführer der Verlagsgruppe gründete er zusammen mit Martin Kurzhals den Companybuilder Storydocks. Seit 2017 konzentriert er sich nur auf Storydocks, unter dessen Dach auch Tigermedia entstanden ist. 2017 startete das Unternehmen den Streamingdienst Tigertones, später kamen weitere Produkte wie die würfelförmige Tigerbox sowie Kinderkopfhörer hinzu.

Inzwischen kommt Tigermedia auf rund 250.000 verkaufte Hörboxen und Hunderttausende aktive Abonnenten. Seit 2019 habe sich der Umsatz versiebenfacht, sagt Weitendorf. Konkretere Zahlen will er allerdings nicht nennen.

Tonies, Amazon, Kekz: Das sind die Tigermedia-Konkurrenten

Der mit Abstand größte Wettbewerber ist das börsennotierte Unternehmen Tonies mit seinen Tonieboxen, das als Pionier auf dem Abspielmarkt für Kindermedien gilt. Operativ ist die Firma aus Düsseldorf deutlich weiter als Tigermedia. Im ersten Halbjahr war Tonies zumindest bereinigt auf Basis des Betriebsergebnisses (Ebitda) profitabel.

Daran soll sich auch dank des starken US-Geschäfts im weiteren Jahresverlauf nichts ändern. Im Gegensatz zu Tigermedia setzt die Firma auf einzelne bunte Spielfiguren, die auf die insgesamt inzwischen mehr als fünf Millionen verkauften Tonieboxen gesetzt werden müssen, damit Lieder oder Geschichten von „Benjamin Blümchen“, „König der Löwen“ oder dem „Neinhorn“ erklingen.

Doch Tonies ist nicht der einzige Konkurrent im Kinderzimmer. Das Münchener Start-up Kekz bietet kabellose Kinderkopfhörer an, die durch Audiochips aktiviert werden. Zu den Investoren gehören der Sänger Peter Maffay, der auch den kleinen grünen Drachen „Tabaluga“ erfunden hat, sowie die Horst Brandstätter Group, der Konzern hinter Playmobil.

Neben den Start-ups hat auch der Internetriese Amazon mittlerweile ein Streamingangebot, das speziell auf Kinder zugeschnitten ist und über Sprachboxen gesteuert wird.

Sony Music: Was sagen Investoren?

Seit der Firmengründung hat Tigermedia rund 20 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Den größten Anteil hat daran der Musikkonzern Sony Music.

„Mit mittlerweile mehr als 17.000 Audioprodukten insgesamt im Streamingangebot ist Tigermedia bereits jetzt die Nummer eins, wenn es um inhaltliche Vielfalt geht“, sagt der für das Investment verantwortliche Sony-Manager André Mühlhausen. „Diese Vielfalt ist für den Gesamtmarkt aus unserer Sicht der Schlüssel.“ Allein in Deutschland gebe es zwölf Millionen Haushalte mit Kindern – ein riesiger Markt.

Lesen Sie hier mehr Start-up-Checks:

Sony Media lieferte 2021 nicht nur Geld, sondern auch frische Inhalte. Die Mediathek von Tigermedia wuchs damals um Tausende Titel.

Experten gehen davon aus, dass der Markt weiterwachsen wird. Allein das Musikstreaming-Geschäft soll über die kommenden Jahre laut Statista weltweit um jährlich rund fünf Prozent zulegen – und im Kindersegment ist der Nachholbedarf groß. „97 Prozent unseres Marktes sind noch nicht erschlossen“, sagt Weitendorf.

Tigermedia: Wie geht es weiter?

Tigermedia will profitabler werden – auch mit Blick auf die neuen Anforderungen von Investoren. In einzelnen Monaten sei bereits in diesem Jahr auf Basis des Betriebsgewinns (Ebit) ein positives Ergebnis erzielt worden, sagen die Gründer. Das soll im kommenden Jahr in noch mehr Monaten gelingen. Im Jahr 2025 soll dann unterm Strich ein Gewinn stehen, wie Voß ankündigte.

Zudem will das Hamburger Start-up sein Angebot ausbauen und sich dabei vor allem auf Jugendliche konzentrieren. Da gebe es noch großes Potenzial, sagte Weitendorf.

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Seit Februar können Nutzer auch auf die Inhalte von Universal Music zugreifen und damit auf Musik von Rolf Zuckowski, Dikka und der Band Deine Freunde. Und auch beim Vertrieb will das Unternehmen sich weiterentwickeln: Boxen und Kopfhörer könnten künftig auch an Tankstellen verkauft werden, um dort Kinder zu erreichen, denen es auf der Fahrt zu langweilig geworden ist.

Mitarbeit: Shuya Zhang

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