Software: Porsche kooperiert enger mit Google
Der Sportwagenhersteller Porsche will die Navigation von Google stärker integrieren.
Foto: VolkswagenStuttgart. Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche will Google-Dienste tiefer im Infotainment seiner Autos integrieren. Das gab das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung am Montagmittag bekannt. Demnach wird Porsche Google für die Navigation, Sprachsteuerung und das App-Ökosystem in künftigen Fahrzeug-Generationen nutzen. Ein erster Serieneinsatz sei zur Mitte des Jahrzehnts geplant, heißt es. Über den finanziellen Umfang des Deals machte Porsche keine Angabe. Das Handelsblatt hatte bereits zu Beginn des Jahres über eine Anbahnung zwischen Porsche und Google berichtet.
Die Integration des Google-Ökosystems umfasst der Meldung zufolge die Anwendungen Google Maps, Google Assistant und eine Vielzahl von Apps, die über den Google Play Store erhältlich sind. Porsche-Kunden werden auch weiterhin die ihnen bekannte Porsche-Benutzeroberfläche vorfinden – das heißt Porsche behält die Hoheit über fahrzeugrelevante Daten, der Nutzer kann jedoch über seine Zustimmung Diensten den Zugriff auf das Infotainment erteilen. Im Fachjargon spricht man von einem Blended Ecosystem.
Neben Design und Performance sei für die Kunden auch ein „nahtloses digitales Erlebnis“ wichtig, sagte Porsche-Chef Oliver Blume. Man verfolge „einen offenen Ansatz“ und setze dafür auf technologisch führende Partner. Ende Mai hatte Porsche beim autonomen Fahren bereits eine Kooperation mit den israelischen Sensoren-Spezialisten Mobileye verkündet.
Auch Google freue sich „mit Porsche zusammenzuarbeiten, um den Kunden innovative und hilfreiche Erfahrungen im Fahrzeug anzubieten“, wird Hiroshi Lockheimer, zuständig für Plattformen und Software-Ökosysteme bei Google, in der Mitteilung zitiert. Auf dem Infotainment-System könnten Porschefahrer nun auf die neuesten Google-Technologien und -Dienste zugreifen. Porsche verwendet für sein Infotainment bislang ein Android-System, dessen Basis die konzerneigene Software-Tochter Cariad bereitstellt.
Neue Elektroautos könnten sich verzögern
Mit dem Deal geht Porsche innerhalb des VW-Konzerns erneut voran. Der konzerneigene App-Store ist zwar schon länger offen für Drittanbieter, potenziell auch für Google. Allerdings hatte bislang noch keine VW-Marke eine Integration der Dienste bekannt gegeben. Auch Porsche setzt bei seinem Infotainment für seine nächste Fahrzeuggeneration auf den hauseigenen App-Store, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist. „Über definierte und standardisierte Schnittstellen können in die Software-Plattform von Cariad auch Systeme und Lösungen von Partnern integriert werden“, erklärte ein Cariad-Sprecher auf Anfrage. Als globales Unternehmen sei der VW-Konzern mit verschiedenen potenziellen Partnern im Austausch, „Google ist einer davon“.
Peter Bosch soll die VW-Softwaresparte Cariad effizienter aufstellen.
Foto: VolkswagenCariad öffnet sich unter dem neuen Chef Peter Bosch für neue Partnerschaften. Denn die verlustreiche Softwareabteilung soll effizienter werden: Nach Informationen aus Konzernkreisen soll Cariad allein in diesem Jahr rund 400 Millionen Euro einsparen. Bis zu 2000 Stellen könnten dafür gestrichen werden, berichtete das „Manager Magazin“ zuletzt.
Im Februar hatte Mercedes-Benz bereits eine Kooperation mit Google zur Mitte des Jahrzehnts bekannt gegeben – und dabei betont, stets Herr der relevanten Fahrzeugdaten zu bleiben. Die Übereinkunft gilt seither als Blaupause in der deutschen Automobilindustrie für eine mögliche Integration von Tech-Riesen in das Enter- und Infotainment der Fahrzeuge.
Lange Zeit scheuten die Autokonzerne eine tiefergehende Software-Verzahnung mit den Tech-Riesen aus den USA oder China aus Sorge vor dem Zugriff auf Kundendaten. Diese sind die Basis, um digitale Services zu verkaufen – ein milliardenschweres Geschäft, insbesondere wenn autonomes Fahren eines Tages das Einkaufen während der Fahrt ermöglicht.