Bundeswehr: „Brigade Litauen“ bekommt Soldaten aus Bayern und Westfalen
Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Truppenbesuch in Augustdorf im Lipper Land: Soldaten aus Ostwestfalen gehören zum Kern der neuen „Brigade Litauen“.
Foto: IMAGO/Chris Emil JanayenBerlin. Das Panzerbataillon 203 aus dem nordrhein-westfälischen Augustdorf mit Leopard-2-Panzern und das Panzergrenadierbataillon 122 aus dem bayerischen Oberviechtach mit Puma-Schützenpanzern sollen künftig permanent in Litauen stationiert werden. Sie bilden den Kern der neuen Panzerbrigade 42, die in dem baltischen Land helfen soll, die Nato-Ostflanke zu sichern.
Dies hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf Vorschlag von Generalinspekteur Carsten Breuer entschieden, wie das Ministerium am Montag mitteilte. „Die Brigade Litauen ist das Leuchtturmprojekt der Zeitenwende“, wird Pistorius in der Mitteilung zitiert. Das Heer habe in kurzer Zeit einen sehr ausgewogenen Vorschlag ausgearbeitet.
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Erstmals in der Geschichte der Bundeswehr sollen 4800 Soldatinnen und Soldaten und 200 Zivilisten permanent in einem anderen Nato-Land stationiert werden. Dabei wird erwartet, dass sich genug Freiwillige finden, die mit ihren Familien zum Umzug bereit sind, bei Bedarf kann eine Versetzung angeordnet werden.
Ursprünglich hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den Litauern versprochen, eine „robuste“ Kampfbrigade zu stellen, die bei Bedarf rasch ins Baltikum verlegt werden kann. Material sollte vor Ort gelagert und ein Führungsstab eingerichtet werden. Im Juni dieses Jahres hatte Pistorius dann bei einem Besuch in Vilnius angekündigt, dass die Brigade permanent in Litauen stationiert werden soll.
Das dritte Bataillon der neuen Brigade wird nach den Plänen die zunächst weiterhin rotierende schnelle Eingreiftruppe sein. Wie bisher sollen also Bundeswehrverbände für eine bestimmte Zeit nach Litauen verlegt werden und die dort permanent stationierten Kampftruppenbataillone ergänzen. An der sogenannten „Battlegroup“ sind auch Verbände aus Norwegen und den Niederlanden beteiligt, die damit künftig im Wechsel Bestandteil der Brigade Litauen sein werden.
Pistorius reist noch vor Weihnachten nach Litauen
Pistorius hob hervor, dass bei der Entscheidung außer der derzeitigen Kampfkraft und Zusammensetzung der bestehenden Brigaden in Deutschland auch die Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten sowie die regional unterschiedliche Lage bei der Personalgewinnung berücksichtigt wurden.
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Noch vor Weihnachten werde er nach Litauen reisen, um die „Roadmap“ für den Aufbau der Brigade zu unterzeichnen, kündigte Pistorius am Montag an. Dann soll auch der Stationierungsort der Brigade feststehen. Im Gespräch sind die Städte Vilnius und Kaunas.
Ein Vorkommando soll im zweiten Quartal nächsten Jahres in Litauen stationiert werden, der Aufstellungsstab für die Brigade dann im Schlussquartal 2024.
Nach früheren Äußerungen des Ministers soll die Brigade spätestens 2028 voll einsatzfähig sein. Das hängt auch davon ab, wie schnell die Litauer die nötige Infrastruktur bereitstellen, also Kasernen oder Übungsplätze, aber auch Kitas und andere Einrichtungen für die mitreisenden Familienangehörigen der Soldatinnen und Soldaten.
Die beiden Bundeswehrstandorte in Augustdorf und Oberviechtach sollen trotz der Verlagerungsentscheidung erhalten bleiben. Es ist geplant, die Zahl der dort stationierten Soldatinnen und Soldaten ungefähr auf dem heutigen Niveau zu halten.
In Augustdorf wird das Panzerbataillon 215 neu aufgestellt. Das Artilleriebataillon 131 aus dem bayerischen Weiden soll nach Oberviechtach verlegt werden. Außerdem wird die Neuaufstellung einer leichten Versorgungskompanie geprüft. In Weiden will das Verteidigungsministerium das neu aufgestellte Panzerartilleriebataillon 375 weiter ausbauen.