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150 Jahre Metropolitan MuseumWie das Met zu einem der wichtigsten Museen weltweit wurde

Das Metropolitan Museum in New York ist ein faszinierendes Universalmuseum. In einer vielseitigen Schau reflektiert es die 150 Jahre seit seiner Gründung.Barbara Kutscher 17.09.2020 - 14:49 Uhr Artikel anhören

Das Metropolitan Museum of Art

Foto: Metropolitan Museum of Art

New York. Als das Metropolitan Museum als eines der ersten New Yorker Museen nach der Corona-bedingten Schließung wieder seine Tore öffnen durfte, empfing die Besucherschlangen gewohnte Pracht. Verlässlich, wie schon seit über 50 Jahren, zieren riesige exotische Blumengebinde die Nischen der Great Hall. Dank eines Vermächtnisses in Millionenhöhe der Verlegerin Lila Acheson Wallace kann der aufwendige Blumenschmuck „auf ewig“ wöchentlich aufgefrischt werden.

Aber hinter den Kulissen hat sich in fünfeinhalb Monaten viel verändert. Ausstellungen und Veranstaltungen wurden nach einem geschätzten Einkommensverlust von 150 Millionen Dollar zusammengestrichen. Die geplanten Feierlichkeiten rund um den 13. April zum 150. Gründungsjubiläum des Museums fielen aus.

Obwohl Mitglieder des Vorstandes in einem Notfallfonds eilig 30 Millionen Dollar zuschossen, mussten laut dem Präsidenten und CEO Daniel H. Weiss 21 Prozent der Angestellten in Zwangsurlaub oder Frührente geschickt oder sogar entlassen werden.

Das Met reagierte auch schnell auf die im Sommer allerorten stark an Fahrt gewonnene Rassismus-Debatte und erstellte eine Liste von dreizehn Punkten, die künftig für Diversifizierung bei Personalentscheidungen, Sammeltätigkeit und Programm sorgen soll. 

Mit einiger Verspätung kann nun endlich das prächtige Kernstück des Jubiläumsjahres, die Ausstellung „Making the Met 1870—2020“, besucht werden. „Das ist eine Ausstellung wie keine andere am Met. Es geht um die Entwicklung einer Idee zu einer der größten und wichtigsten Kunstinstitutionen der Welt, um den Aufstieg New Yorks zur Kulturdestination und um die Evolution der Rolle eines Museums innerhalb seiner Gemeinde“, sagt Direktor Max Hollein. 

Die Gründung des Museums am Central Park verdankt sich der Initiative einer Gruppe von Unternehmern, engagierten Bürgern und Künstlern, darunter der gefeierte Landschaftsmaler Frederic Edwin Church.

Installationsansicht der Schau „Making the Met“ im Metropolitan Museum of Art

Foto: Metropolitan Museum of Art

Die über 250 in „Making the Met“ gezeigten Objekte sind eine konzentrierte Tour-de-Force durch mehrere Jahrtausende und sämtliche Kontinente. Publikumslieblinge wie John Singer Sargents gewagtes Porträt „Madame X (Madame Pierre Gautreau)“ von 1884 sind auch darunter. Erfrischend ist aber der Blick auf selten gezeigte fragile Kostbarkeiten wie etwa präkolumbische Textilien. 

Die Kuratoren wählten ein ungewöhnliches Ordnungsprinzip: Den Zeitpunkt, an dem Objekte in die Sammlung aufgenommen wurden. Das bringt eine ganze Reihe faszinierender Begegnungen von Werken aus unterschiedlichen Epochen mit sich. Zehn thematische Gruppierungen streichen darüber hinaus entscheidende Momente im Wachstum des Museums heraus. 

Die Phalanx großzügiger Stifter

Früh füllten vor allem statushungrige New Yorker Großsammler die Wände und Vitrinen des Museums: Da gehe es darum, „pork into porcelain“ zu verwandeln, kommentierte ein Zeitgenosse. Allein fast 7000 Kostbarkeiten westlicher und östlicher Kulturen kamen nach dem Tod des Bankiers J. Pierpont Morgan 1917 ins Museum. Auch andere Sammler stifteten äußerst großzügig: die Havemeyers, die Annenbergs, die Cantors, Nelson A. Rockefeller, Robert Lehman, die Wrightmans oder soeben noch Leonard A. Lauder.

Bei der Aufforstung des Antikenbestands konnte sich das Museum dagegen ab 1906 fast 50 Jahre lang auf eigene ehrgeizige archäologische Ausgrabungen in Ägypten und dem Mittleren Osten verlassen. Ein Blickfang der Ausstellung, die monumentale Sitzstatue der Pharaonin Hatschepsut gelangte auch durch Fundteilung aus Deir el-Bahri 1927/28 an die Fifth Avenue. Eine schöne Idee: Hinter der Statue gibt ein soeben freigelegtes Fenster den Blick auf den Obelisken (um 1450 v. Chr.) im Park frei, der hier 1881 als Geschenk der ägyptischen Regierung aufgestellt wurde.

Die Sammlungsziele änderten sich ständig. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es etwa eine Kehrtwende hin vom Exklusiven zu „Art for All“. Die Bestände sollten einem breiteren Publikum und vor allem Künstlern und Designern als Inspiration zugänglich gemacht werden. 

Der 1924 eröffnete „American Wing” war einem Hobby des damaligen Museumspräsidenten Robert de Forest zu verdanken, der frühes amerikanisches Kunstgewerbe sammelte. Das war damals noch nicht museumswürdig. Heute bereichern auch historische Arbeiten von Afro-Amerikanern, Indianern und Künstlern Lateinamerikas diesen Gebäudeteil. 

17 Abteilungen hüten 1,5 Millionen Objekte

Das Museum hütet inzwischen über 1,5 Millionen Objekte, verwaltet in 17 Abteilungen. Sämtliche Möglichkeiten einer baulichen Expansion sind ausgeschöpft, aber wie der letzte Raum der Show „Broadening Perspektives“ zeigt, ist noch kein Ende der Sammeleifers in Sicht.

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Direktor Max Hollein, der vor zwei Jahren aus San Francisco an das Met wechselte, möchte die globale visuelle Kultur nuanciert als ein Gewebe von sich überschneidenden Erzählsträngen interpretiert sehen. Der Akzent liegt nun auf außergewöhnlichen Objekten aus unterrepräsentierten Regionen und Kulturen, wie etwa dem riesigen Wandbehang „Dusasa II“ (2007) des gefeierten Ghanaer Bildhauers El Anatsui aus recycelten Alu-Flaschenverschlüssen.

„Making the Met 1870—2020“ läuft bis 3. Januar 2021 im Metropolitan Museum, New York. Der Katalog kostet 50 Dollar.

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