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Altmeisterauktionen in New York Gesucht sind Qualität und fesselnde Sujets

Die neuen Sammler Alter Kunst suchen ausdrucksstarke Kunst für den zeitübergreifenden Dialog. Sotheby‘s Auktionen in New York haben davon profitiert.
04.02.2021 - 13:07 Uhr Kommentieren
Das feine Keramikrelief aus der Zeit um 1450 kam aus dem Besitz der Albright-Knox Art Gallery (Ausschnitt). Quelle: Sotheby‘s
Luca della Robbia „Madonna“

Das feine Keramikrelief aus der Zeit um 1450 kam aus dem Besitz der Albright-Knox Art Gallery (Ausschnitt).

(Foto: Sotheby‘s)

New York Äußerst selbstbewusst konnte Sotheby’s den ersten Markttest des Jahres angehen. Trotz Covid-Beschränkungen, die nur eine Livestream-Versteigerung aus Sotheby’s Studio in London und in New York erlaubten, waren für die Altmeisterauktionen kapitale Trophäen akquiriert worden.

Eines der so raren Porträts des Renaissance-Meisters Sandro Botticelli in ungewöhnlich gutem Zustand, für das – unveröffentlicht — über 80 Millionen erwartet wurden. Und auch für Rembrandts signiertes Kabinettbild „Abraham, die Engel bewirtend“ wurden 20 bis 30 Millionen Dollar erwartet. 

Mit mindestens angepeilten 121,9 Millionen Dollar netto für den schmalen Katalog war für den 28. Januar die höchste Gesamterwartung der New Yorker Abteilung zusammengekommen. Aber überraschend wurde kurz vor der Auktion das Rembrandt-Bild ohne Angabe von Gründen zurückgezogen. Insider waren ratlos: der Einlieferer, Met-Vorstandsmitglied Mark Fisch, einer der Geschäftsführer im familieneigenen Immobilienunternehmen Continental Partners, hatte schließlich schon seine Garantie eingestrichen.

Taxgerecht, wenn auch ohne Feuerwerk, konnte aber Botticellis spätes Porträt eines unbekannten jungen Mannes, der ein goldgrundiges Rundbildchen des Sienesen Bartolomeo Bulgarini präsentiert, abgesetzt werden. Obwohl sich Auktionator Oliver Barker routiniert um Dramatik bemühte, sauste der Hammer schon nach viereinhalb Minuten bei 80 Millionen Dollar nieder.

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    Der von Sotheby’s Expertin Lilija Sitnika vertretene, sehr zögerliche Telefonbieter schuldet nun mit Aufgeld 92,2 Millionen Dollar. Sein einziger Konkurrent, ein Sammler aus Asien, hatte nach nur einem Gebot aufgegeben. Sitnika betreut üblicherweise von London aus Sammler in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. 

    Das vom New Yorker Immobilien-Tycoon Sheldon Solow 1982 in London zu damals hohen 810.000 Pfund ersteigerte Bild erzielte damit einen der höchsten Auktionspreise für ein Altmeistergemälde, aber immer noch in weitem Abstand zu Leonardo da Vinci, dessen „Salvator Mundi“ 2017 bei Christie’s spektakuläre 450,3 Millionen einbrachte.

    Die in Öl und Tempera auf Holz gemalte Darstellung des Todes der Lucretia beim Bankett des Lucius Junius Brutus erzielte mit 1,02 Millionen Dollar einen Auktionsrekord für den Künstler. Der Schätzpreis lautete 400.000 bis 600.000 Dollar (Ausschnitt). Quelle: Sotheby's
    Master of Marradi „Lucretia”

    Die in Öl und Tempera auf Holz gemalte Darstellung des Todes der Lucretia beim Bankett des Lucius Junius Brutus erzielte mit 1,02 Millionen Dollar einen Auktionsrekord für den Künstler. Der Schätzpreis lautete 400.000 bis 600.000 Dollar (Ausschnitt).

    (Foto: Sotheby's)

    Insgesamt spielten 30 verkaufte von 43 angebotenen „Master Paintings and Sculpture“ der revidierten unteren Erwartung entsprechend 114, 5 Millionen Dollar brutto ein. Allein 94,6 Millionen Dollar brutto trug der Käufer des Botticelli-Knaben bei, der dazu zwei weitere frühe Renaissance-Werke ergatterte.

    Einen erfolgreichen Auftritt hatte auch das eindrucksvolle Porträt „Junger Mann mit Pelzkappe“ des Rembrandt-Schülers Aert de Gelder. Erst 2019 bei Van Ham in Köln zu 115.000 Euro netto zugeschlagen, schrammte es nun bei 927.500 Dollar brutto knapp am neuen Rekord vorbei und reist per Online-Gebot zurück nach Europa.

    Was die Kunsthändlerin Hester Diamonds sammelte

    „Die in den letzten drei bis vier Jahren in der ganzen Welt stark gewachsene Sammlerschaft für Alte Meister sucht vor allem Qualität und fesselnde Sujets. Das müssen dann nicht unbedingt die großen Namen sein“, weiß Sotheby’s Expertin Calvine Harvey. „Und sie bevorzugt den Zeit- und Kategorien übergreifenden Dialog“.

    Diese Kollision von ganz Jungen und Altem war am folgenden Freitagmorgen im Nachlass Hester Diamonds zu finden. Die 2020 im Alter von 90 Jahren verstorbene New Yorker Händlerin von Blue-Chip-Moderne hatte sich über die 30 Jahre in einer Kehrtwende dramatischen, häufig religiösen Sujets zugewandt. Ihr Apartment am Central Park kombinierte Skulpturen und Gemälde der nordischen Renaissance und des frühen Barock mit zeitgenössischer Kunst und schreiend bunten Designermöbeln.

    Das sprach Teilnehmer aus fast 30 Ländern an, manche kauften en gros ein, wie der Bieter mit Nummer 26, der sich gleich sechs Werke reservierte. Siebzehn Rekorde fielen. Vier hartnäckige Bewerber hievten Dosso Dossis Paar Großformate mit 6,2 Millionen Dollar aufs Doppelte der Taxe. Ursprünglich war es Teil seines berühmten zehnteiligen Aeneas-Zyklus im Castello Estense in Ferrara.

    Dünn wurde der Wettbewerb dagegen beim Highlight, Berninis Marmorskulptur „Herbst“, die der damals noch sehr junge Gian Lorenzo mit seinem Vater Pietro gemeißelt hatte. Der einzige Interessent konnte noch unter der Mindesterwartung bei 7,5 Millionen Dollar zugreifen, schuldet mit Aufgeld 8,9 Millionen Dollar — auch dies ein neuer Rekord. Von angebotenen 49 Werken der Sammlung Diamond blieben elf unverkauft, 38 Zuschläge brachten erwartete 26,8 Millionen Dollar ein. Insgesamt fuhren beide Auktionen starke 148 Millionen Dollar ein.

    Mehr: Nachruf auf Richard Feigen: Er war ein Sammler im Händlergewand

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