Auktionen: Alter Wein und moderne Kunst
München. Seinen Sinn für moderne Ästhetik hat der Immobilienentwickler und Bauunternehmer Horst Bülow auf zweierlei Wegen ausgelebt: in Stadtbild prägenden Bürohäusern, Einkaufszentren und Hotels mit besonderer Architektur und als Sammler für Kunst des 20. Jahrhunderts. Das letzte spektakuläre Projekt des Gründers der heutigen Bülow AG war vor drei Jahren der Porsche Design Tower. Bis heute das höchste moderne Hochhaus der Schwabenmetropole.
Wie das Handelsblatt von der Geschäftsführung des Auktionshauses Nagel erfuhr, wird dort Anfang November, nur wenige Monate nach dem Tod des 85-jährigen Immobilien-Königs im Frühjahr dieses Jahres die Sammlung des Ehepaares Horst und der bereits 2021 verstorbenen Monika Bülow versteigert.
Zu den Highlights des Angebots mit moderner Kunst gehören unter anderem ein rotes, 1961 entstandenes „Concetto spaziale. Attesa“ von Lucio Fontana sowie ein 1999 gehämmertes Nagelrelief „Bewegtes Feld“ des im Juni verstorbenen ZERO-Künstlers Günther Uecker. Beide Kunstwerke stehen preislich im obersten Bereich der Sonderauktion. Endgültige Taxen stehen derzeit noch nicht fest. Wie Fabio Straub, geschäftsführender Gesellschafter, jedoch mitteilte, bewegen sich die unteren Schätzungen für die 60 Positionen mit Gemälden und Papierarbeiten des 20. Jahrhunderts zwischen 5000 Euro und Summen im mittleren sechsstelligen Bereich.
Von den bislang bekannt gewordenen Werken ausgehend, besaß das Unternehmerpaar, zu dessen prominentesten Hotelbauten das 5-Sterne-geführte Bülow Palais in der Dresdner Altstadt gehörte, eine Vorliebe für abstrakte Kunst der Nachkriegsjahrzehnte. Zum Aufruf kommen unter anderem Gemälde bedeutender Vertreter der jungen Bundesrepublik wie beispielsweise Willi Baumeisters „Auszug der Giganten“ von 1947, Emil Schumachers „Dynamische Komposition“ von 1954 sowie Ernst Wilhelm Nays „Sternblattranken“ von 1951 aus der Periode der rhythmischen, sogenannten fugalen Bilder.
In der Sammlung ebenfalls vertreten sind Adolf Fleischmann, Serge Poliakoff und Adolf Hölzel, aber auch Andy Warhol mit den signierten Diamond-Dust-Serigrafien „Shoes“ und „Mickey Mouse“ aus den frühen 1980er-Jahren. Zum Aufruf gelangen weiterhin circa 100 Positionen Wein und etwa 120 Schmuckstücke sowie außerhalb der Sonderauktion Möbel des 19. Jahrhunderts aus der südfranzösischen Villa des Paares. Die Erlöse der Auktion kommen der von beiden gegründeten Bülow-Stiftung zugute, die sich für Naturschutz und die Rettung der Meere engagiert.
Nagel setzt mit dieser Auktion seine neue Strategie fort, prominente Nachlässe nach Stuttgart zu holen, statt sie der Konkurrenz in Köln oder München zu überlassen. Nach der Versteigerung des Besitzes der Kaufhauserbin Heidi Horten, aber vor allem mit der Sammlung des ehemaligen Daimler-Managers Edzard Reuter und der jetzigen Offerte potenter Kunstwerke des 20. Jahrhunderts wird Nagels Streben nach einer stärkeren Präsenz auf dem gewinnträchtigen Gebiet der Moderne und Gegenwartskunst offensichtlich. Fabio Straub versicherte dem Handelsblatt am Telefon: „Wir waren nicht die einzigen Interessenten.“
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