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Cindy Shermann in Paris Lebenswerk einer Verwandlungskünstlerin

Eine perfekt inszenierte Retrospektive rollt das Oeuvre der amerikanischen Fotokünstlerin Cindy Sherman auf. Schauplatz ist die Stiftung Louis Vuitton in Paris.
24.09.2020 - 16:02 Uhr Kommentieren
Cindy Shermans „Untitled #584“ entstand 2018. Quelle: Metro Pictures, New York; Cindy Sherman
Digitale Vervielfachung des Ichs

Cindy Shermans „Untitled #584“ entstand 2018.

(Foto: Metro Pictures, New York; Cindy Sherman)

Paris Das wahre Gesicht der 66-jährigen Künstlerin Cindy Sherman ist seit 45 Jahren unbekannt, denn die Selbstdarstellerin praktiziert das Prinzip der Metamorphose ihrer Person rigoros. Frank Gehrys Luxus-Museumsbau für die Unternehmensstiftung Fondation Louis Vuitton im Pariser Westen bietet den aufwendigen und kostspieligen Rahmen für die Retrospektive der amerikanischen Foto-Künstlerin, die wie viele Ausstellungen durch Corona zeitlich verschoben werden musste und nun bis zum 3. Januar 2021 zu sehen ist.

Von den ersten Fotos aus dem Jahr 1975 abgesehen, denen Sherman noch einen vagen Titel gab, unterscheidet man ihre „Untitled“ genannten Arbeiten durch die Nummerierung. Ein neutrales Element, signifikant für ihr kreatives Programm. Denn die Künstlerin inszeniert sich zwar selbst, sie bleibt jedoch anonym, ist niemals persönlich sichtbar und erkennbar.

Sherman schminkt und verkleidet sich, setzt Perücken und künstliche Nasen auf, klebt sich falsche Zähne in den Mund und mimt Filmstarletts der 1920er- und 1930er-Jahre oder grotesk ausstaffierte Alltagsfiguren. Sie erfindet Märchengestalten, Hexen oder blutige Schreckgespenster, Clowns in schreienden Farben, reiche Frauen in psychologischen Notsituationen und imitiert historische Porträts seit der Renaissance, wobei sie in Männer- oder Frauenrollen schlüpft. Shermans Kunstfiguren altern mit ihrer Erfinderin.

Mit der digitalen Fotografie und Photoshop öffneten sich neue technische und innovative Möglichkeiten. Als Hintergrund dienen nun etwa römische Landschaften, wo elegant gekleidete Damen oder Herren elegisch in die Ferne blicken. Die digitale Vervielfachung ihres Ich wird zum amüsanten Spiegelspiel.

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    Soziologisch sensibel der Gender-Aktualität folgend, konzentriert sich die Serie „Men“ von 2019 auf Männer. Die Arbeiten von diesem Jahr, Frauengesichter auf monumentalen Tapisserien in blassen Farbtönen, leiht die Galerie Metro Pictures der Schau. Andere Leihgeber sind die Sammlungen Olbricht, Goetz, Ringier oder das Glenstone Museum in Potomac. Mehr als 50 der insgesamt 170 Fotos kommen aus der hauseigenen Sammlung.

    Der perfekt präsentierte Ausstellungsrundgang folgt Shermans Serien mit den englischen Titeln. Sie werden durch kurze Texte der Kuratorin Marie-Laure Bernadac ergänzt.

    Vielfach und weltweit preisgekrönt zählt Cindy Sherman zu den – auch preislich – sicheren Werten des Kunstbetriebs. Ihre großformatigen, auf Metall abgezogenen Fotografien der letzten Jahre kosten bei ihrer New Yorker Galerie Metro Pictures 300.000 US-Dollar (Auflage 6 Exemplare plus 1 Artist's Print). Am Ende der Auflage steigt der Preis bis 350.000 Dollar. Die Berliner Galerie Sprüth Magers verfügt über diverse Serien aus verschiedenen Schaffensperioden, die zwischen 30.000 bis eine Million Euro liegen.

    Stagnierende Auktionspreise

    Auf Auktionen hält Christie‘s New York seit November 2014 den Höchstzuschlag mit 6,8 Millionen für einen der begehrten schwarz-weiß-Abzüge aus der frühen Serie „Untitled Film Still“ von 1977; gefolgt von einem der bekanntesten Sujets aus der Auftragsserie „Centerfolds“ von 1981. Es wurde ebenfalls von Christie‘s versteigert.

    Das mit # 96 nummerierte Foto brachte im Mai 2011 stattliche 3,9 Millionen Dollar. François Pinaults langjähriger Kunstberater Philippe Segalot organisierte im November 2010 eine Auktion bei Phillips de Pury in New York, wo Shermans Kopf, # 153, entstanden 1985, mit einem Zuschlag von 2,8 Millionen Dollar punktete. Seither stagnieren die Auktionspreise. Ob das am alternden Frauenbild liegt? Der Katalog kostet 35 Euro.

    Mehr: Sammlung Morosow: Verschiebung der Macht

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