Galerie: Aus dem Nachlass von Eva Hesse: Was noch übrig ist
Mit Papier, Paketklebeband, Gaze und Kleber formte die Künstlerin 1969 Schalen und luftig leichte Gebilde.
Foto: Thomas Müller; Nachlass Eva Hesse bei Hauser & WirthZürich. Eva Hesse hat die Grenzen der Kunst verschoben und neu definiert. Sie starb 1970 mit nur 34 Jahren und hatte zeitlebens von ihrem unkonventionellen Werk nur wenig verkaufen können. Den Nachlass betreut seit 2000 die Großgalerie Hauser & Wirth
. Sie konnte viele von Hesses experimentellen Hauptwerken in Museen unterbringen.
In der Mitte der 1960er-Jahre kamen sowohl die Amerikanerin Hesse als auch der Deutsche Gerhard Hoehme auf die Idee, den Bildraum durch integrierte Plastikschnüre oder Latex zu sprengen und zu erweitern. Das war revolutionär.
Von solch kunsthistorisch mutigen Werkmarken sieht man in der aktuellen Züricher Kleinausstellung nichts. Sie findet in der für Nachlasspräsentationen bestimmen Galerie von Hauser & Wirth bis 19. November statt. Hier geht es um das, was noch übrig ist: das malerische Frühwerk der Reihe „Spectre“ aus dem Jahr 1960 und um eine Reihe von Papierskulpturen aus dem Jahr 1969. Die Preise liegen zwischen 175.000 und 750.000 Dollar.
In den auf Hartfaserpappe gemalten Kleinformaten probiert die bei Josef Albers ausgebildete Malerin neben der Abstraktion die Figuration aus. Irrlichternde Gestalten erscheinen skeletthaft oder als Paar klar unverbunden. Sie werden in grün-gelb-grau-Tönen pastos, bewusst ungelenk mit dem Pinsel und dem Pinselende aufgetragen bzw. eingekratzt.
In den ungegenständlichen Kompositionen bleibt der Prozess das Thema. Die Farbe tropft, kleckst und bildet ein leichtes Relief. Alles in allem konventionell und nicht so befreit, wie sich Hesse ihre Kunst wünschte.
Wesentlich experimenteller ging sie 1969 mit Papier, Paketklebeband und Gaze um. Mit Kleber formte sie daraus Schalen ohne die Funktion von Schalen und luftig leichte Gebilde. Körper, die ein Kissen oder einen Fußball assoziieren lassen, dem die Luft ausgegangen ist.
„Eva Hesse. Forms & Figures“ in der Galerie Hauser & Wirth Zürich, Bahnhofstrasse 1, bis 19. November 2022
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