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Hermann Glöckner Aus der Werkstatt eines DDR-Außenseiters

Schon im geteilten Deutschland hatten die geometrischen Abstraktionen des Dresdners Hermann Glöckners ihre Bewunderer in Ost und West. Nur die Offiziellen der DDR mochten sie weniger. Nun bringt die Galerie Florian Sundheimer erstmals winzige Skulpturen und Arbeiten auf den Markt. Aus ihnen spricht die Lust am Experiment.
30.09.2015 - 10:53 Uhr
Hermann Glöckners Dreieckskomposition „Aufgipfelung in Weiss und Schwarz“, die 9 x 14 x 2,5 cm misst. Quelle: Nachlass Hermann Glöckner (VG Bild-Kunst befreit)/ Galerie Florian Sundheimer
Aus einer Pralinenschachtel entwickelt

Hermann Glöckners Dreieckskomposition „Aufgipfelung in Weiss und Schwarz“, die 9 x 14 x 2,5 cm misst. Quelle: Nachlass Hermann Glöckner (VG Bild-Kunst befreit)/ Galerie Florian Sundheimer

München Ein Leben lang ist der Maler und Plastiker Hermann Glöckner der Spur der Linie und der Geometrie gefolgt. Selbst als 90-Jähriger hat der Avantgardist hinter dem Eisernen Vorhang in seinem Atelier in Dresden schwarze, weiße, gelbe oder rote keilförmige Dreiecke zu abstrakten Sinnbildern zusammengeschoben. Bis zu seinem Tod 1987 war der Verweigerer des sozialistischen Realismus gefesselt von der Magie sich kreuzender Linien. Heute ist er in Museen wie dem Frankfurter Städel, der Nationalgalerie in Berlin oder im Museum of Modern Art in New York vertreten.

Doch zwischen messerscharf konstruierten Gemälden und leuchtenden Papierarbeiten hat Glöckner auf kleinen Papierfetzen, auf banalen Postkarten und ausgerissenen Zeitungsartikeln ganz für sich und im Stillen die Möglichkeiten malerischer Abstraktion viel weiter erkundet als erahnen lässt. Und mit Pappstreifen, Streichhölzern, Weintraubenstielen und Gips schuf er skulpturale Winzlinge, die im ersten Moment wie spielerische Formexperimente wirken. In ihren gedanklichen Dimensionen gehen sie jedoch weit über die wenigen Zentimeter hinaus. Etwa 80 dieser „Miniaturen“, wie Nachlassverwalter und Glöckner-Experte Sebastian Schmidt sie bezeichnet, präsentiert derzeit die Galerie Florian Sundheimer, im München.

Hermann Glöckners Papierarbeit mit Temperafarbe „Weißer Balken über dunkelbraunem Vieleck auf rotbraunem Grund“ von 1956 (12,6 x 17,5 cm). Quelle: Nachlass Hermann Glöckner (VG Bild-Kunst befreit) / Galerie Florian Sundheimer
Zeugt von einer Auseinandersetzung mit der abstrakten Nachkriegsmalerei

Hermann Glöckners Papierarbeit mit Temperafarbe „Weißer Balken über dunkelbraunem Vieleck auf rotbraunem Grund“ von 1956 (12,6 x 17,5 cm). Quelle: Nachlass Hermann Glöckner (VG Bild-Kunst befreit) / Galerie Florian Sundheimer

Dialog mit Willi Baumeister

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    Glöckners Rolle als einer der konsequentesten Verfechter des Konstruktivismus ist in den letzen Jahren in vielen Ausstellungen gewürdigt worden. Doch gibt Sundheimer mit seiner Schau zum ersten Mal einen Überblick über die Miniaturen von den späten 1940er- bis in die 1970er-Jahre. Was da zum Vorschein kommt, zeichnet das Bild eines Künstlers, der im Spiegel der Nachkriegskunst selbst auslotet.

    Unübersehbar ist der Werkstattcharakter. Wenn Glöckner 1952 auf einem halbierten Bogen Briefpapier blaue und gelbe Farbflecken setzt, die von schwarzen, bewegten Linien überlagert sind, spürt man seinen Dialog mit Informellen wie Willi Baumeister. Im Kleinen wird probiert. Auf einer runden Pappscheibe testet er die kompositorische Wechselwirkung zwischen einem grünen Halbkreis und einem roten Kreis.

    Widerstand gegen die Realismus-Doktrin

    Allesamt verraten die Blätter eine Lust am Experiment und am Unvorhersehbaren; aus ihnen spricht die Offenheit, sich alles künstlerisch zu eigen zu machen, im inneren Widerstand gegen die Realismus-Doktrin. Selbst eine Streichholzschachtel. Für Glöckner waren die Miniaturen nicht nur Fingerübung, sondern wohl auch eine Art Arbeits- und Gedankenprotokoll. Denn manche Skizzen hat er zu Gruppen auf schlichte DIN-A-4-Blätter montiert und penibel in sechs Orwo-Fotoschachteln verwahrt.

    Devisen gemacht mit dem Abweichler
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