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KunstmesseArt Düsseldorf wird zum Markttest am Rhein

Die Art Düsseldorf will mit einem strikt zeitgenössischen Programm in einem schwierigen ökonomischen Umfeld punkten. Am Ende entscheidet der wirtschaftliche Nutzen.Stefan Kobel 11.04.2024 - 16:26 Uhr
Max Goelitz hat seinen Stand mit Werken von Rindon Johnson, Lou Jaworski und Haaron Mirza in eine Landschaft aus Salz der Künstlergruppe Troika eingebettet. Foto: Dirk Tacke/max goelitz

Düsseldorf. Als Bewährungsprobe in einem schwächelnden Kunstmarkt kann die diesjährige Ausgabe der „Art Düsseldorf“ gelten. Nach zuletzt zwei Ausgaben, die dank Coronahilfen für Galerien günstig bepreist waren, muss die relativ junge Kunstmesse jetzt beweisen, dass Düsseldorf auch bei regulären Teilnahmegebühren in einer Marktflaute ein attraktiver Umschlagplatz ist.

Die Chancen stehen nicht schlecht. Das ehemalige Industrieareal Böhler bietet mit seinen Tageslichthallen ideale Voraussetzungen für eine Kunstmesse, und das strikt zeitgenössische Programm kann sich sehen lassen. Die deutschen Standesvertreter sind zahlreich und mit durchaus spannenden Positionen angereist, auch wenn die Präsenz internationaler Aussteller ausbaufähig ist. Von den 105 Galerien stammen allein 30 aus Köln und Düsseldorf, weitere 24 aus Berlin.

Lediglich 32 Galerien mit Hauptsitz im Ausland verzeichnet der Onlinekatalog. Ein Grund für diesen Umstand dürfte nicht zuletzt etwas rheinaufwärts zu suchen sein, wo die „Art Cologne“ als älteste Kunstmesse der Welt im Ausland immer noch die größere Strahlkraft haben dürfte. Es gilt also, die Attraktivität in der größeren Region zu stärken.

„Die Düsseldorfer haben nicht so die Liebe zur Kunst wie die Kölner“, gibt eine Ausstellerin zu bedenken. Wenn dann der Messeauftritt inklusive Transport et cetera realistisch gerechnet knapp 40.000 Euro kostet, muss die Messe Sammler aus den Nachbarregionen anlocken, damit die Aussteller auf ihre Kosten kommen.

Fragen rund um die Rentabilität

Messegründer und -direktor Walter M. Gehlen ist sich dessen bewusst: „Die Galerien werden aufgrund ihrer Umsätze in der Vergangenheit kalkuliert haben, ob sich die Messe auch unter den aktuellen Bedingungen für sie rentiert, und die Frage ist offensichtlich mit Ja beantwortet worden.“ Zurückgekehrte Aussteller stimmen ihm zu: „Die Qualität ist sehr gut“, findet Asia Zak-Persons von Persons Projects aus Berlin.

Die Galerie nimmt zum dritten Mal teil. Seit die „Art Cologne“ – wie in diesem Jahr – zeitgleich mit der „Paris Photo“ stattfindet, ist es für die im Fotobereich starke Galerie unmöglich, an der Kölner Messe teilzunehmen. Eine deutsche Messe im Jahr brauche sie aber. Für Aussteller nicht zu unterschätzende Faktoren seien zudem die Tageslichthallen und das gastronomische Angebot.

Der wahre Lackmustest sei allerdings der wirtschaftliche Nutzen, meint Timothy Persons: „Wir alle wissen, dass der Markt aktuell nicht so stark ist. In dieser Situation die Preise auf marktübliches Niveau zu erhöhen ist riskant.“

Einen weiten Imaginationsraum eröffnet diese lackierte Holzskulptur eines Paars auf dem Stand von Schönewald Fine Art. Schöpfer ist Andreas Schmitten. Foto: Andreas Fechner/Schönewald Fine Art

Die Anbindung an die Institutionen der Region scheint jedenfalls zu funktionieren. Denn ein Projekt wie Lennart Lahuis’ Pseudorelikte einer riesigen Tontafel bei Dürst-Britt Mayhew (Den Haag), die keinen antiken, sondern einen modernen wissenschaftlichen Text über die Plattenverschiebung trägt, die England zu einer Insel gemacht hat, ist wahrscheinlich eher im musealen Kontext vorstellbar.

Nicht ganz zufällig bestreitet der Künstler aktuell eine Einzelausstellung im nahen Schloss Moyland. Einzelne Teile oder Gruppen kosten 1200 bis 2000 Euro, für eine Institution wäre das ganze Ensemble für 15.000 Euro zu haben.

ASPN aus Leipzig zeigt neben den Augentäuscher-Gemälden von Jochen Mühlenbrink fotografische Arbeiten von Katarina Dubovska, die im letzten Jahr eine Einzelausstellung im Folkwang-Museum in Essen hatte. Die genderfluide Romantik von Harry Hachmeister zielt ebenso auf die reiche Fotoszene der Region.

In die Vollen geht Klaus-Gerrit Friese aus Berlin, auch wenn es in diesem Jahr weder vom Senat noch von der Messe Vergünstigungen gibt. An der eigens zum Gang aufgebauten Wand in der Mitte seines großen Standes prangt eine 84-teilige Gruppe von Farbfeldmalereien Franziska Holsteins, die der Galerist gern geschlossen für 160.000 Euro an eine Institution vermitteln würde – oder einzeln für je 2600 Euro.

Kunstmesse

Augen auf für anderes als den Marktwert – Unterwegs auf der „Art Paris“

Viele jüngere Galerien begnügen sich mit kleineren Ständen, mit denen sie durch konzentrierte Präsentationen ihre Visitenkarte hinterlassen wollen. Max Mayer aus Düsseldorf setzt die ursprünglich für den Freiburger Stadtraum entwickelten Arbeiten von Maximiliane Baumgartner (9000 bis 12.000 Euro) in Dialog mit Arbeiten des 2018 verstorbenen Jef Geys (160.000 Euro).

Um auch weniger kapitalstarken, meist jüngeren Galerien die Teilnahme zu ermöglichen, bietet die Messe einige Sonderformate mit niedrigeren Standpreisen. Die Sektion „Change“ mit ihren Einzelpräsentationen erinnert in ihrer kreuzförmigen Standarchitektur an die „Spark Art Fair“ in Wien. Den hier zwischen zwei Wänden aufgespannten Raum nutzt etwa die Kölner Galerie Drei, um das Werk von Julia Scher zu präsentieren.

Sie hat sich bereits seit den 1980er-Jahren mit der Überwachung des öffentlichen und privaten Raums auseinandergesetzt. Eine kleinere Papierarbeit von 1983/84 kostet ebenso 12.000 Euro wie zwei scheibenförmige Wandskulpturen. Zwei massive Eulenskulpturen sind für je 35.000 Euro zu haben.

Das Angebot, das die Messe Ausstellern und Besuchern macht, ist also stimmig. Der in einer Rochade mit den Kölnern getauschte Termin hat allerdings seine Tücken, gibt Gehlen zu: „Im internationalen Messekalender ist inzwischen jeder Termin mehrfach besetzt. Was es dieses Jahr einigen Galerien unmöglich gemacht hat zu kommen, ist die ‚Biennale‘ in Venedig. Andererseits hat es tatsächlich dazu geführt, dass einige Topsammler aus Übersee die Gelegenheit für einen Stopover nutzen.“ 

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Doch nicht nur mit Venedig muss es die Messe aufnehmen. Es dürfte auch nicht leicht sein, vor dem Hintergrund der aktuellen Marktflaute und mit dem „Gallery Weekend Berlin“, der „Art Brussels“ und der Mailänder „Miart“ in unmittelbarer terminlicher Nähe Sammler, Kuratoren und damit Umsatz an den Rhein zu ziehen.

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