Schloss Ahlden: Die Jungen übernehmen das Ruder
Die neuen Besitzer wollen Schloss Ahlden weiter als ein Auktionshaus für alle Sparten positionieren.
Foto: Schloss AhldenEs war ein Wagnis mit ungewissem Ausgang, das Karin und Florian Seidel vor gut 43 Jahren eingingen. Die Seidels gründeten in der norddeutschen Provinz ein Auktionshaus. Der Name, in bester Marketingmanier, verlieh dem Haus schon zu Anfang Glanz: Auktionshaus Schloss Ahlden.
Der Plan der Seidels ging dennoch schnell auf. Die Kunden aus Hamburg oder Hannover kamen, weil sie neugierig oder gerade auf Landpartie waren. Im Angebot, meist aus dem Bereich der sogenannten Mittelware, fanden sie zuverlässig etwas, nicht eben für die eigene Sammlung, sondern für die Ausstattung der eigenen vier Wände. Über 170 Auktionen fanden seitdem in dem historischen Fachwerk-Schloss der Welfen statt. Porzellan, vor allem Meissen, war stets ein beliebter Schwerpunkt, nahezu alle Sparten und Epochen waren vertreten, auf den letzten Auktionen auch immer mehr Luxusmarken der Modeindustrie, etwa Hermès-Tücher und -Taschen.
Seidels haben ihr Unternehmen nun in jüngere Hände verkauft. Daniel Cremene (35), Betriebswirt und Kunsthistoriker, wird zusammen mit seiner Frau Magdalene Schmuck-Cremene das Haus, das sie bereits seit 2014 als sporadische Teilzeit-Mitarbeiter kennen, weiter als Generalisten positionieren. Sie möchten das Angebot zusätzlich für Design und auch für zeitgenössische Kunst öffnen. Social Media sollen die Attraktivität von Ahlden für neue Zielgruppen erhöhen.
In der kommenden Auktionsserie ab 30.11. ist das Sammelgebiet Design klar integriert: 415 Objekte von insgesamt knapp 3.000 Losen, auch hier hauptsächlich qualitätvolle Mittelware. Beim Thema Social Media ist Cremene allerdings noch deutlich von der notwendigen Schlagzahl entfernt. Und die Art der etwas ältlich wirkenden Präsentation im Schloss dürfte diese Zielgruppen vermutlich auch (noch) nicht ansprechen.