Geldanlage: Männer in Deutschland halten sich häufiger für kompetent als Frauen
Frankfurt. Männer in Deutschland halten mehr von ihrem Finanzwissen als Frauen. Zudem nehmen die Kenntnisse über finanzielle Themen mit dem Einkommen und dem Alter zu. Das stellt das Marktforschungsinstitut Yougov im Auftrag der genossenschaftlichen Teambank in einer repräsentativen Studie unter 3160 Menschen in Deutschland fest. Die Studie liegt dem Handelsblatt vor.
Eine andere Umfrage von Yougov im Auftrag des Vermögensverwalters Blackrock unter mehr als 36.000 Erwachsenen in 14 europäischen Ländern hat dazu passend eine Kluft zwischen männlichen und weiblichen Anlegern ermittelt, aber auch herausgefunden, dass sich die Kluft etwas schließen dürfte.
Die Hälfte der Männer in Deutschland bewertet ihre Kenntnisse über Finanzen und Geldanlage positiv, unter den Frauen kommen gerade mal 28 Prozent zu einem solchen Urteil über sich selbst.
Der Umfrage für die Teambank zufolge nimmt das Wissen zu Finanzthemen mit dem verfügbaren Nettoeinkommen zu. So beurteilt nur gut ein Fünftel der Befragten, die monatlich über weniger als 1000 Euro verfügen, seine Finanzkenntnisse als sehr gut oder gut. In der Gruppe derjenigen, die 4000 Euro und mehr monatlich verdienen, liegt dieser Anteil bei 58 Prozent.
Ältere Deutsche kennen ihre Finanzen besser als jüngere
Interessant ist in dem Zusammenhang ebenfalls, dass Ältere offenbar genauer über ihre finanzielle Lage Bescheid wissen als Jüngere. So wissen demnach 56 Prozent der Befragten zwischen 50 und 79 Jahren genau, wie hoch ihre Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben sind. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind sich 37 Prozent darüber im Klaren.
Über alle Altersgruppen hinweg betrachtet hat knapp die Hälfte der Deutschen einen Überblick, über welchen Betrag sie exakt verfügen können, zehn Prozent wissen es gar nicht. Teambank-Chef Christian Polenz sagt daher: „Finanzielle Bildung muss möglichst früh ansetzen, um reflektierte Finanzentscheidungen zu ermöglichen.“
In der Yougov-Umfrage für Blackrock gab derweil ein Drittel der Deutschen als Grund, nicht zu investieren, mangelndes Wissen an. Die Mehrheit nannte fehlendes Geld. Zudem sind laut der Umfrage in Deutschland bisher deutlich mehr Männer unter den Anlegern zu finden: Der Blackrock-Befragung zufolge legen heute 47 Prozent aller Männer Geld an, aber nur 29 Prozent aller Frauen.
Doch die Frauen scheinen aufzuholen: Im Vergleich zu 2022 investiert jetzt knapp ein Viertel mehr Frauen in Wertpapiere, Fonds, ETFs, Wagniskapital oder Kryptowährungen. Bei Männern hat die Zahl der Anleger um neun Prozent zugenommen.
Und die Kluft dürfte noch kleiner werden, denn knapp die Hälfte der Anleger, die in den kommenden zwölf Monaten in Deutschland zum ersten Mal investieren, wird demnach weiblich sein.
Auch junge Leute legen immer häufiger Geld an: 41 Prozent der Menschen, die in Deutschland zum ersten Mal investieren, werden demnach zwischen 18 und 34 Jahre alt sein. Einer Abschätzung Yougovs zufolge investieren bereits 26 Millionen Deutsche ihr Geld am Kapitalmarkt an. Seit 2022 ist damit die Zahl der Anleger in Deutschland um 14 Prozent gestiegen.
Unterschiede gibt es auch beim Vergleich zwischen den Ländern Europas: Deutsche Anleger investieren der Umfrage zufolge doppelt so häufig in die börsengehandelten Fonds (ETFs) wie der europäische Durchschnitt. 40 Prozent setzen auf ETFs. Die Deutschen sind damit die größte Gruppe der ETF-Anleger in Europa, im Schnitt hält ein Fünftel der Europäer diese Fonds.