AMLA: Wie Deutschland die Anti-Geldwäsche-Behörde nach Frankfurt holen will
Christian Lindner muss sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen.
Foto: dpaBrüssel. Finanzminister Christian Lindner will die neue Anti-Geldwäsche-Behörde der EU (AMLA) mit Finanzzusagen nach Frankfurt locken. Die Bundesregierung, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt wollen je zu einem Drittel zehn Millionen Euro über fünf Jahre zur Verfügung stellen.
Die Bundesregierung werde alles bereitstellen, damit die Behörde schnell durchstarten könne, versprach Lindner am Donnerstag in Brüssel. Zuvor hatte Deutschland offiziell die Bewerbung Frankfurts eingereicht. Am Freitag läuft die Bewerbungsfrist ab.
Die deutsche Finanzhauptstadt muss sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen: Paris, Madrid, Wien, Luxemburg, Dublin, Riga und Vilnius hoffen ebenfalls auf das Prestige und die Arbeitsplätze, die eine neue EU-Behörde mit sich bringt.
Frankfurts stellvertretende Bürgermeisterin Stephanie Wüst zeigte in einer Videopräsentation drei Gebäude, in die die AMLA einziehen könnte. Zur Auswahl stehen zwei Wolkenkratzer im Zentrum (Messeturm, Tower 185) und das Bürogebäude Flow am Frankfurter Flughafen.
Lindner nannte drei Argumente für Frankfurt: Alle Banken seien dort angesiedelt, deshalb hätten die Aufseher kurze Wege. Zweitens sei auch die Europäische Zentralbank (EZB) vor Ort, mit der die Geldwäschebehörde in wichtigen Fragen zusammenarbeiten müsse. Drittens gebe es einen großen Fachkräfte-Pool, genug Büroraum und hervorragende Verkehrsanbindungen nach ganz Europa.
Der hessische Finanzminister Michael Boddenberg ergänzte, dass Frankfurt auch den weltweit größten Internetknoten bilde. Unzählige Rechenzentren sicherten die nötigen digitalen Kapazitäten für die Auswertung von Big Data.
Besonders wichtig ist für die EU die Frage, wie attraktiv ein Standort für die Mitarbeiter ist. Schließlich muss die Behörde wählerische Fachkräfte finden. Die Vertreter Frankfurts priesen daher die hohe Lebensqualität der Stadt – auch wenn es keine Weltstadt wie Paris ist.
Frankfurt ist nicht Favorit
In einer Videobotschaft erklärte Petra Hielkema, Chefin der ebenfalls dort ansässigen EU-Versicherungsaufsicht (EIOPA), dass Frankfurt das Gefühl einer Kleinstadt mit einem großen Finanzzentrum verbinde. Die Wohnviertel seien grün, man könne überall mit dem Rad hinfahren, „es ist ein leichtes Leben“. Vize-Bürgermeisterin Wüst betonte, dass jeder in Frankfurt Englisch spreche, inklusive im Rathaus.
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In EU-Kreisen gilt Frankfurt jedoch nicht als Favorit. Angesichts der erbitterten Konkurrenz zwischen Frankfurt und Paris um den Titel als führender Finanzplatz Europas könnten sich diese beiden Kandidaten gegenseitig blockieren. Profitieren würde dann eine der anderen Städte, so die Theorie.
Deutschland hatte obendrein bislang den Ruf eines Geldwäscheparadieses. Im jüngsten Bericht der internationalen Taskforce gegen Finanzkriminalität (FATF) erhielt Deutschland nur die Note 3 auf einer Skala bis 4. Lindner sagte dazu, der Bericht sei das beste Argument für Frankfurt. Denn die Bundesregierung setze nun sämtliche FATF-Empfehlungen um.