EZB: Klimastresstest: Bankenverband rechnet mit „unauffälligen“ Ergebnissen
Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Ergebnisse ihres Klimastresstests für Banken der Euro-Zone im Juli vorlegen.
Foto: dpaFrankfurt. Der Klimastresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) keine dramatischen Belastungen aufzeigen. „Wir erwarten, dass für die meisten Banken die rechnerischen Ergebnisse unauffällig sein dürften“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Ossig am Montag in einem virtuellen Pressegespräch.
„Insgesamt wären die Verluste für den Bankensektor verkraftbar“, so Ossig. Die Europäische Zentralbank (EZB) führt derzeit einen Stresstest unter großen Banken durch. Die Ergebnisse sollen im Juli vorliegen.
Vor wenigen Wochen hatte bereits die Bank of England die Ergebnisse ihres Klimastresstests veröffentlicht. In Großbritannien stellten Klimarisiken keine dramatische Bedrohung für Banken dar. Die Notenbank hatte allerdings gewarnt, aus den Ergebnissen zu schließen, dass sich Klimaschutz für die Banken nicht lohne. Sie hält die Datenlage für zu unsicher.
BdB-Hauptgeschäftsführer Ossig warnte gleichwohl davor, den Klimastresstest zum Anlass zu nehmen, für langfristige Klimarisiken einen höheren Eigenkapitaleinsatz von Banken zu verlangen. Es sei „richtig“, dass die EZB aus den „langfristigen und zum Teil auch hypothetischen Szenarien keine Kapitalanforderungen“ für die Banken ableiten wolle.
„Wenn wir die Transformation erfolgreich angehen wollen, dann brauchen wir in der Regulierung keine weiteren Steine, die uns in den Weg gelegt werden“, sagte Ossig. „Anstatt immer mehr Kapital von den Banken zu fordern, müssen Banken befähigt werden, diese notwendigen Kredite zu vergeben.“
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Damit spielte Ossig darauf an, dass der Finanzierungsbedarf vieler Unternehmen mit Blick auf notwendige Klimaschutzinvestitionen steigen dürfte, Banken aber weniger Kredite vergeben können, wenn sie für die einzelnen Darlehen mehr Eigenkapital einsetzen müssen.
Ossig betonte, dass der Bankenverband nicht grundsätzlich gegen höhere Kapitalanforderungen sei. Langfristigen Klimarisiken könne man aus seiner Sicht aber besser begegnen, indem man Nachhaltigkeit in der Geschäftsstrategie der Banken verankere. Damit ist gemeint, dass Banken sich etwa ein Ziel setzen, wie viel CO2-Ausstoß sie mit ihren Darlehen finanzieren wollen. Dadurch würden im Risikomanagement und bei der Kreditvergabe Klimarisiken stärker berücksichtigt.
Der Bankenverband wies darauf hin, dass die meisten Unternehmen aktuell noch nicht nachhaltig arbeiten würden. Das müsse die EU-Kommission auch bei ihren Plänen zur EU-Taxonomie berücksichtigen. Die Taxonomie ist ein Regelwerk, die einordnet, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig eingestuft werden. Sie dürfe jedoch „nicht nur grüne Aktivitäten im Fokus haben, sondern muss den Transformationsprozess abbilden“, so Ossig.