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StresstestKlimawandel als „permanenter Klotz am Bein“ – Bank of England warnt vor Milliardenrisiken für Banken und Versicherer

Der erste große Umweltstresstest aus Großbritannien legt nahe, dass Versicherer für Klimarisiken anfälliger sind als Banken. Gewarnt wird vor unerwünschten Folgen für Privatleute.Yasmin Osman 24.05.2022 - 16:57 Uhr Artikel anhören

Der Klima-Stresstest der Bank of England zeigt, welche Risiken die Finanzbranche selbst ohne Maßnahmen für den Klimaschutz eingehen würde.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Bank of England (BoE) rechnet mit Klimarisiken in Milliardenhöhe für Banken und Versicherungen durch den Klimawandel. Je nachdem, wie zügig und entschlossen der Klimawandel bekämpft wird, dürften die umweltbezogenen Verluste der Branche zwischen 209 Milliarden britischen Pfund und – sollte nichts für den Klimaschutz unternommen werden – 334 Milliarden britischen Pfund (umgerechnet 393 Milliarden Euro) liegen.

Das geht hervor aus dem Abschlussbericht des Klimastresstests, den die britische Notenbank am Dienstag veröffentlicht hat. „Klimarisiken werden zu einem permanenten Klotz am Bein für die Profitabilität von Banken und Versicherern – vor allem, wenn sie nicht effektiv damit umgehen“, sagte Sam Woods, der Vizegouverneur der Notenbank, der für die Überwachung der Branche zuständig ist.

Dem Stresstest zufolge könnten Klimarisiken zu Verlusten von zehn bis 15 Prozent der durchschnittlichen Jahresgewinne der Branche führen. „Verluste in dieser Größenordnung könnten einzelne Unternehmen und das Finanzsystem insgesamt verwundbarer für andere künftige Schocks machen“, schreibt die Bank of England.

Eine unmittelbare Gefahr für das Finanzsystem sieht die Behörde allerdings nicht. Die Gesamtkosten für einen Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft erscheinen „tragbar“, ohne „substanzielle Auswirkungen“ auf die Eigenkapitalpositionen der Unternehmen, schreibt die BoE.

Die Bank of England ist die erste große Notenbank, die einen so umfassenden Klimastresstest durchgeführt hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) führt derzeit einen Stresstest unter großen Banken durch. Die Ergebnisse sollen im Juli vorliegen. „Im Verlauf des Jahres 2024“ soll es in der Europäischen Union dann auch einen gemeinsamen Klima- und Umweltstresstest für Banken, Versicherungen und Wertpapierfirmen geben, wie Jakob Gyntelberg, Direktor der EU-Bankenaufsicht Eba, vor Kurzem dem Handelsblatt sagte.

Ähnliche Simulation in Frankreich

Die Ratingagentur Fitch hatte den britischen Klimastresstest in Relation zu einer vergleichbaren Klimaübung der französischen Notenbank im vergangenen Jahr als „härter“ bezeichnet. In den Szenarien seien im Vergleich ein höherer Preisanstieg für CO2-Zertifikate und ein stärkerer Temperaturanstieg enthalten. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich über 30 Jahre.

Die stärksten finanziellen Folgen hätte der Klimawandel für Lebensversicherer, deren Verlustrisiko im günstigsten Fall – also im Falle entschlossener Klimaschutzmaßnahmen – bei 112 Milliarden Pfund liegt und im ungünstigsten Szenario – hier geschieht nichts – bei 218 Milliarden Pfund. Das liegt daran, dass Lebensversicherer das Geld ihrer Versicherungsnehmer stark in Wertpapieren von Unternehmen anlegen.

Bei strengen Klimaschutzmaßnahmen würden die Wertpapiere von Unternehmen verlieren, die viel CO2 verbrauchen. Bei einem Verzicht auf Klimaschutz wären die Investitionen in Unternehmen aus Branchen gefährdet, die unter einem starken Klimawandel zu leiden hätten, etwa die Lebensmittelproduzenten.

Für Banken wäre eine späte Reaktion auf den Klimawandel am teuersten (110 Milliarden Pfund). Scheinbar am günstigsten (60 Milliarden Pfund) wäre es, wenn keinerlei Maßnahmen ergriffen würden.

Die Bank of England warnt allerdings davor, aus den Daten zu schließen, dass sich der Klimaschutz für Banken nicht lohne. „Diese Schätzungen sind ganz besonders unsicher“, so die Notenbank. Sie hat den Eindruck, dass die Banken „weniger gut ausgerüstet sind, um vollständig die Auswirkungen der physikalischen Risiken zu bewerten“, die bei einem „No-Action“-Szenario vorherrschend sind. Das gelte vor allem für die Folgen, die ein dramatisches Klimaszenario für Unternehmen haben könnte.

Der Umbau offenbart auch Chancen

Der Stresstest hat auch die möglichen Reaktionen der Branche auf den Klimawandel untersucht. Ein klimaneutraler Umbau der Wirtschaft böte danach mehr Chancen für die Finanzbranche für zusätzliche Geschäfte als der Verzicht auf Klimaschutz.

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„Banken konnten mehr neue Möglichkeiten quantifizieren als Lebensversicherer“, heißt es im Bericht. Das liegt daran, dass Banken mehr Kredite gewähren für Profiteure eines solchen Umbaus, wie etwa grüne Energieversorger oder Firmen, die Technologie für Batterien für Elektrofahrzeuge herstellen. Firmen, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind, würden weniger Kredite erhalten.

Bedrohlich könnte die zunehmende Wahrscheinlichkeit von extremen Wetterereignissen für britische Versicherungsnehmer werden. Sachversicherer würden dann die Preise für Versicherungen mit steigenden Risiken anheben. Da die meisten Policen auf ein Jahr befristet sind, können die Versicherer die Preise schnell anpassen. In einem Szenario ohne Klimaschutz würden etwa sieben Prozent der britischen Haushalte ihren Versicherungsschutz verlieren, weil ihre Immobilien dann als unversicherbar gelten oder die Police zu teuer ist.

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